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Informationen zum Thema Neurodermitis

Neurodermitis Synonyme
Endogenes Ekzem, atopisches Ekzem, atopische Dermatitis, Dermatitis atopica (Atopie ist eine erbliche Bereitschaft zu Überempfindlichkeit und Allergie)
 
Ursache
Gehört in die Gruppe der Ekzeme, die erblich bedingt auftreten und deren Verlauf und Ausprägung zusätzlich durch unterschiedliche Faktoren beeinflußt werden.

Symptome
Entzündliche Hautveränderungen (Rötung, Schuppung, Bläschen, Papeln, Knötchen) mit meist quälendem Juckreiz. Charakteristisch ist zudem die sehr trockene Haut.

Erste Maßnahmen
Keine eigenen Therapieversuche! Beratung durch einen Hautarzt suchen!

Besonderheiten
Die Erforschung der Ursachen und wesentlichen Einflussfaktoren ist erforderlich. Komplikationen können durch eine frühe Behandlung und konsequente Hautpflege vermieden werden.

Weitere Informationen
Neurodermitis ist eine häufige entzündliche Erkrankung der Haut. Sie gehört wie das allergische Asthma zu den atopischen Erkrankungen und setzt eine angeborene Veranlagung voraus. Neben der Nesselsucht (Urtikaria) und Hautausschlägen bei Nahrungs- oder Arzneimittelunverträglichkeiten zählt Neurodermitis zu den wesentlichsten Hautkrankheiten, die einen starken Juckreiz hervorrufen.

Man ist bei der Erforschung des Vererbungsmusters in letzter Zeit vorangekommen. Diese Erkenntnisse werden in Zukunft mit dazu beitragen, gezielte Behandlungen zu entwickeln. Heute können nur die Symptome behandelt, die bekannten Defizite der Haut ausgeglichen und Einflussfaktoren reduziert werden. Deshalb ist Vorsicht bei solchen Behandlungsmethoden angebracht, die eine vollständige Heilung versprechen.

Das Risiko, an Neurodermitis zu erkranken, wird durch die Historie der Familie mitbestimmt.
  • 5 - 15 % gilt als generelles Risiko
  • 25 - 35 % beträgt das Risiko, wenn ein Geschwisterkind allergisch ist
  • 20 - 40 % beträgt das Risiko, wenn ein Elternteil allergisch ist
  • 40 - 60 % beträgt das Risiko, wenn beide Eltern allergisch sind
  • 50 - 70 % beträgt das Risiko, wenn beide Eltern dieselben allergischen Erkrankungen haben.
Insbesondere für "Risiko"- Säuglinge gilt: Die Stillzeit sollte möglichst 4 Monate oder mehr betragen!

Der Krankheitsbeginn liegt bei 60% der Neurodermitiker vor dem 1. Lebensjahr. Bis zum 5. Lebensjahr kommen 30% hinzu. Es ist schwierig, eine Vorhersage für den Verlauf der Erkrankung zu geben. Die Ausprägung und das Muster der Hautläsionen zeigen sehr starke individuelle Schwankungen, die von Zeiten der Verschlechterung, aber auch Erscheinungsfreiheit geprägt sind. Der Hautzustand von Säuglingen bessert sich häufig bis zur Einschulung. Das Risiko für Rückfälle im Jugend- oder Erwachsenenalter bleibt jedoch hoch. Etwa die Hälfte der Kinder mit Neurodermitis entwickelt später eine allergische Atemwegserkrankung.

Neben der familiär auftretenden Überempfindlichkeit von Haut und Schleimhäuten gegen Umweltstoffe und einer erhöhten Immunglobulin E (IgE)- Bildung weist die Haut bei Neurodermitis weitere Besonderheiten auf wie:

 
Trockene Haut

Als Faktoren für die Auslösung eines Schubs oder für die Verschlimmerung des Hautzustands kommen aus dem häuslichen Umfeld und der Natur verschiedene Ursachen in Frage. Zu nennen sind u.a.:
  • Infektionen durch Bakterien, Viren oder Pilze
  • Hausstaubmilben
  • Tierhaltung, aber auch Produkte tierischen Ursprungs (Tierfelle, Roßhaarmatratzen, Lammfelle, Federbetten etc.)
  • Blütenpollen und andere Pflanzenbestandteile (wie Ficus benjaminii)
  • Klima/Wetter (Heizungsluft/geringe Luftfeuchtigkeit)
  • Teppichböden, Vorhänge, Plüschtiere
  • Nahrungsmittel und deren Bestandteile
  • Kleidung, wenn diese die Haut reizen kann
Neben der sehr trockenen Haut und der Entzündung ist der bestehende sehr starke Juckreiz ein dominantes Symptom der Neurodermitis. Dabei ist es besonders wichtig, den "Teufelskreis" Juckreiz - Kratzen - Hautverletzung zu unterbrechen. Kratzen lindert zwar kurzfristig den Juckreiz, doch die dadurch entstehende Entzündung verstärkt den Juckreiz wieder. Die entzündeten Hautstellen sind empfänglich für Infektionen, die das Krankheitsgeschehen ebenfalls negativ beeinflussen. Stress, auch das schlechte Gewissen wegen des Kratzens, kann diesen Teufelskreis verstärken, weil die Schwelle zur Auslösung von Juckreiz sinkt.
 


Tipps zum Umgang mit Juckreiz und Kratzen bei Kindern
  • Dem Hautzustand angepasste Hautpflege zur Reduzierung der sehr trockenen Haut
  • Die Haut kühlen: die Hautpflegeprodukte gekühlt verwenden
  • Weiche und leichte Kleidung (Vermeidung von Wärmestau, auch durch Bettzeug); besonders geeignet sind Baumwolle, Seide und Mikrofasern
  • Abreagieren durch körperliche Aktivität
  • Alternativen zum Kratzen üben: "Kratzklötzchen" verwenden, Drücken, Reiben, Bürsten, Streicheln, Kneifen
  • Auf kurze und saubere Fingernägel achten
  • In der Nacht Baumwollhandschuhe verwenden oder einen Neurodermitis-Overall überziehen
  • Geschichten erzählen, Kassetten vorspielen, malen etc.

Weitere Tipps


Plüschtiere wie Teddies sind einerseits für die meisten Kinder ein unersetzbarer Begleiter, andererseits  Träger von Haussstaubmilben. Da diese Milben Kälte empfindlich sind, sollten Plüschtiere regelmäßig pro Monat für 2 Stunden in den Tiefkühlschrank gelegt werden.

Neurodermitis kann mit einer Nahrungsmittelallergie in Verbindung stehen. Etwa ein Drittel aller an Neurodermitis erkrankter Kinder reagiert allerdings nur auf ein oder zwei Nahrungsmittel. Die häufigsten sind: Hühnerei, Kuhmilch, Soja, Weizen, Nüsse und Fisch. Oft werden diese in späteren Jahren wieder vertragen. 80% der Kinder haben zum Zeitpunkt der Einschulung keine Probleme mehr. Zur Vermeidung von Fehlernährung und Mangelerscheinungen bei den Kindern sollten Diätpläne nur in enger Abstimmung mit einem Hautarzt oder Allergologen erfolgen!
  Manche Nahrungsmittel können eine pseudoallergische Reaktion auslösen. Zum einen kann dies durch die Zufuhr von biogenen Aminen mit der Nahrung geschehen, zum anderen durch den Verzehr von Nahrungsmitteln, die zu einer Ausschüttung des Histamins aus den Mastzellen führen können. (Histamin führt zur Gefäßerweiterung, Hautrötung, Quaddelbildung, Entzündung, Juckreiz). Die Mechanismen sind noch nicht umfassend geklärt.


Nahrungsmittel, die reich an biogenen Aminen sein können:
  • Käse (Gehalt steigt mit dem Reifegrad, besonders Emmentaler, Roquefort)
  • Fischprodukte (Makrelen, Hering, Thunfisch)
  • Wurstwaren (Salami, Schinken)
  • Obst/Gemüse (Tomaten, Avocado, Orangen, Mandarinen, Bananen, Ananas, Himbeeren, Spinat, Samenkeimlinge, Walnüsse)
  • Genussmittel (Wein, insbesondere Rotwein, "frisch gebrautes" Bier (Hefeextrakt))


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