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Kälteurtikaria (Nesselsucht auf Kältereize)

  • Allgemeines zur Urtikaria (Nesselsucht)
  • Ursachen/Auslöser
  • Symptome
  • Diagnose
  • Behandlungsmöglichkeiten
  • Verbreitung/Vererbung

Allgemeines zur Urtikaria (Nesselsucht)

Die Urtikaria oder Nesselsucht wird in verschiedene Gruppen und Formen eingeteilt. Zunächst unterscheidet man die Urtikariagruppen nach ihrer Dauer: die akuten Formen haben einen kurzen Verlauf von weniger als 6 Wochen, während die als chronisch bezeichneten Formen länger als 6 Wochen fortbestehen. Eine weitere Einteilung lässt sich nach den Verlaufsformen bzw. Auslösern treffen: so gibt es die Spontane Urtikaria, die Physikalische Urtikaria und noch weitere Urtikariaformen. Auch eine Unterscheidung anhand der Auslösefaktoren ist möglich: exogen, also durch Umweltfaktoren verursacht, bzw. endogen, also von innen heraus, wird vorgenommen.

Die häufigste Form der Nesselsucht ist die Spontane Urtikaria. Sie ist gekennzeichnet durch ein plötzliches Auftreten der Symptome, ohne deren Auslöser und Ursachen zu kennen. In der Regel verschwinden die Beschwerden innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen wieder. Bis zu einem Zeitraum von 6 Wochen spricht man von einer Akuten Spontanen Urtikaria, die über den Zeitraum von 6 Wochen hinaus in eine Chronische Spontane Urtikaria übergehen kann.

Eine weitere Urtikariaform ist die Cholinergische oder Cholinerge Urtikaria (ChU). Bei dieser  werden die Symptome durch eine Erhöhung der Körpertemperatur ausgelöst, wie zum Beispiel durch eine heiße Dusche, ein Vollbad, durch körperliche Anstrengung, den Genuss von scharf gewürzten Speisen oder bei Aufregung. Diese verbreitete Form der Nesselsucht wird auch „Wärmereflexurtikaria" genannt.

Sind äußere Einflüsse die Auslöser einer Nesselsucht, so spricht man von einer Physikalischen Urtikaria. Die Symptome treten hier nach Kontakt mit bestimmten physikalischen Reizen auf wie Kälte, Scherkräfte (Reiben, Kratzen, Scheuern: „Urticaria factitia“) oder Licht. Seltenere Auslöser sind Druck und Wärme.

Eine häufige Forme der Physikalischen Urtikaria ist die Kälteurtikaria. In den meisten Fällen entwickelt sich diese Nesselsucht erst im Verlaufe des Lebens. Auf diese Form der Urtikaria soll im Folgenden näher eingegangen werden.


Ursachen/Auslöser

Der Auslöser für eine Kälteurtikaria ist, wie der Name schon vermuten lässt, die Kälte. Diese kann auf unterschiedliche Weise an die Haut übertragen werden, zum Beispiel durch den Kontakt mit kalter Luft oder kaltem Wasser. Die Reaktion, die dann im Hautgewebe stattfindet, ist bei allen Formen der Nesselsucht die gleiche: Mastzellen in der Haut werden aktiviert und setzen Histamin frei. Darüber hinaus wird eine Reihe weiterer Entzündungs-stoffe ausgeschüttet. Die Folge: Es juckt und es bilden sich helle Quaddeln.
Weitere Auslöser können auch kalte Gegenstände, kalte Getränke oder Speisen, eine abgesenkte Körpertemperatur oder die Verdunstungskälte beim Schwitzen sein. Auf welche Auslösereize ein Patient reagiert, ist individuell unterschiedlich. Neben der absoluten Temperatur kann bei vielen Betroffenen auch ein rascher Temperaturwechsel von Warm nach Kalt die Symptome auslösen. Auch der Temperaturübergang in entgegengesetzter Richtung beim Wiederaufwärmen kann Juckreiz und Quaddeln bedingen.

Eine Kälteurtikaria steht häufig mit anderen Erkrankungen in Verbindung. Dies sind neben anderen Urtikariaformen und Infektionserkrankungen zum Beispiel Asthma, Atopie, Tumore (Neoplasien), Blut-Erkrankungen (Kryoglobulinämien) oder auch Entzündungen im Körper (Zahn-, Kiefer-, Urogenitalbereich). Auch kann eine Kälteurtikaria nach der Einnahme von Medikamenten auftreten.

Der für diese Erkrankung ebenfalls verwendete Begriff der „Kälteallergie“ ist insofern falsch, da bei einer durch Kälte ausgelösten Nesselsucht keine Antikörper gegen ein Allergen gebildet werden, wie dies für eine Allergie typisch und auch kennzeichnend ist.


Symptome

Typische Symptome der Kälteurtikaria sind Quaddeln, starker Juckreiz und tiefe Hautschwellungen. Es kann auch zu Veränderungen an der Schleimhaut kommen. Die Quaddeln können in Größe und Anordnung variieren. Wie für die Nesselsucht typisch, bietet die Haut ein Bild, als wäre sie mit einer Brennnessel in Berührung gekommen.


Diagnose

Die Ursachen einer Urtikaria zu finden ist nicht ganz einfach, da die Zahl der möglichen Ursachen und Auslöser vielfältig ist. Eine akribische Suche ist daher unerlässlich. Hierfür stehen dem spezialisierten Facharzt zahlreiche Untersuchungs- und Testmethoden zur Verfügung. Dazu gehören: Blut-, Urin- und Stuhlanalysen, physikalische Testungen, Antikörperbestimmungen, Diäten, Hormonanalysen, Untersuchungen auf versteckte Infekte, allergologische Testungen, Befragungen und Interviews.
Kälte als Auslöser lässt sich dagegen in einem einfachen Hauttest durch lokale Kälteeinwirkung bestätigen.


Behandlungsmöglichkeiten

Bis die wirkliche Ursache der Kälteurtikaria gefunden wird und eine ursächliche, heilende Therapie versucht werden kann und anschlägt, gilt es, zunächst die Auslöser der Nesselsucht zu meiden. Betroffene sollten sich also vor Kälte und raschen Temperaturwechseln schützen. Dazu kann alles zum Einsatz kommen, was die Haut warmhält: warme Kleidung, dicke Socken und Schuhe, Handschuhe und Schal sowie für unbedeckte Körperstellen im Gesicht eine fettreiche Creme. Bei zu Akne neigender Haut sind die Vor- und Nachteile einer fettreichen Creme entsprechend abzuwägen.
Für Patienten mit Kälteurtikaria kann der Ganzkörperkontakt mit einem kalten Medium wie etwa kaltem Wasser gefährlich werden. Es kann final sogar zu einem Kreislaufschock kommen. Ebenfalls mit äußerster Vorsicht zu genießen sind kalte Speisen und Getränke: Schleimhautschwellungen im Rachenbereich können ebenfalls in der Folge lebensbedrohlich werden. Ein Notfallset muss hier ein Kortikosteroid, d.h. ein Kortisonpräparat, sowie ein Antihistaminikum enthalten.

Ist eine Infektionserkrankung Ursache der Urtikaria, wird der Hautarzt mit einem ausreichend hoch dosierten Antibiotikum behandeln. Solche Antibiotikatherapien werden unter Umständen auch auf Verdacht bei ausbleibendem Infektionsnachweis durchgeführt.
Gegen die Symptome der Nesselsucht helfen Antihistaminika. Sie verhindern ein Andocken von Histamin an seinem Rezeptor, so dass in der Folge bei Kontakt der Haut mit Kälte keine Quaddeln und kein Juckreiz mehr ausgelöst werden sollen. Darüber hinaus kommen auch so genannte Leukotrienantagonisten (L.-Gegenspieler) zum Einsatz. Leukotriene sind Botenstoffe, die Entzündungen fördern und so eine Bronchienverengung verursachen, eine Überempfindlichkeit der Bronchien auslösen, die Schleimbildung anregen und die Wanderung von Entzündungszellen in die Atemwege begünstigen.
In der ersten Erprobung befindet sich eine Substanz aus der Paprika bzw. Chilischote, das Capsaicin. Dieses Alkaloid reizt die Nervenenden bestimmter (Nozi-)Rezeptoren, die normalerweise Schmerzreize bei Einwirkung von Hitze oder chemischer Reizung erkennen. Durch die vorübergehende Entleerung der Neurotransmitter aus den Nervenendigungen sollen der Juckreiz ausgeschaltet und das Auftreten von Quaddeln verhindert werden. Die regelmäßige Anwendung wäre jedoch aufwendig und nicht unproblematisch. Auch eine Gewöhnung an kalte Temperaturen oder die Bestrahlung mit UV-Licht werden versucht.


Verbreitung/Vererbung

Die Kälteurtikaria ist in kalten Ländern wie etwa in Skandinavien weiter verbreitet als in warmen Regionen rund ums Mittelmeer. Hierzulande treten die Symptome, das ist wenig verwunderlich, vermehrt im Winter auf. Die Erkrankung beginnt meist im jungen Erwachsenenalter. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Im Mittel begleitet eine Kälteurtikaria die Betroffenen etwa 5 Jahre lang. Hinweise auf eine Vererbbarkeit dieser Krankheit gibt es bislang nicht.
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