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Alopezie (Haarausfall)
Allgemeines / Definition
Als Alopezie bezeichnet man den Zustand der Haarlosigkeit an Stellen, die normalerweise mit kräftigen, vollständig pigmentierten Haaren (Terminalhaaren) bedeckt sind. Der Fokus liegt hier auf der Kopfbehaarung, es kann aber auch die Körperbehaarung (Achseln, Scham etc.) betroffen sein. Die möglichen Ursachen für den Haarverlust sind vielfältig. Die Medizin unterscheidet scharf den begrenzten von diffusem Haarausfall, vernarbenden (irreversiblen) von nicht vernarbendem (reversiblem) sowie angeborenen von erworbenem Haarverlust.
Formen, Ursachen, Symptome, Behandlungsmöglichkeiten
Angeborene Alopezien
Angeborene Formen der Alopezie können diffus sein, also zu einer ausgedünnten oder schütteren Ausprägung beispielsweise der Kopfbehaarung führen, oder sich als münzgroße haarfreie Areale an der Haargrenze im Schläfenbereich ausprägen.
Diffuse erworbene Alopezien
Bei der Gruppe der erworbenen, also nicht angeborenen Alopezien, unterscheidet man akute, für einen begrenzten Zeitraum chronische und fortschreitende Formen.
I) Akuter Haarausfall
Ein akuter Haarausfall, der innerhalb von Stunden bis Tagen zu einer diffusen Ausdünnung des Haares führt, wird meist durch die Einwirkung von Substanzen oder Ereignissen (sog. Noxen) ausgelöst, die den Haarwurzeln Schaden zugefügt haben. Haarausfall verursachen können chemische Stoffe, Gifte, Medikamente, Verhütungsmittel oder Röntgenstrahlen. Als Ursachen kommen auch Krankheiten wie Erkrankungen der Hormondrüsen, Infektions-erkrankungen, Hautinfektionen oder auch psychosomatisch bedingte Störungen in Frage. Auch Mangelerscheinungen, wie etwa ein Eisenmangel, können zu Haarverlusten führen. Für diese akuten Formen des Haarausfalls ist es entscheidend, die Einwirkung der schädlichen Stoffe oder Ereignisse zu unterbinden sowie Mangelerscheinungen auszugleichen. Die Haare wachsen in den meisten Fällen wieder nach.
II) Chronischer Haarausfall
Wird die Haarmatrix (Bildungszone des Haares) nur geringfügig geschädigt, kann es zu einer Einschränkung des Haarwachstums und nach drei Monaten zum Haarverlust kommen. Die Medizin spricht dann von einem chronischen diffusen erworbenen Haarverlust. Auch dafür können die unterschiedlichsten Substanzen oder Ereignisse (Noxen) ursächlich sein (vergleiche: „akuter Haarausfall“). Nach Ausschaltung der schädlichen Stoffe, Strahlen oder Erkrankungen wachsen auch hierbei die Haare meist langsam wieder nach.
III) Fortschreitender Haarausfall
Männlicher Haarausfall (Androgenetische Alopezie)
Die bekannteste Form des Haarausfalls ist die unter Männern verbreitete, aber auch bei Frauen vorkommende, androgenetische Alopezie. Dieser männliche Haarausfall ist einerseits genetisch vorbestimmt, wird aber andererseits durch die Alterung bedingt. Ausgelöst wird er durch eine erhöhte Empfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber männlichen Sexualhormonen (Androgenen). Etwa 80 % aller Männer sind bis zum 70. Lebensjahr mindestens vom ersten, leichtesten Grad des männlichen Haarausfalls, den Geheimratsecken, betroffen. Bis 15 % entwickeln Grad IV (hufeisenförmiges Haarband, Glatze), doch nur bei 1-2 % ist dies bereits im Alter von 30 Jahren der Fall. Die Haare im Bereich der Glatze wachsen nun nicht mehr zu dicken, langen, pigmentierten Haaren aus, sondern wandeln sich zu dünnen, extrem kurzen, hellen, fast unsichtbaren Härchen (Vellushaare). Die lichte Stelle (Tonsur) am Hinterkopf bezeichnet man als Grad II und die Phase, in der Geheimratsecken und die Tonsur am Hinterkopf langsam zusammenfließen als Grad III. Die Talgdrüsen funktionieren bei der androgenetischen Alopezie in der Regel normal. Eine erfolgreiche Behandlung, die auch die Bildung neuer Haare einschließt, ist derzeit kaum möglich. Die Wissenschaft forscht an Antiandrogenmitteln. Östrogenhaltige Haarwässer können das Fortschreiten verzögern. Lokal wirksame Antiandrogenmittel können die Wachstumsphase der Haare verlängern. Mittel, die die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron hemmen, können den Haarausfall bei vielen Patienten zum Stillstand bringen. Als Ersatztherapien kommen Haarersatz (Haarteile) oder Haartransplantationen in Frage.
Alterungsbedingter Haarausfall der Frau
Haarausfall bei Frauen, der z.B. um die Wechseljahre herum beginnt und mit dem Älterwerden zunimmt, kann genetisch vorbestimmt sein; er kann aber auch individuell bedingt, also nicht vererbt sein. Wie bei Männern sind auch bei Frauen 95 % aller Fälle von Haarausfall diesem Alopezie-Typ (Androgenetische Alopezie der Frau) zuzuordnen. Insgesamt sind Frauen aber erheblich seltener von Haarverlusten betroffen als Männer. Und auch das äußere Erscheinungsbild des Haarausfalls ist bei Frauen anders. Zu einer ausgeprägten Glatze kommt es nur in Ausnahmefällen. Bei betroffenen Frauen findet eine Lichtung des Haares um den Scheitel herum statt, der vorne beginnt und sich nach hinten weiter fortsetzt. Sie wird in drei Grade eingeteilt (Grad I-III). Als Ursache kommen verschiedene Quellen einer Störung des Androgenspiegels in Frage (Tumore, Medikamente) sowie die erhöhte Empfindlichkeit der Haarwurzeln auf die männlichen Geschlechtshormone, die natürlicherweise auch bei Frauen vorkommen. Als Therapie kommen orale Androgenhemmer, lokale Östrogenpräparate oder Steroide (Kortison & Co.) in Frage. Bei Therapieversagen sind Haarersatz (Perücke, Echthaarersatz) oder Haartransplantationen zu erwägen.
Haarausfall durch innere Erkrankungen (z.T. irreversibel)
Auch schwere innere Erkrankungen können zu Haarverlusten führen. Dazu gehören chronische Infekte und Krankheiten wie Tuberkulose, Leukämie, schwere Leberstörungen, Tumorerkrankungen (Neoplasien), Diabetes mellitus (Zucker), Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen), Lupus erythematodes visceralis (LE, Abwehrschwäche des Organismus - Autoimmunerkrankung). Zum Teil sind diese Haarverluste irreversibel, da in den verkahlenden Bereichen Vernarbungen stattfinden. Das kann z.B. bei LE, Pilzerkrankungen auf der Kopfhaut, Syphilis oder hellem Hautkrebs sowie auch bei Verätzungen oder Verbrennungen der Fall sein. Diese Form der Alopezie ist schwierig zu behandeln; eine erfolgreiche Therapie ist oft nicht möglich.
Scharf begrenzte Formen des Haarausfalls
Kreisrunder Haarausfall (Alopezia areata)
Neben den diffusen Haarverlusten gibt es auch scharf begrenzte Formen des Haarausfalls. Die häufigste ist der so genannte Kreisrunde Haarausfall (Alopezia areata). Er gehört zu den nicht vernarbenden, zirkumskripten (scharf begrenzten) Alopezien. Kennzeichnend sind eine oder mehrere oft kreisrunde Kahlstellen in der Kopfbehaarung, die häufig mit leichten Entzündungen der Haarwurzeln verbunden sind. In der Regel sind die Verkahlungen reversibel. Von dieser Erkrankung sind häufiger Kinder und junge Menschen betroffen. Man vermutet eine Autoimmunreaktion hinter den Haarverlusten. Das heißt, das Immunsystem richtet sich gegen körpereigene Strukturen, in diesem Fall gegen die Haarwurzeln. Der Haarausfall tritt bei der Alopezia areata plötzlich und ohne erkennbare Ursache auf und kann sich unter Umständen weiter ausweiten. Eine Behandlung der Ursachen ist derzeit noch nicht möglich. Hilfreich ist aber oftmals eine antientzündliche Therapie mit Kortikosteroiden (Kortison & Co.) oder ggf. eine lokale Immuntherapie. Das Ansprechen auf eine Therapie erfolgt in der Regel nur langsam. Für die Zukunft könnten Lasertherapien möglich werden. Bei einem Drittel der Patienten wachsen die Haare binnen sechs Monten spontan wieder nach, bei der Hälfte nach einem Jahr. Bei 20 % wachsen die kahlen Stellen nicht wieder zu. Nicht selten kommt es nach Monaten oder Jahren zu erneuten Kahlstellen.
Weitere Formen der reversiblen (nicht vernarbenden) scharf begrenzten Alopezien sind: das „Loosen-Anagen-Hair-Syndrom“ bei Kindern, die „Zirkumskripte, postinfektiöse Alopezie“ durch bakterielle, virale oder entzündliche Hauterkrankungen und die „Zirkumskripte, traumatische Alopezie“, die durch chronischen Druck oder Zug entsteht. Zu den irreversiblen (vernarbenden) scharf begrenzten Alopezien gehören: Alopezien bei angeborenen Hautkrankheiten sowie erworbene, vernarbende Alopezien nach Quetschungen, Verätzungen, Verbrennungen, Röntgenschäden oder Infektionserkrankungen der Haut durch Viren, Bakterien oder Pilze. Hinzu kommen spezifische Krankheitsbilder wie Pseudopelade Brocq (Alopezia areata atrophicans), Pseudopeladezustände, die ebenfalls irreversibel sind, sowie verschiedene Erkrankungen (Dermatosen) der Kopfhaut, die ebenso zu Haarausfall führen können. Für die genaue Diagnose ist es ratsam, bei Haarverlusten in jedem Fall den Hautarzt aufzusuchen.
Quellen und weiterführende Lit.:
„Dermatologie“, Ernst G. Jung, Ingrid Moll, 5. komplett überarbeitete Auflage 2003, Thieme
„Alopezie: Diagnostik und Therapie“, U. Costanzo, Schweizer Med Forum Nr. 26, 2001, Dermatologische Universitätsklinik und -poliklinik, Inselspital Bern
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