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Aphthen
Allgemeines
Aphthen sind schmerzhafte Entzündungen der Mundschleimhaut. Die meist runden oder länglichen Stellen sind weißlich gefärbt aufgrund eines Belags aus Fibrin, einem Eiweiß, das bei der Blutgerinnung eine zentrale Rolle spielt und Wunden netzförmig verschließt. Aphthen können sich am Zahnfleisch, der Innenseite der Lippen, am Gaumen, an den Mandeln oder der Zunge entwickeln. Bei vielen Betroffenen kehren die quälenden Entzündungsherde an unterschiedlichen Stellen immer wieder. Man spricht dann von chronisch rezidivierender Aphthose. Schätzungen zur Häufigkeit (Prävalenz) dieser Mundschleimhautentzündungen reichen von 5 bis 21 Prozent.
Unterschieden werden drei Formen von Aphthen: kleine, große und in größeren Gruppen auftretende Aphthen. Die kleine, so genannte Minor-Aphthe, ist die häufigste Form. Sie macht weit mehr als drei Viertel aller Fälle (75 – 90 Prozent) aus. Minor-Aphthen sind in etwa so groß wie eine Linse, schädigen die Schleimhaut eher oberflächlich und heilen meist nach ein bis zwei Wochen wieder ab. Die große, die Major-Aphthe, kann bis zu drei Zentimeter groß werden. Sie schädigt die Schleimhaut bis in tiefere Schichten und heilt wesentlich langsamer, erst innerhalb mehrerer Wochen ab. Die in größeren Gruppen auftretenden herpetiformen Aphthen kommen sehr selten vor. Sie ähneln Herpes-Bläschen und erscheinen oft am Zungenrand oder an den Innenseiten der Lippen.
Ursachen
Die Ursache der schmerzhaften Schleimhautläsionen ist nicht genau bekannt. Eine vorübergehende Schwächung des Immunsystems, z.B. durch Stress oder Infektions-erkrankungen, könnte eine Rolle spielen, verbunden mit kleinen Verletzungen der Mundschleimhaut, verursacht beispielsweise durch die Zähne, scharfkantige/harte Nahrungsmittel oder die Zahnbürste. Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie auf Gluten (Klebereiweiß in Getreide), Nüsse oder Käse werden als Auslöser ebenso diskutiert wie bestimmt Formen der Mangelernährung: Beispielsweise ein Mangel an bestimmten B-Vitaminen (B12, B1, B2, B6), Eisen- oder Folsäuremangel oder auch ein Mangel am Mineralstoff Zink. Auch eine Autoimmunreaktion des Körpers (Allergien, Morbus Behcet, Morbus Crohn) sowie eine fehlerhafte Regulierung der Blutgefäße in der Mundschleimhaut durch die Nerven werden als mögliche Ursachen von Aphthen erwogen. Möglicherweise spielen auch Nebenwirkungen bestimmter Medikamente eine Rolle. Eine schlechte Mundhygiene und schlechte Zähne sowie zahlreiche Krankheiten fördern die Bildung von Aphthen. Hormonschwankungen könnten ebenfalls eine Rolle spielen. Aphthen kommen oftmals in Familien gehäuft vor, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Mediziner gehen aufgrund der familiären Häufung von einer erblichen Veranlagung aus.
Symptome
Aphthen entstehen meist sehr rasch und treten urplötzlich auf. Manchmal geht eine juckende, kribbelnde oder brennende Rötung voraus. Dann zeigen sich Aphthen als runde, meist etwa linsengroße, weiß-gelblich gefärbte Entzündungen der Mundschleimhaut (Fibrinbeläge): Dem Laien erscheinen sie wie ein „Schleimhaut-Pickel“. Der Rand ist leicht erhaben und oftmals gerötet. Die Schleimhaut wird oberflächlich zerstört. Weniger häufig sind großflächigere Läsionen, die auch eine längliche Form annehmen können. Meistens treten Aphthen einzeln auf, zuweilen bilden sich zwei oder drei zur gleichen Zeit. Eng beieinanderstehende Aphthen können auch miteinander verschmelzen. Seltener kommen Gruppen vieler kleiner Aphthen vor, die an Herpesbläschen erinnern.
Bevorzugte Befallsorte sind die Innenseite der Wangen und Lippen, sowie der Mundboden und die Zungenunterseite. Herpetiforme Aphthen (s.o.) sind vorwiegend an den Zungenrändern und an den Innenseiten der Lippen zu finden.
Beim Kauen, Trinken und Schlucken und zum Teil auch beim Sprechen verursachen die kleinen Geschwüre Schmerzen, da die Nervenenden in der angegriffenen Schleimhaut bloß liegen. Auch der Kontakt zu Nahrungsmitteln, insbesondere zu Heißem, Saurem und Scharfem, sowie zur Zahnbürste sind dann sehr schmerzhaft. Aphthen können sogar Mundgeruch verursachen.
Linsengroße Aphthen heilen in der Regel innerhalb von ein bis zwei Wochen ohne Narbenbildung ab. Bei den größeren kann das zwei bis vier Wochen oder sogar mehrere Monate dauern. Major-Aphthen (s.o.) können zu Narben führen. Bis zu vier Mal im Jahr kommen die Quälgeister wieder.
Bei schweren Verläufen kann die Mundentzündung auch von Fieber und/oder Abgeschlagenheit begleitet sein. Dann ist unbedingt der Arzt aufzusuchen. Möglicherweise blutet das Zahnfleisch ein wenig, wenn man es berührt.
Am häufigsten betroffen sind Menschen im Alter zwischen 10 und 30 Jahren. Bei älteren Betroffenen nimmt für gewöhnlich die Häufigkeit dieser lästigen und quälenden Erscheinungen mit der Zeit ab.
Diagnose
Aphthen sind in aller Regel harmlos und nicht ansteckend. Der Arzt erkennt sie beim Blick in den Mund an ihrem charakteristischen Erscheinungsbild, also an ihrem typischen Aussehen. Da auch Erkrankungen, Mangelzustände, Allergien etc. als Ursache eine Rolle spielen können, fragt der Arzt außerdem nach der Krankengeschichte und lässt bei einer Blutuntersuchung verschiedene Laborparameter messen.
Aphthen können zudem mit anderen Erkrankungen verwechselt werden. Einige Infektionskrankheiten und Vorstadien von Krebs können ähnlich aussehen. Bei manchen Darmkrankheiten (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn) und einer seltenen Allgemeinerkrankung (M. Behcet) finden sich die Aphthen ungewöhnlich häufig. Ein Arztbesuch empfiehlt sich daher in jedem Fall, ganz besonders aber, wenn die Gebilde nicht von selbst abheilen, starke Schmerzen verursachen oder häufig wiederkehren. Der Arzt sollte in jedem Fall auch dann aufgesucht werden, wenn das Auftreten von Aphthen mit Allgemeinsymptomen wie Fieber, Abgeschlagenheit oder Durchfall verbunden ist, oder wenn parallel Begleiterkrankungen wie Bindehautentzündung, Arthritis oder Ulzerationen (Wunden, Geschwüre) auftreten.
Behandlungsmöglichkeiten
Eine ursächliche Therapie für Aphthen ist bislang nicht bekannt. Steht die Aphthenbildung im Zusammenhang mit anderen Grunderkrankungen (s.o.) oder mit Mangelerscheinungen (Vitamin- oder Mineralmangel), so müssen diese behandelt werden. Liegen Nahrungsmittelallergien oder -unverträglichkeiten vor, gilt es, die entsprechenden Nahrungsmittel zu meiden. Auch ein bestimmter Inhaltsstoff von Zahncremes (Natriumlaurylsulfat) steht im Verdacht die Bildung von Aphthen zu fördern.
Bei der „gewöhnlichen“ Aphthe können zumindest die Symptome, also Schmerzen und Entzündung, gelindert und die Heilung beschleunigt werden. Dafür stehen schmerzstillende, lokal betäubende und antiseptische Mittel in Form von Sprays, Gurgellösungen, Haftgelen oder -salben zur Verfügung. Auch so genannte adstringierende, also zusammenziehend wirkende Mittel kommen zum Einsatz. Die ätzende Wirkung mancher Mittel soll die Abstoßung von abgestorbenem Gewebe und damit den Heilungsprozess beschleunigen. Auch entzündungshemmende oder leicht antiseptische Mittel gegen einwandernde Bakterien werden angewendet. Und auch kortisonhaltige Lutschtabletten kommen unter Umständen zum Einsatz. Bei stärkeren Beschwerden kann der Arzt auch stärkere Arzneimittel in Tablettenform verschreiben. Pilzinfektionen müssen mit Antipilzmitteln therapiert werden.
Neben ärztlich verordneten oder vom Apotheker empfohlenen Präparaten kennt die Volksheilkunde auch Spülungen mit Kamillen- oder Salbeitee sowie Melissenextrakt oder australisches Teebaumöl als entzündungshemmende Mittel. Ebenso können pflanzliche Tinkturen aus Myrrhe, Nelke, Ratanhia oder Rhabarberwurzel die Beschwerden abmildern. Gewürznelken z.B. sind pflanzliche Lokalanästhetika. Was hilft, muss im Einzelfall ausprobiert werden. Bei häufig wiederkehrenden Aphthen kann ein Therapieversuch mit einem Vitamin- und Mineralstoffpräparat unternommen werden.
Wichtig sind auch eine gute allgemeine Mundhygiene und eine gute Zahngesundheit. Schlechte Zähne müssen behandelt werden. Und nicht zuletzt auch eine gesunde, zufriedene Lebensführung mit dem Ziel einer Stärkung des Immunsystems kann zum Schutz vor Aphthenbildung beitragen.
Alleine der Zahnarzt kann durch eine Softlasertherapie eine Aphthe entfernen. Doch bei nicht so großem Leidensdruck tröstet vielleicht die folgende Tatsache: Ob mit oder ohne Therapie, Aphthen verschwinden nach ein bis zwei Wochen von allein.
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