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Allgemeines
Als Skabies oder Krätze wird eine parasitäre Erkrankung der Haut bezeichnet, die durch eine bestimmte Milbenart hervorgerufen wird. Krätz- oder Skabiesmilben (Sarcoptes scabiei variatio hominis) sind Parasiten, die bei Körperkontakt von Mensch zu Mensch übertragen werden. Die winzig kleinen Spinnentierchen messen weniger als einen halben Millimeter. Sie lösen eine stark juckende Hauterkrankung aus. Weltweit sind alle Altersstufen der Bevölkerung betroffen. Besonders gefährdet sind hierzulande Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, in denen es immer wieder zum gehäuften Auftreten kommt.
Ursache
Die Ansteckung mit Skabies geschieht über den engen körperlichen Kontakt mit einer infizierten Person. Eine Infektion mit Krätzemilben hat dabei nicht unbedingt etwas mit unhygienischen Lebensverhältnissen zu tun, wird aber durch schlechte hygienische und sozioökonomische Verhältnisse begünstigt. Skabiesmilben breiten sich, ähnlich wie Läuse, bevorzugt dort aus, wo viele Menschen dicht zusammenkommen. Neben Alten- und Pflegeheimen, sind Kindergärten und Schulen und sogar Krankenhäuser bevorzugte Orte für eine Verbreitung. Auch Schlafstätten für Wohnungslose sind begünstigte Ansteckungsorte. Die Milben können auch durch Kleidungs- oder Wäschestücke sowie durch Betten (Bettwäsche, Matratzen, Decken, Kissen etc.) übertragen werden, wenn diese nicht ausreichend gereinigt oder von mehreren Personen getragen bzw. benutzt werden. Bei Kindern sollte auch den Plüschtieren, in Heimen und Krankenhäusern dem medizinischen Equipment (Blutdruckmanschetten, Thermometer etc.) besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Symptome
Krätzemilben halten sich in der Hornschicht der Haut auf und ernähren sich von Lymph- und Hautzellen. Durch die verursachten Schäden wird das Immunsystem aktiviert, und es entstehen die kennzeichnenden Hautveränderungen.
Die typischen Skabies-Symptome Jucken, Brennen und schuppige Haut werden durch eine Entzündung der Haut hervorgerufen. Charakteristisch sind außerdem stecknadelgroße Bläschen, gerötete und entzündete Knötchen und Eiterbläschen. Die Hautveränderungen können einzeln oder in Gruppen vorkommen. Durch Kratzen entstehen Krusten (Roben). Bei einer Sensibilisierung gegenüber Milbenantigenen kann ein allergischer Hautausschlag dazukommen. Meist treten die Symptome erst zwei bis fünf Wochen nach der Ansteckung auf, sie können aber auch bereits nach wenigen Tagen spür- und sichtbar werden.
In einer zweiten Erkrankungsphase nach etwa zwei bis sechs Wochen treten häufig generalisierte allergische Symptome auf, die durch die Ausscheidungen der Krätzmilben und die zerfallenden Milbenkörper hervorgerufen werden. Diese enthalten starke Antigene. Generalisiert bedeutet: Die Allergie kommt verbreitet auch an Hautstellen zum Vorschein, die nicht akut von Milben betroffen sind.
Skabiesmilben bevorzugen Hautareale mit verhältnismäßig dünner Hornschicht und hoher Temperatur. Häufige Infektionsorte sind die Hautfalten an den Handgelenken sowie zwischen Fingern und Zehen. Außerdem die Achseln und Ellenbogen sowie Brustwarzenhof, Nabel- und Genitalbereich. Häufig betroffen sind auch die Leistenregion, der Bereich rund um den After sowie die Knöchelregion und die inneren Fußränder.
Die weiblichen Milben bohren feine, gewundene, millimeterlange, teils „kommaartige“ Gänge in die Hornschicht und legen dort ihre Eier ab. Man erkennt rötliche bis anthrazitfarbene Linien. Die Larven schlüpfen nach drei bis fünf Tagen und wandeln sich innerhalb von drei Wochen zu geschlechtsreifen Milben um.
Diagnose
Starker Juckreiz an für Skabies typischen Stellen, der sich in der Nacht verstärkt, in Verbindung mit knötchen- und bläschenförmigen Hautveränderungen führen den Arzt auf die Spur der Erkrankung. Um Skabies sicher zu diagnostizieren sucht man nach Milbengängen, Larven oder Kotballen. Erschwert wird diese Suche durch Aufkratzen, Krusten und Infektionen. Ein beleuchtetes Stereodermatoskop, eine Art tragbares Mikroskop mit dem man 20-60fach vergrößern und räumlich sehen kann, hilft dem Arzt bei der Suche. Eine Hautprobe kann unter dem Mikroskop untersucht werden, um Milben oder Milbenprodukte zu finden. Aufgrund ähnlicher Symptome kann Skabies mit einer Reihe anderer Hauterkrankungen verwechselt werden, wenn kein charakteristischer Milbengang zu finden ist. Es ist daher wichtig, bei Verdacht auf Neurodermitis (atopisches Ekzem), Kontaktekzem, Psoriasis oder andere juckende, entzündliche Dermatosen (systemischer Lupus erythematodes, bullöses Pemphigoid, Langerhanszell-Histiozytose, seborrhoische Dermatitis) auch an Skabies zu denken und die Diagnose exakt zu stellen. Auch andere Ektoparasitosen (Tierkrätze, Trugkrätze, Demodexinfestation, Herbstmilbendermatitis oder Erntekrätze, Pediculosis pubis) müssen vom Arzt ausgeschlossen werden.
Behandlungsmöglichkeiten
Für die Therapie der Krätze oder Skabies stehen dem Arzt mehrere Insekten tötende (insektizide) Wirksubstanzen zur Verfügung. Sie werden in Form einer Creme oder eines Sprays äußerlich auf die Haut aufgetragen oder als Tablette eingenommen. Die Creme wird nach Vorschrift des Arztes – am besten abends – mit Ausnahme des Kopfes sorgfältig auf der gesamten Haut verteilt und am nächsten Morgen mit Seife abgewaschen. Beim Auftragen die Schleimhäute an den Körperöffnungen sorgfältig aussparen! Meist reicht eine einmalige Behandlung aus. Werden jedoch nach zwei Wochen neue Milbengänge, Bläschen oder Knötchen entdeckt, muss die Behandlung wiederholt werden.
Bei dem oral einzunehmenden Wirkstoff handelt es sich eigentlich um ein Breitband-Antiwurmmittel, das aber auch gegen andere Humanparasiten wie Insekten und Milben wirkt. Diese Behandlung wird in der Regel zweimal im Abstand von acht Tagen durchgeführt. Bei bestimmten Formen der Skabies können fünf bis sieben Behandlungen im Abstand von 8 Tagen erforderlich werden. Das orale Mittel ist in Deutschland nicht zur Behandlung der Skabies zugelassen und kann nur im Rahmen eines so genannten Heilversuchs angewendet werden. Das geht nicht ohne die ausdrückliche Zustimmung des Patienten.
Die Bekämpfung von Krätzeepidemien in Pflegeeinrichtungen ist in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung. Oftmals wurde die Übertragung auch durch umfangreiche und sorgfältige Behandlungsmaßnahmen nur vorübergehend unterbrochen und aus einer Epidemie wurde nicht selten ein Dauerzustand. Der Misserfolg der Bekämpfungsmaßnahmen war dabei unabhängig von dem eingesetzten topisch (äußerlich) wirksamen Medikament.
Eine Gruppe deutscher Dermatologen hat daher ein neues Konzept vorgeschlagen, demzufolge alle Heimbewohner, das gesamte Pflegepersonal sowie Familienmitglieder von Patienten bzw. Pflegepersonal, zu denen in den letzten vier Wochen enger Körperkontakt bestand, am selben Tag mit der Wirkstoffcreme behandelt werden. Diese Behandlung solle unabhängig davon geschehen, ob ein Verdacht auf Skabies vorliege oder nicht. Alle Patienten mit einer speziellen, ausgedehnten Form der Skabies (Scabies crustosa) werden laut der Empfehlungen zeitgleich mit dem oralen Wirkstoff therapiert, nehmen also entsprechende Tabletten ein. Zusätzlich müssen Matratzen, Bettwäsche und Bekleidung gewechselt und ggf. Räume, Fußböden, Vorhänge und Möbel desinfiziert werden. Ein riesiger Aufwand, der vermutlich nur mit zusätzlichen Mitarbeitern zu schaffen ist, der aber langfristigen Erfolg verspricht.
Bei Endemien in Heimen, Gemeinschaftseinrichtungen oder Krankenhäusern muss das Gesundheitsamt benachrichtigt werden. Wie sich Personen mit Skabies, die in Gemeinschaftseinrichtungen (Schulen, Pflegeheime etc.) tätig sind, zu verhalten haben, regeln gesetzliche Bestimmungen (§ 34 Infektionsschutzgesetz - IfSG). Die Einrichtungen legen nach § 33 IfSG in Hygieneplänen innerbetriebliche Verfahrensweisen zur Infektionshygiene fest.
Lit.:
„Skabies“ - Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) - Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Infektiologie (ADI), Prof. Dr. Cord Sunderkötter, Münster, et al., AWMF-Leitlinien-Register Nr. 013/052, Entwicklungsstufe 1, 2008
„Krätzmilbenbefall (Skabies)“, Reihe „RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten – Merkblätter für Ärzte“, Robert-Koch-Institut, 2009
a)
1. Millership S, Readman R, Bracebridge S: Use of ivermectin, given orally, to control scabies in homes for the elderly mentally ill. Commun Dis Public Health 2002; 5(2): 144–146
2. Paasch U, Haustein UF: Management of endemic outbreaks of scabies with allethrin, permethrin, and ivermectin. Int J Dermatol 2000; 39(6): 463–470
3. Sullivan JR, Watt G, Barker B: Successful use of ivermectin in the treatment of endemic scabies in a nursing home. Australas J Dermatol 1997; 38(3): 137–140 |
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