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Allgemeines / Definition
Im Volksmund werden Nävi als Muttermale oder einfach als Male beizeichnet. Für den Hautarzt handelt es sich bei einem Nävus um eine umschriebene, gutartige Fehlbildung der Haut oder Schleimhaut. Die Zahl normal vorkommender Zellen ist darin vermehrt oder vermindert, oder diese sind etwas ungleichmäßig verteilt. Die Ursache dafür liegt in einer Störung während der Entwicklung des Embryos. Es gibt eine große Vielfalt verschiedener Nävus-Typen: Pigmentnävi, epitheliale Nävi, Bindegewebsnävi, Blutgefäßnävi und andere mehr. Solche Hautmale können bereits bei der Geburt vorhanden sein oder sich erst im Laufe des Lebens ausbilden. Nicht wenige bilden sich auch von allein wieder zurück.

Nävus-Typen

Pigmentnävi: 1) melanozytäre Nävi

  • a. Pigmentflecken in der äußeren Hautschicht (Epidermis): epidermale melanozytäre Nävi
    Zu den bekanntesten gehören die Pigmentflecken, die sich in der äußeren Hautschicht, der Epidermis, befinden: die epidermalen melanozytären Nävi. Zu ihnen gehören die Sommersprossen (Epheliden), die kleinfleckigen Linsenmale (Lentigines, Lentigo simplex) und der Café-au-lait-Fleck (Naevus pigmentosus). In den scharf begrenzten, bräunlichen Flecken sind die pigmentbildenden Zellen der Haut, die Melanozyten, vermehrt, und diese produzieren mehr vom braunen Hautfarbstoff Melanin. Solche Pigmentnävi werden umgangssprachlich auch als Leberflecken bezeichnet. Sie sind gutartig.

    Linsenmale oder Lentigines sind in der Regel 1-3 mm große, braune Pigmentflecken der Haut oder Schleimhaut. Sie sind bei der Geburt noch nicht vorhanden, sondern werden während des Lebens erworben. Meist wird die Bildung im Sommer durch UV-Licht ausgelöst, Lentigines bilden sich jedoch anders als Sommersprossen im Winter nicht wieder zurück. Zellbiologisch handelt es sich um eine lineare Vermehrung der basalen Melanozyten (pigmentbildende Zellen). Linsenmale können auch größer als 3 mm sein. Im Alter können Lentigines in häufig der Sonne ausgesetzten Bereichen der Haut, wie beispielsweise dem Handrücken, gehäuft auftreten (Altersflecken).

    Weitere Sonderformen sind der Naevus spilus und der Becker-Nävus. Der Naevus spilus ist ein relativ großer, gleichmäßig braun gefärbter Hautfleck (ähnlich einem Café-au-lait-Fleck), der aber zusätzlich zahlreiche eingesprenkelte, kleine, dunkelbraune Flecken aufweist. Der Becker-Nävus ist ein einzelner, großer, unregelmäßig braun gefärbter Hautfleck, meist im Bereich der Schulter bei jungen Männern. Im Lauf der Zeit wandelt sich diese gutartige Hautveränderung durch vermehrten Haarwuchs (Hypertrichose).
  • b. Pigmentflecken in der mittleren Hautschicht (Dermis): dermale melanozytäre Nävi
    Bei diesem Nävus-Typ findet man eine Form der Pigmentzellen (dendritische Melanozyten) entweder flächig oder als kugelige Gebilde im Bindegewebe der mittleren Hautschicht, der Dermis. Dazu gehören der so genannte „Mongolenfleck“, die flächige Pigmentierung der Schläfe oder der Schulter (Naevus fusco-coeruleus), und der blaue Nävus (Naevus coeruleus).

    Beim „Mongolenfleck“ finden sich (groß-)flächige, pigmentierte Flecken, meist am Rücken oder Gesäß von Neugeborenen, die unscharf von der normal pigmentierten Haut abgegrenzt sind. Diese Flecken sind harmlos und verschwinden nach einigen Jahren wieder. Der Naevus fusco-coeruleus zeigt sich als gutartige, dunkelbläuliche bis bräunliche Pigmentansammlung, die unscharf begrenzt und scheckig ist. Der blaue Nävus (Naevus coeruleus) stellt sich dagegen als kugeliges, scharf begrenztes Pigmentmal dar. Diese Knötchen sind blauschwarz, derb, manchmal etwas erhaben und ebenfalls in aller Regel gutartig.

Pigmentnävi: 2) Nävuszellnävi


Nävuszellnävi entstehen aus einer anderen Zellart, den so genannten Nävuszellen. Diese sind nahe mit den dendritischen Melanozyten (s. o.) verwandt, sind jedoch von kugeliger oder spindelförmiger Gestalt. Solche Nävi sind ganz unterschiedlich groß und meist in großer Zahl vorhanden, teils in Gruppen angeordnet. Sie können zwar Melanin enthalten, geben dieses aber nicht an andere Zellen ab. Nävuszellnävi können punkt- bis fleckförmig sein (Junktionsnävi), oder knotig, mit unregelmäßiger, zerteilter Oberfläche (Compound-Nävi) oder mit wulstiger, erhabener Oberfläche (Dermale Nävi). Ihre Farbe kann sich in allen Schattierungen von braun bis schwarz zeigen.

Nävuszellnävi entstehen aus einer anderen Zellart, den so genannten Nävuszellen. Diese sind nahe mit den dendritischen Melanozyten (s. o.) verwandt, sind jedoch von kugeliger oder spindelförmiger Gestalt. Solche Nävi sind ganz unterschiedlich groß und meist in großer Zahl vorhanden, teils in Gruppen angeordnet. Sie können zwar Melanin enthalten, geben dieses aber nicht an andere Zellen ab. Nävuszellnävi können punkt- bis fleckförmig sein (Junktionsnävi), oder knotig, mit unregelmäßiger, zerteilter Oberfläche (Compound-Nävi) oder mit wulstiger, erhabener Oberfläche (Dermale Nävi). Ihre Farbe kann sich in allen Schattierungen von braun bis schwarz zeigen.

Im Laufe des Lebens verändern sich Nävuszellnävi. Ihre dunkle Pigmentierung entwickeln sie häufig erst in der Pubertät und im späteren Leben verlieren sie diese zum Teil wieder und entwickeln sich zu hellen, bindegewebigen Knötchen (weiche Fibrome). Diese sind ebenfalls gutartig und können vom Arzt leicht entfernt werden.

Nävuszellnävi können jedoch im Laufe des Lebens auch an Größe zunehmen, sich in der Farbe verändern und vorübergehend Entzündungszeichen aufweisen. Der Mediziner nennt das dysplastische Nävi. Sie können Vorläufer eines Melanoms (schwarzer Hautkrebs) sein. Solche Nävi sollten vom Betroffenen und vom Arzt im Auge behalten werden. Eine ärztliche Kontrolle empfiehlt sich alle sechs bis zwölf Monate. Schreitet die Veränderung immer weiter fort, sollten sie vorsorglich chirurgisch entfernt werden. Das geschieht unter örtlicher Betäubung.

Bei einigen Menschen treten dysplastische Nävi gehäuft auf und verändern sich fortlaufend. Man nennt das auch das dysplastische Nävus-Syndrom (DNS). Bei diesem Personenkreis raten Fachleute aufgrund des erhöhten Entartungsrisikos sogar zu einer drei- bis sechs-monatlichen Kontrolle beim Hautarzt. Vom DNS-Syndrom sind häufig auch Familienmitglieder betroffen. Längere Sonnenbäder sollten Personen mit DNS vermeiden.

Dysplastische Nävi sind gekennzeichnet durch:
  • unregelmäßige Begrenzung
  • scheckige Mehrfarbigkeit (schwarz, braun, rot)
  • meist ausgefransten Rand (Randausläufer)
  • flache Oberfläche
  • üblicherweise größer als 5 mm
Sonderformen der Nävuszellnävi sind der harmlose Nävus Sutton (Halonävus) mit weißem, depigmentiertem Hof, der ebenfalls gutartige, knotige Spindelzellnävus und der großflächige Riesenpigmentnävus. Große Nävi sollten bereits in der Kindheit regelmäßig vom Arzt kontrolliert werden, da sich daraus ein Melanom (schwarzer Hautkrebs) entwickeln kann.

Epidermale Nävi


Epidermale Nävi sind angeboren, werden aber nicht vererbt. Es handelt sich um eine streifenförmige Verdickung der obersten Hautschicht der Epidermis, deren Oberfläche mit Hautschuppen bedeckt ist und hellbräunlich aussieht. Solche Nävi können auch ein warzen- oder pflastersteinartiges Aussehen haben. Sie sind gutartig. Eine Entfernung kommt nur aus kosmetischen Gründen in Frage.

Talgdrüsen-Nävi


Bei Talgdrüsen-Nävi handelt es sich um hautfarbene Gebilde in der Kopfhaut oder am Rande des Gesichts. Sie sind am Rand scharf von der umgebenden Haut abgegrenzt, streifig oder unregelmäßig in der Form, oftmals von kugeliger Gestalt. Eine spontane Rückbildung dieser Nävi ist möglich. Bei bestimmten Veränderungen (Exophyten) wird eine Entfernung empfohlen. Aus Talgdrüsen-Nävi kann bei Erwachsenen in 15-30 Prozent der Fälle heller Hautkrebs (Basalzellkarzinom oder Spinaliom) entstehen.

Gefäßnävi und Hämangiome


Eine weitere angeborene Fehlbildung der Haut ist das so genannte Feuermal (Naevus flammeus), auch Portweinfleck genannt. Diese Gefäßnävi sind angeboren oder treten in der frühen Kindheit auf. Die hell- bis blauroten Flecken haben ihre Ursache in Gefäßerweiterungen in der oberen Dermis, der mittleren Hautschicht. Sie können klein sein wie eine Linse oder aber große Körperpartien bedecken. Feuermale treten häufig im Nacken oder an der Stirn auf. Stirnmale verschwinden nach dem zweiten Lebensjahr oftmals von selbst oder verblassen stark. Laterale Feuermale, die einseitig auf einer Gesichtshälfte auftreten, zeigen dagegen in der Regel keine Rückbildungstendenzen.

Hämangiome heißen umgangssprachlich „Blutschwämmchen“. Sie treten sehr häufig auf, können angeboren sein oder in früher Kindheit auftreten. Ein Blutschwämmchen oder Hämangiom ist eine Neubildung aus kapillaren Blutgefäßen in der Haut, die gutartig ist. Oftmals vergrößern sich die Gefäße in den ersten 9-12 Lebensmonaten deutlich. Anschließend gehen sie in eine Rückbildungsphase über, die bis zum 6.-9. Lebensjahr reichen kann und in den meisten Fällen vollständig ist. In der Regel wird von ärztlicher Seite daher nur dann eingegriffen, wenn das Hämangiom die Funktion oder die Entwicklung eines Organs (Nase, Auge oder Lippe) beeinträchtigt.

Andere Nävi


Es gibt eine ganze Reihe weiterer Nävus-Typen, die jedoch alle sehr selten sind. Dazu gehören Schweißdrüsennävi, Haarnävi, Komedonennävi und Bindegewebsnävi.

Diagnose / Behandlung / Vorbeugung


Um welche Art von Pigmentnävus es sich bei einem „Muttermal“ oder „Leberfleck“ eines Menschen handelt und damit das Melanomrisiko, kann nur ein Hautarzt oder ein anderer in der Dermatologie erfahrener Arzt einschätzen. Eine Möglichkeit dazu bietet auch das von den gesetzlichen Krankenkassen ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre (teils auch häufiger und/oder ohne Altersbeschränkung) erstattete „Hautkrebsscreening“. Sich verändernde dysplastische Nävi und große Nävi werden vorsorglich entfernt. Menschen mit DNS sollten sich sehr gut vor UV-Licht schützen und die Sonne eher meiden.

Quelle: Lit.: Ernst G. Jung, Ingrid Moll (Hrsg.): Dermatologie. 5. Auflage. Thieme, Stuttgart, 2003, ISBN 3-13-126685-6
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