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Mundsoor (Orale Kandidose)
Allgemeines
Hefen, mikroskopisch kleine Pilze, können vorübergehend die Schleimhäute des Mundes, des Rachenraumes und auch des Magen-Darm-Traktes besiedeln, ohne dass jegliche Symptome einer Infektion oder Entzündung auftreten. Das ist bei vielen gesunden Menschen der Fall. Problematisch kann es werden, wenn die Immunabwehr geschwächt oder die gesunde Mund- bzw. Schleimhautflora gestört ist. Solche Störungen können beispielsweise durch bestimmte Krankheiten oder die Behandlung mit bestimmten Medikamenten hervorgerufen werden. Hefepilze bekommen durch solche begünstigenden Faktoren die Chance, sich stark zu vermehren und symptomatische Infektionen auszulösen, die Beschwerden verursachen. Der größte Teil dieser Infektionen wird durch Hefepilze der Gattung Candida hervorgerufen. Am häufigsten durch die Art Candida albicans, gefolgt von C. parapsilosis und C. glabrata, seltener durch eine andere der etwa 150 Candida-Hefen. Die Erkrankung wird als Mundsoor oder orale Kandidose (Kandidastomatitis) bezeichnet.
Charakteristisch sind weißliche Beläge auf der entzündeten Mundschleimhaut. Auch der Lippenbereich - bevorzugt die Mundwinkel - kann von Infektionen mit Hefen betroffen sein.
Komplikationen: Candida-Infektionen des Mund- und Rachenraums können sich auf die Speiseröhre und den gesamten Magen-Darm-Trakt ausbreiten. Bei immungeschwächten Personen kann sich die Ausbreitung der Candidapilze bis in die Organe und den Blutkreislauf hinein fortsetzen und zu einer schweren inneren Infektion führen, die lebensbedrohlich sein kann.
Ursachen
Ein erhöhtes Risiko für einen Mundsoor haben unter anderem, Säuglinge, deren Immunabwehr noch nicht voll entwickelt ist, sowie ältere Menschen, deren Immunsystem mit den Jahren schwächer wird. Das gleiche gilt für Patienten nach Organtransplantationen, deren Immunsystem durch Medikamente heruntergefahren wird, um eine Abstoßungsreaktion zu verhindern. Stärker gefährdet als Gesunde sind insbesondere Patienten mit Tumorerkrankungen, Diabetes mellitus, HIV-Infektionen oder Immunschwäche. Aber auch für Träger von Zahnprothesen, Langzeitanwender von Kortisonsprays und Patienten, die über längere Zeiträume mit Antibiotika, Zytostatika (Chemotherapie) oder bestimmten Antidepressiva behandelt werden, ist das Risiko für Infektionen mit Hefen erhöht. Und auch Drogenmissbrauch oder Mangelernährung steigern die Gefahr für Kandidosen. Begünstigend wirkt auch ein trockener Mund durch eine zu geringe Speichelproduktion. Eine Übertragung von Candida-Hefen kann über direkten, aber auch über indirekten Kontakt erfolgen, beispielsweise über Hygieneartikel oder Nahrungsmittel.
Symptome
Typisch für die Candida-Infektion ist eine Entzündung mit weiß- bis gelblich gefärbten Belägen auf geröteten Schleimhäuten. Der Belag ist meist in einzelne, kleine Flächen unterteilt, die untereinander verbunden sind, und kann mit einem Spatel abgestreift werden. Er besteht aus so genannten Epithelzellen, das sind die äußeren Zellen an der Oberfläche der Schleimhaut, aus Fibrin, dem körpereigenen Protein, das wie ein Netz jede blutende Wunde verschließt, und aus Pilzhyphen.
Die Beläge können ein pelziges Gefühl, geschmackliche Irritationen und brennende Schmerzen mit sich bringen und zu Mundgeruch führen. Die Lymphknoten in der direkten Umgebung können geschwollen sein. Die Schmerzhaftigkeit im Mund-/Rachenraum und insbesondere im Bereich der Speiseröhre führt häufig zu Appetitlosigkeit und bei Säuglingen dazu, dass diese nicht trinken mögen. Auch kleine Blutungen können auftreten.
Bei einer speziellen Form der oralen Kandidose tritt kein Belag, sondern ausschließlich eine Rötung der Schleimhaut auf. Das ist vor allem bei Candida-Infektionen der Fall, die von verpilzten Zahnprothesen ausgelöst werden.
Diagnose
Der Arzt stellt die Diagnose aufgrund des charakteristischen, äußeren Erscheinungsbildes der Erkrankung und nimmt mit einem sterilen Wattestäbchen einen Abstrich von der betroffenen Schleimhaut, um den Erreger im Labor nachweisen zu lassen. Auch eine Bestimmung der Keimzahl aus Mundspülwasser ist möglich.
Ein Mundsoor kann bei Erwachsenen ein Hinweis auf eine Störung der Immunabwehr, z.B. eine HIV-Infektion, oder eine noch nicht erkannte Grunderkrankung wie etwa Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder andere hormonell bedingte Erkrankungen sein.
Behandlungsmöglichkeiten
Zur Behandlung werden so genannte Antimykotika, also Antipilzmittel, eingesetzt. Als Wirkstoffe stehen dem Arzt für die lokale Behandlung beispielsweise Nystatin, Amphotericin B oder Miconazol und für die systemische (innerliche) Therapie z.B. Fluconazol oder Itraconazol zur Verfügung. Hinzu kommen Desinfektionsmittel wie Hexetidin oder Chlorhexidin. Die Präparate gibt es entweder in Form von Lutschtabletten oder Kapseln zur Einnahme, als flüssige Suspension oder als Gel. Sie müssen nach der Abheilung meist noch mindestens für eine weitere Woche angewendet werden, damit die Infektion nicht erneut wieder aufflammt.
Um eine Wiederansteckung zu verhindern, sollten Zahnbürsten zu Beginn und nach dem Ende der Behandlung gewechselt werden. Auch Zahnprothesen sind oftmals von den Hefen besiedelt. Sie müssen während des Therapiezeitraums ebenfalls mit Antipilzmitteln und desinfizierenden Bädern gereinigt werden. Darüber hinaus weisen auch kariöse Zähne häufig eine hohe Besiedlung mit Hefepilzen auf. Diese sollten daher vom Zahnarzt behandelt und vom Pilzbefall befreit werden.
Vorbeugung
Bestehende Grunderkrankungen müssen behandelt werden. Für Träger von Zahnprothesen ist eine gute Mundhygiene besonders wichtig. Nutzern von Cortisonsprays, die beispielsweise gegen Asthmasymptome eingesetzt werden, wird geraten, sich nach der Anwendung des Medikaments den Mund auszuspülen und etwas zu essen.
Schwangere Frauen, die einen Scheidenpilz haben, sollten diesen vor der Geburt behandeln lassen, um ein Übergehen der Pilzbesiedlung auf den Säugling unter der Geburt zu verhindern. Auch nach der Geburt ist eine gute Hygiene zum Schutz des Säuglings empfehlenswert. Den Löffel eines Babys zum Vorkosten oder zur Kontrolle der Temperatur zu benutzen, ist nicht ratsam, es könnte aus dem Mund der Eltern ansteckt werden.
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