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Cheilitis actinica (Solare Lippenschäden)

Allgemeines

Die Cheilitis actinica ist eine UV-Schädigung - eine solare Veränderung - der Lippenhaut. Aufgrund der chronischen UV-Schädigung ist sie gekennzeichnet durch eine Auszehrung bzw. Verdünnung des Gewebes (Atrophie) der Lippenhaut. Später kommen Stellen mit einer rauhen, fest haftenden, hornig-schorfartigen Oberfläche (Keratosen, Verhornungsstörung) hinzu. Im englischen Sprachgebrauch kennt man dafür umgangssprachliche Begriffe wie „farmers‘ lip“ oder „sailors‘ lip“. Aus dieser Sonnenschädigung kann sich eine bestimmte Art von hellem Hautkrebs, das Plattenepithelkarzinom oder Spinaliom, entwickeln.

Die Unterlippe ist am häufigsten betroffen. Solare Lippenschädigungen treten deutlich gehäuft bei Männern, älteren Menschen und Rauchern auf.


Ursachen

Die aktinische Cheilitis (Cheilitis actinica) wird durch chronische und übermäßige Bestrahlung der Lippenhaut mit Sonnenlicht, insbesondere durch dessen UV-Anteil, verursacht. Regelmäßige Sonnenexposition am Arbeitsplatz (Arbeiten im Freien) erhöht das Risiko. Menschen mit hellem Teint und einer Tendenz zu Sonnenbränden sind stärker gefährdet. Doch neben dem UV-Licht können noch weitere Faktoren eine Rolle spielen wie Rauchen, Lippenreizungen, schlechte Mundhygiene und schlecht sitzende Zahnprothesen. Beim Rauchen sind vermutlich vor allem Karzinogene aus dem Tabak wie z. B. Arsen entscheidend. Eine kontinuierliche Reizung der Unterlippe durch schlecht sitzende Prothesen kann zur Schädigung der empfindlichen Zellen der Lippen und zur Entwicklung kleiner Tumore führen. Das Gleiche gilt für die fortgesetzte Präsenz schädlicher Bakterien, bedingt durch einen Mangel an Mundhygiene. Bei auftretenden, chronisch persistierenden Wunden am Lippenrot sollte man im Zweifel den Hautarzt zu Rate ziehen.

Die aktinische Cheilitis tritt vor allem bei Personen auf, die älter sind als 50 Jahre und die Häufigkeit der Erkrankung steigt mit zunehmendem Alter. Männer sind wesentlich häufiger betroffen als Frauen.


Symptome

Die Symptome einer Cheilitis actinica entwickeln sich sehr langsam, so dass sie von den Patienten zunächst häufig gar nicht bemerkt werden. Es beginnt mit leichten Schwellungen und Verhärtungen des Lippenrots an einzelnen Stellen. Die degenerativen Veränderungen der (Unter-)Lippe sind diffus verteilt. Sie zeigen sich dem Betrachter als bleibende, fleckige Rötung mit weißlichen, fest haftenden Plaques, also rauhen Flecken, die schuppig belegt erscheinen. Die normalerweise scharfe Abgrenzung zwischen dem Lippenrot und der umgebenden Haut verwischt. Hinzu kommen eine Verdünnung der Haut, der (Unter-)Lippe sowie meist Trockenheit und Rhagaden. Später können sich schmerzlose Geschwüre entwickeln, die zunächst aussehen wie warzenartige Verdickungen. Diese sind nicht ganz so leicht von Plattenepithelkarzinomen (hellem Hautkrebs) zu unterscheiden. Der Hautarzt stellt dann eine so genannte Differenzialdiagnose. Die Veränderungen der Cheilitis actinica sind behandelbar.


Mögliche Komplikationen

Es kann sich ein Plattenepithelkarzinom (auch: Spinaliom), eine bestimmte Form von hellem Hautkrebs, aus der aktinischen Cheilitis entwickeln. Meist ist dies erst nach dem 60. Lebensjahr der Fall.


Behandlungsmöglichkeiten

Eine Cheilitis actinica sollte in jedem Fall rasch behandelt werden. Dafür stehen je nach Ausprägung verschiedene Behandlungsmethoden zur Verfügung, von der örtlichen Behandlung mit speziellen Cremes oder Gelen, über die so genannte Photodynamische Therapie (PDT) bis hin zur Operation. Äußerliche Creme-Therapien wie die mit dem Chemotherapeutikum 5-Fluorouracil oder einem Immunmodulator (Imiquimod) kommen vor allem bei diffuser Verteilung der Veränderungen in leichteren Fällen zum Einsatz. Fluorouracil wirkt durch Hemmung der DNA-Synthese. So werden schnell wachsende Zellen abgetötet. Die Behandlung dauert in der Regel 2-4 Wochen je nach Heilungsfortschritt. Es kann zu Hautreizungen kommen. Der Immunmodulator fördert die Immunantwort in der Lippenhaut und führt so zum Absterben der Tumorzellen. Ein Gel mit Diclofenac in Hyaluronsäure ist für die Behandlung von aktinischen Keratosen zugelassen. Seit 2008 gibt es auch erste Erfahrungen in der Anwendung der Cheilitis actinica.

Bei der Photodynamischen Therapie wird die Haut mit Hilfe spezieller Wirkstoffe lichtempfindlich gemacht und dann mit bestimmtem, meist rotem Licht bestrahlt. Auch die Behandlung mit topischen Retinoiden (chemisches Peeling) kommt in Frage, gilt jedoch als nicht sehr effektiv.

Als operative Verfahren sind die Anwendung der Kryotherapie, des CO2-Lasers, der Elektrochirurgie oder der Dermabrasion (Abschleifen der Haut) möglich. In sehr schweren Fällen können auch eine so genannte Vermillektomie, die operative Entfernung von Teilen der Lippenschleimhaut und Transplantation von Schleimhaut aus dem Mund, erforderlich sein.

Kryochirurgie und Elektrochirurgie gelten als effektiv für kleine Flächen von aktinischer Cheilitis. Unter Kryochirurgie versteht man die Anwendung von flüssigem Stickstoff, also ein Vereisen der Läsionen. Der flüssige Stickstoff wird meist aufgesprüht. Bei der Elektrochirurgie wird mit Hilfe einer Elektrode ein alternierender, hoch frequenter elektrischer Strom angelegt. Sie wird in örtlicher Betäubung durchgeführt. Beide Methoden sind sehr effektiv, können aber zur Narbenbildung führen.

Ausgedehntere oder wiederkehrende Bereiche der aktinischen Cheilitis können mit der Vermillektomie oder dem CO2-Laser behandelt werden. Die Vermillektomie entfernt operativ einen Teil der Lippenhaut, lässt aber die darunter liegenden Muskeln intakt. Es besteht das Risiko von Blutungen und Narbenbildung. Die Heilungszeit ist dennoch kurz, die Wirksamkeit sehr hoch.


Vorbeugung / Tipps

Zur Vorbeugung kann jeder etwas tun. Dazu gehört insbesondere, die Sonnenexposition einzuschränken; im Sommer und im Urlaub sind breitkrempige Hüte zu tragen, regelmäßig einen Lippenbalsam mit einem UV-Filter auftragen, Sonnenbrände vermeiden – ganz besonders bei Kindern und Jugendlichen – und das Rauchen einstellen.

Und: Gehen Sie regelmäßig zur Hautkrebsvorsorge bei Ihrem Hautarzt. Auch in der Zeit zwischen den Screening-Untersuchungen sollte jede verdächtige Hautveränderung dem Dermatologen gezeigt und ggf. von diesem behandelt werden. Sonnenwarzen und Spinaliome müssen frühzeitig entfernt werden.
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