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Informationen zum Thema Lichturtikaria


Lichturtikaria 


Definition
Unter Sonneneinwirkung akut auftretende Urtikaria (= Nesselsucht).

Ursache
Reaktion der Haut auf UV-Strahlen; meist UV-A und sichtbares Licht im kurzwelligen Bereich bis ca. 500 nm, sehr selten UV-B; eine Reaktion auf immunologischer Basis.

Symptome
Wenige Minuten nach Sonneneinwirkung kommt es in den sonnenexponierten Hautpartien zu Juckreiz, Rötung und kleinen Quaddeln; also zu einer Nesselsucht. Bei einer wenig intensiven Sonneneinwirkung und vor allem in lichtgewöhnter Haut wie z. B. im Gesicht tritt oft nur eine Rötung mit Juckreiz auf, ohne Quaddeln. Für diese Symptome sind Entzündungsstoffe, die bei der Lichteinwirkung aus den sog. Mastzellen der Haut freigesetzt werden, verantwortlich; u.a. Histamin.

Erste Maßnahmen
Sicherung der Diagnose durch eine hautärztliche Untersuchung ist unbedingt erforderlich, nicht zuletzt wegen möglicher Komplikationen (s.u.).

Epidemiologie
Die Lichturtikaria (LU) ist eine sehr seltene Hauterkrankung. Sie tritt meist im frühen bis mittleren Erwachsenenalter auf, ohne erkennbaren Anlass. Frauen erkranken häufiger als Männer. Die Betroffenen sind in der Regel gesund. Ihre UV-Empfindlichkeit hinsichtlich eines Sonnenbrands entspricht der ihrer Hauttyps. Bei Atopikern (Personen mit anlagebedingter Allergieneigung) scheint die LU etwas häufiger aufzutreten als bei Nichtatopikern.

Weitere Informationen
Der LU liegt sehr wahrscheinlich eine immunologische Reaktion zugrunde. Man nimmt an, dass die Haut betroffener Personen anlagebedingt einen nicht näher identifizierten Faktor aufweist. Dieser Faktor X absorbiert UV-Strahlen bzw. zusätzlich auch sichtbares Licht und wird dadurch so verändert, dass er für das Immunsystem zu einem Fremdstoff, einem "Autoallergen", wird. Im Immunsystem werden gegen diesen Fremdstoff Antikörper vom Immunglobulin E-Typ gebildet. Diese Antikörper besetzen u. a. die Oberfläche von Mast-zellen der Haut. Bei erneuter Lichteinwirkung reagiert der in der Haut aktuell gebildete Faktor X mit den Immunglobulin E-Antikörpern an der Mastzelloberfläche. Die Mastzellen setzen ihre Entzündungsstoffe frei, u.a. Histamin, das dann über einen Serumaustritt aus Blutgefäßen zur Quaddelbildung führt.
Für diese so skizzierte Theorie gibt es gute Hinweise bzw. Untersuchungsbefunde. Unklar bleibt die Natur des in der Haut lichtabsorbierenden Faktors. Nicht beantwortet ist die Frage, unter welchen Begleitumständen die LU, bei der angenommenen Veranlagung, dann tatsächlich ausbricht.

Diagnostik
Beim Verdacht auf das Auftreten einer LU kann der Hautarzt/die Hautärztin Lichttests in umschriebenen kleinen Hautarealen durchführen und die Diagnose sichern.

Besonderheiten, Komplikationen
Lichturtikaria-Patienten sind wesentlich lichtempfindlicher als z. B. solche, die an einer polymorphen Lichtdermatose leiden. Die Hauterscheinungen der LU werden meist schon durch eine Sonneneinwirkung von wenigen Minuten ausgelöst. Die bei einer LU mögliche natürliche Lichtgewöhnung (s. unter Therapie) wird dadurch erschwert.
Bei einer großflächigen Sonneneinwirkung auf die Haut und einer daraus resultierenden generalisierten LU werden aus Mastzellen u.a. größere Histaminmengen freigesetzt, die zu einer Kreislaufschwäche mit Schwindel, Benommenheit und u.U. zu einem Bewußtseinsverlust führen können.

Therapie, Prophylaxe
Der akute Schub einer LU bildet sich schnell zurück, er muss nicht unbedingt behandelt werden. Kommt es bei einer generalisierten LU zu einer Kreislaufschwäche, sind kreislaufstabilisierende ärztliche Maßnahmen und auch Medikamente (Antihistaminika, Kortikoide) erforderlich.
Wichtig ist die Prophylaxe (Vorsorge). Den besten Schutz bietet naturgemäß eine abdeckende Bekleidung. Für Hautpartien wie Gesicht, Hals, Arme und Hände lässt sich oft eine Lichtgewöhnung erreichen dadurch, dass die Haut ab Frühjahr zunehmend und regelmäßig der Sonne ausgesetzt wird. Das lässt sich abschnittsweise auch für weitere Körperpartien praktizieren. Die Sonneneinwirkung muss dabei so gering, d.h. kurz gehalten werden, dass keine starke Hautreaktion auftritt. Diese natürliche Lichtgewöhnung stellt eine Art Gratwanderung dar. Sie empfiehlt sich eher in leichten Fällen der LU.
In schweren Fällen können durch einen mit Lichtdermatosen vertrauten Hautarzt/eine Hautärztin UV-Bestrahlungen mit medizinischen Geräten geplant und durchgeführt werden. Es existieren verschiedene Bestrahlungsschemata, mit einer Schnelltherapie kann ein ausreichender Schutz schon nach einigen Tagen erreicht werden. Die Bestrahlungen müssen dann über den Sommer hinweg etwa einmal pro Woche weitergeführt werden.
Sonnenschutzpräparate, die unbedingt auch im UV-A-Bereich gut filtern müssen, können bei Bedarf ergänzend zur natürlichen Lichtgewöhnung bzw. zur Bestrahlungstherapie eingesetzt werden. Allein sind sie in aller Regel nicht ausreichend wirksam. Ähnliches gilt für die Einnahme von Antihistaminika: Sie können vor einer erwarteten Sonneneinwirkung genommen werden, sind aber nur in leichten Fällen wirksam in der Weise, dass sie die Quaddelbildung ausreichend hemmen. Zusätzlich zur Lichtgewöhnung bzw. Bestrahlungstherapie können sie hilfreich sein.

Tipps
  • Die LU ist eine problematische Lichtdermatose hinsichtlich möglicher Komplikationen und auch der Therapiemöglichkeiten. Bei einem entsprechenden Verdacht ist es unbedingt sinnvoll, einen Hautarzt/eine Hautärztin zu konsultieren.
  • Eigene Therapieversuche sollten unterbleiben; insbesondere der Versuch einer Lichtgewöhnung, die nicht von hautärztlicher Seite geplant und überwacht wird.
  • Wenn von hautärztlicher Seite die Diagnose oder Verdachtsdiagnose einer LU gestellt wird, empfiehlt sich eine genauere Untersuchung in einer photodermatologischen Abteilung einer Hautklinik.

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