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Erkrankungen der Haut, Haare und Nägel. |
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Informationen zum Thema Herpes simplex
| |  | | Herpes simplex labialis | | Ekzema herpeticatum (s. Text) |
Ursache Infektion mit dem Herpes simplex-Virus.
Symptome Anfangs Spannungsgefühl, Prickeln, Brennen in dem
Bereich, in dem dann die Herpes-Bläschen auftreten; gelegentlich
Schmerzen. Nach den Anfangssymptomen entwickeln sich im Laufe von 12-24
Stunden in kleinen Gruppen angeordnete, mit heller seröser Flüssigkeit
gefüllte Bläschen. Diese trüben ein infolge einer Einwanderung von
Granulozyten (weißen Blutkörperchen), es entstehen Pusteln
(eitergefüllte Bläschen, ohne Beteiligung von Bakterien). Bläschen und
Pusteln können eintrocknen, meist bilden sich aber nach Platzen der
Bläschen- bzw. Pusteldecken Krusten, die im Laufe einiger Tage nach
Eintrocknen schließlich abfallen.
Erste Maßnahmen Bei erstmaligem Auftreten und später auch bei
nicht eindeutig Herpes-typischen Hautveränderungen sollte die Diagnose
mit einer hautärztlichen Untersuchung gesichert werden.
Besonderheiten Beim Herpes simplex-Virus (HSV) werden zwei Typen unterschieden:
HSV Typ I ist für die meisten Infektionen im Bereich der oberen
Körperhälfte verantwortlich, z. B. an den Lippen (Herpes labialis) oder
im Gesicht.
HSV Typ II ruft meist Infektionen unterhalb der Gürtellinie, z.B. im
Genitalbereich (Haut, Schleimhäute, oft auch Muttermund) hervor.
Im Kindesalter führt die Erstinfektion mit HSV Typ I gelegentlich zu
einer flächenhaften Entzündung im Bereich der Mundschleimhaut; mit
Bläschen, Aphthen (kleinen Schleimhautdefekten), Fieber,
Krankheitsgefühl (= Gingivostomatitis herpetica).
Die HSV Typ I-Erstinfektion kann (selten) eine Enzephalitis
(Hirnentzündung) zur Folge haben; eine schwere Erkrankung, mit Fieber
und neurologischen Symptomen.
Das HSV ist empfindlich gegen Austrocknung und überlebt außerhalb des
Körpers nur kurz, übertragen wird es durch den direkten Kontakt.
Weitere Informationen
Die primäre
Infektion mit HSV Typ I erfolgt meist im Kindesalter, und zwar durch
den direkten Kontakt mit einer an Herpes simplex erkrankten Person. Das
Virus dringt im Bereich der Lippen oder der Mundschleimhaut ein. Die
Infektion verläuft fast immer unbemerkt, selten führt sie zur
manifesten Erkrankung. Viren gelangen auch in die Blutbahn. Diese sog.
Virämie bleibt meist folgenlos, nur bei einer Immunschwäche führt sie
zur generalisierten Erkrankung.
Gleichzeitig wandern die Viren vom Infektionsort entlang sensibler
Nerven zu rückenmarksnahen Nervenknoten (Ganglien) bzw. solchen im
Bereich des Hirnstamms (Trigeminus-Nerv), wo sie lebenslang inaktiv
verweilen. Bei etwa der Hälfte derart infizierter Personen werden sie
dann durch verschiedene Provokationsfaktoren aktiviert; wandern entlang
der Nervenbahnen in die Haut bzw. Schleimhaut ein, vermehren sich in
den Epithelzellen und führen zur sichtbaren Herpes-Entzündung. In der
Rückbildungsphase wandern die Viren wieder zurück in die Nervenknoten,
bis Provokationsfaktoren ein nächstes Rezidiv bewirken. Solche Rezidive
treten meist drei- bis viermal im Jahr auf. Sie werden bei vielen
Betroffenen im Laufe der Jahre seltener und milder und können
schließlich ganz ausbleiben. In seltenen Fällen rezidiviert der Herpes
alle 3-4 Wochen.
Rezidive treten nicht unbedingt immer an der gleichen Stelle auf,
sondern auch in benachbarten Regionen, die zum Versorgungsgebiet des
befallenen sensiblen Nerven gehören; nach einer Infektion bzw.
Erkrankung der Genitalregion z. B. im Gesäßbereich.
HSV Typ II wird durch sexuelle Kontakte übertragen, Erstinfektion und
Krankheitsschübe erfolgen meist im Jugendalter. Die Abläufe sind dann
so, wie sie für die HSV Typ I -Infektion beschrieben wurden. Eine HSV
Typ 2-Erkrankung rezidiviert öfter als eine solche durch den
Typ 1. Provokationsfaktoren sind: fieberhafte Infekte, besonders durch
Erkältungsviren ("Fieberbläschen"), Menstruation, UV-Strahlen
("Gletscherblasen") oder Stress (?); auch eine mechanische Belastung
der Haut, z. B. durch Druck im Gesäßbereich bei längerem Sitzen oder
auch eine Irritation der Lippen bzw. der Mundschleimhaut bei
zahnärztlichen Eingriffen können ein erneutes Ausbrechen der Erkrankung
bewirken.
Patienten mit einer Immunschwäche (schwere Erkrankungen wie z. B. AIDS)
oder einer Immunsuppression durch Medikamente sind häufiger von
Herpesrezidiven betroffen als Immunkompetente.
Komplikationen
Eine häufige leichte Komplikation ist eine stärkere Besiedlung der
Krusten mit Bakterien, so dass sich eine sog. Impetigo entwickelt.
Nicht selten führt eine generalisierte Immunreaktion zu einem Exanthem
in Form des sog. Erythema exsudativum multiforme.
Herpes-Viren können sich in Herden eines atopischen Ekzems
(Neurodermitis) ansiedeln und vermehren, mit Ausbreitung von
Herpes-Bläschen auf größere Ekzemflächen, mit Fieber, Krankheitsgefühl.
Dieses sog. Ekzema herpeticatum (siehe Bild) stellt ein schweres Krankheitsbild dar,
es erfordert eine klinische Behandlung. Äußerst selten kommt es zu
einer HSV-Besiedlung anderer Ekzeme.
Eine Infektion der Kornea (Hornhaut) des Auges mit HSV führt zu einer
Entzündung, die nicht selten narbig abheilt und die deswegen möglichst
schnell augenärztlich behandelt werden muss. Sie entsteht dadurch, dass
Viren vom ursprünglichen Herd mit den Fingern oder z. B. durch
Waschlappen bzw. Handtuch ans Auge gebracht werden.
Therapie
Behandelt wird mit Wirkstoffen, die die Vermehrung des HSV hemmen. Der
bekannteste Wirkstoff ist Aciclovir. Es gibt verschiedene
Aciclovir-haltige Cremes zur örtlichen Behandlung, die in Apotheken als
Präparate „zur Behandlung des Lippenherpes“ frei verkäuflich sind. Von
einer Behandlung mit Aciclovir Cremes bei Schwangerschaft und Stillzeit
wird abgeraten. Wichtig ist ein frühzeitiger Behandlungsbeginn,
möglichst schon bei einem begründeten Verdacht auf ein Herpes-Rezidiv:
Spannungsgefühl, Prickeln, Brennen in einem Bereich, in dem schon
einmal ein Herpes auftrat. Andere antivirale Wirkstoffe wie z. B.
Idoxuridin müssen vom Arzt verschrieben werden.
Weitere Wirkstoffe in Präparaten zur Selbstbehandlung sind: Zinksulfat,
Gerbstoff-haltige Zinkschüttelmixturen z.B. Tannosynt lotio, Heparin, Melissenextrakt sowie Jod in Form des Povidon-Jod.
Die Selbstbehandlung geht in Ordnung, wenn die Ersterkrankung von
hautärztlicher Seite sicher als Herpes simplex gedeutet wurde. Bei
einem dann nicht zufriedenstellenden Heilungsverlauf sollte allerdings
der Hautarzt erneut konsultiert werden. Er kann entscheiden, ob z. B.
eine stärkere bakterielle Besiedlung der Krusten oder eine sekundäre
kontaktallergische Dermatitis den Verlauf bestimmen.
Bei sehr häufigen Rezidiven und bei bestimmten Komplikationen wird der
Hautarzt eine innerliche Behandlung mit Aciclovir bzw. anderen
Wirkstoffen aus der gleichen Gruppe erwägen.
Eine aktive Immunisierung mit HSV wurde schon vor Jahren versucht, nur
teilweise mit Erfolg. An wirksamen Impfstoffen wird gearbeitet, eine
Markteinführung ist aber noch nicht in Sicht.
Tipps
-
Man sollte den direkten Kontakt mit Herpes-befallener Haut bzw.
Schleimhaut einer anderen Person vermeiden. Auch ein schon vorhandener
latenter Herpes schützt wegen der inkompletten Immunität nicht vor
einer nochmaligen Infektion.
-
Der an Herpes Erkrankte sollte den direkten Fingerkontakt mit dem
Herpesherd vermeiden, um so das Verschleppen des Virus in andere
Hautpartien oder in die Augen zu verhindern. Präparate sind nicht
mit den Fingern, sondern z. B. mit einem Wattestäbchen aufzutragen.
-
Beim Waschen des Gesichts sollten zuerst die Augen, dann die nicht
betroffenen Gesichtspartien und zuletzt der Bereich des Herpesherdes
(vorsichtig) gewaschen werden.
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Bei einem rezidivierenden Herpes labialis sollten die Lippen vor einer
Sonneneinwirkung mit einem Präparat, das hohe Lichtschutzfaktoren
aufweist, eingecremt werden.
-
Im späteren Krustenstadium ist das wiederholte Aufreißen
eintrocknender Krusten lästig. Hier kann man versuchen, Haut und
Krusten durch wiederholte Salbenbehandlungen, z. B. mit einer
Dexpanthenol-haltigen Salbe, geschmeidig zu halten.
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