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Erkrankungen der Haut, Haare und Nägel. |
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Informationen zum Thema Phototoxische Lichtdermatosen
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Abb. 1: Dermatitis durch Bärenklau + Sonne
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Abb. 2: Dermatitis durch Medikament + Sonne
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Definition
Sonnenbrand-artige entzündliche Hautreaktionen nach vorhergehender
Einlagerung sog. photosensibilisierender Substanzen in die Haut.
Fachbegriff: phototoxische Dermatitis.
Ursache
Photosensibilisierende Substanzen, die von außen oder von innen über
den Blutweg in die Haut gelangen, führen zu einer verstärkten
Empfindlichkeit der Haut gegenüber UV-Strahlen, meist UV-A, sehr selten
auch sichtbarem Licht. Die Haut reagiert dann schon auf UV-Dosismengen,
die sie normalerweise problemlos, d. h. ohne Sonnenbrand, verträgt.
Symptome
Wenige Stunden nach Sonneneinwirkung tritt in den sonnenexponierten
Hautpartien ein Sonnenbrand auf; mit Rötung, oft auch Schwellung und
Blasenbildung; immer relativ scharf auf den Bestrahlungsbereich
begrenzt. Wie bei einem üblichen Sonnenbrand kommt es auch hier zur
einer nachfolgenden Bräunung (melaninbedingte Pigmentierung) der Haut.
Sie ist besonders bei phototoxischen Reaktionen, die durch äußerlichen
Kontakt verursacht wurden, recht ausgeprägt und hält dann oft
monatelang an.
Handelt es sich bei der photosensibilisierenden Substanz um einen
Medikamentenwirkstoff, der sich nach der Medikamenteneinnahme auf dem
Blutweg gleichmäßig in der Haut verteilt, reagiert die sonnenexponierte
Haut flächenhaft z. B. im Gesicht, am Hals, an den Handrücken, wenn
der/die Betroffene in üblicher Weise bekleidet war.
Von außen auf die Haut einwirkende Substanzen machen die Haut exakt in
dem Bereich lichtempfindlich, in dem sie an die Haut gelangen. Das
geschieht öfter in einer unregelmäßigen Verteilung, also nicht
unbedingt flächenhaft. Die resultierende sonnenbrandartige Entzündung
bildet dann eine unregelmäßige Verteilung ab, es entstehen
unterschiedliche Muster, z. B. rote Streifen, kleine unregelmäßig
begrenzte Flecke oder andere Muster.
Erste Maßnahmen
Eine hautärztliche Untersuchung ist erforderlich, um die Diagnose zu
sichern, die Ursache herauszufinden und so zu verhindern, dass die
phototoxische Dermatitis erneut auftritt.
Weitere Informationen
Der Begriff "photosensibilisierende" Substanz besagt, dass diese
Substanz die Haut empfindlich gegen UV-Strahlen macht; unabhängig
davon, ob sie dann eine toxische oder eine allergische Dermatitis
hervorruft. Den hier zu besprechenden Hauterkrankungen liegt jeweils
eine phototoxische Reaktion zugrunde, ohne Allergie gegenüber der
photosensibilisierenden Substanz. Einige dieser Substanzen können
allerdings phototoxische und zusätzlich auch photoallergische
Reaktionen verursachen.
Bei den phototoxischen Reaktionen geschieht - vereinfachend gesagt
- Folgendes: Die photosensibilisierende Substanz absorbiert
Lichtenergie.
In einem Teil der Fälle wird die Substanz dadurch, in ein sog.
toxisches Photoprodukt umgewandelt. In anderen Fällen gibt sie die
Lichtenergie an andere Gewebsmoleküle weiter, es entstehen u.a.
Sauerstoffradikale. Letztere und auch die toxischen Photoprodukte
führen zu Zellschädigungen, mit nachfolgender Entzündung.
Wie häufig und wie stark eine photosensibilisierende Substanz eine
phototoxische Dermatitis hervorruft, hängt zu einem davon ab, wie stark
ihr photosensibilisierendes Potential ist; zum anderen davon, wie
intensiv sich die betreffende Person der Sonne aussetzt. Die
individuelle UV-Empfindlichkeit spielt nur eine geringe Rolle.
Epidemiologie, Auslöser
Phototoxische Reaktionen sind nicht allzu selten, genaue Zahlen
existieren jedoch nicht. Sie sind eindeutig häufiger als die an anderer
Stelle besprochenen photoallergischen Reaktionen.
1) Phototoxische Dermatitis durch Medikamente
Antibiotika
Tetrazykline. Das meist
verordnete Doxycyclin nimmt unter den Tetrazyklinen hinsichtlich des
phototoxischen Potentials eine Mittelstellung ein.
Chinolone. Ein oft verordneter
Wirkstoff aus dieser Gruppe ist z. B. das Ciprofloxacin. Das
photosensibilisierende Potential der Chinolone ist wahrscheinlich etwas
schwächer als das des genannten Doxycyclin, es kommt hier allerdings
öfter zu Blasenbildungen.
Nichtsteroidale Antiphlogistika ("Rheumamittel")
Benoxaprofen und andere Profene werden in der medizinischen Literatur
als häufige Auslöser einer phototoxischen Dermatitis beschrieben. Die
oft verordneten Wirkstoffe Diclofenac und Ibuprofen lösen
offensichtlich nur äußerst selten eine solche Reaktion aus.
Phenothazine
Promethazin und Chlorpromazin sind seit vielen Jahren als Auslöser
einer phototoxischen Dermatitis bekannt. Es handelt sich um Wirkstoffe
von Psychopharmaka, das Promethazin wurde auch als Antihistaminikum
eingesetzt.
Diese Auflistung enthält die wichtigsten auslösenden
Medikamentenwirkstoffe, vollständig kann sie bei der Vielzahl von im
Einzelfall beobachteten Auslösern nicht sein. Der Vollständigkeit
halber sei noch auf Psoralene hingewiesen. Sie werden innerlich und
äu-ßerlich in der Dermatologie eingesetzt, um die Haut für die sog.
PUVA-Therapie (Psoralen-UVA-Therapie) ausreichend empfindlich zu
machen.
2) Phototoxische Dermatitis durch Pflanzen
Wiesendermatitis
Diese phototoxische Dermatitis ist besser bekannt unter der Bezeichnung
"Wiesengräserdermatitis" (Fachbegriff: Dermatitis pratensis). Sie wird
jedoch nicht durch Gräser verursacht, sondern durch bestimmte Pflanzen,
die u. a. auch in Wiesen wachsen; in erster Linie durch den
Wiesenbärenklau (Heracleum sphondylium). Die verschiedenen
Pflanzenteile enthalten sog. Furocumarine. Es sind verschiedene
Psoralene, die phototoxisch wirken.
Eine phototoxische Dermatitis entsteht typischerweise dann, wenn man
Kontakte mit solchen Pflanzen hat und die Haut der Sonne aussetzt.
Exakt im Bereich der Kontaktstellen entwickelt sich nach einigen
Stunden dann eine meist unregelmäßig-streifenförmige Dermatitis
(Symptome s. o.). Zwei weitere Expositionsmöglichkeiten: Kinder
verwenden die hohlen Stengel des Bärenklaus gern als Blasrohre und
können so eine Dermatitis an den Händen und vor allem im Mundbereich
entwickeln. In Parks und in größeren Vorgärten wird gelegentlich der
dekorative Riesenbärenklau angepflanzt. Wer sich nicht auskennt,
riskiert durch Kontakte und Sonneneinwirkung eine u. U. heftige, sehr
unangenehme phototoxische Dermatitis.
Furocumarine sind auch in geringerer Menge in verschiedenen anderen
Pflanzen enthalten, wobei der Gehalt je nach Standort und
Klimabedingungen schwankt. Die wichtigsten sind:
Pastinak, Kerbel, Fenchel, Dill, Petersilie, Sellerie, Raute,
Bergamotte. Von diesen wird am ehesten der Pastinak, eine Möhrenart,
gelegentlich als Auslöser einer phototoxischen Dermatitis beobachtet.
Bei diesen Pflanzen ist der direkte Hautkontakt für eine entstehende
phototoxische Dermatitis verantwortlich. Werden sie dem Körper mit der
Nahrung zugeführt, passiert nichts. Bei der Bergamotte ist das für
Duftwässer verwandte Bergamottöl für phototoxische Reaktionen
verantwortlich.
Johanniskraut wird als pflanzliches Heilmittel verwendet, dabei nur
selten äußerlich in Tinkturen und Salben; häufiger innerlich in
Tabletten, Tropfen und Tees. Zur Zeit werden Johanniskrautextrakte wohl
am häufigsten als Antidepressivum eingesetzt. Der in den Blüten und
anderen Pflanzenteilen enthaltene photosensibilisierende Wirkstoff ist
das Hypericin, das nicht zu den o.g. Furocumarinen gehört.
3) Phototoxische Dermatitis durch Kosmetika
Parfüme und andere Duftwässer, die Bergamottöle enthalten, können eine
phototoxische Dermatitis verursachen, wenn sie so auf die Haut gebracht
werden, dass anschließend die Sonne auf diese Hautpartie einwirken
kann. Typisch sind dann kleinfleckige oder tropfenförmige entzündliche
Hautrötungen an der Auftragestelle und im Bereich von Abrinnspuren des
Parfüms. Ihre Form erinnert an Uhrkettenanhänger, französisch
"berloque“. Das hat zum Begriff der Berloque-Dermatitis geführt, den
man in der Medizin bis heute beibehalten hat. Die Rötung kann im
Einzelfall auch einmal äußerst gering sein oder fehlen, so dass man nur
durch die nachfolgende bräunliche Pigmentierung auf die vorausgegangene
phototoxische Reaktion aufmerksam wird.
Die phototoxische Wirkung von Bergamottölen ist seit langem bekannt.
Die Kosmetikindustrie verwendet diese Öle deswegen nur noch selten und
dann in sehr geringen Konzentrationen. Die durch Duftwässer verursachte
phototoxische Dermatitis wird daher inzwischen nur noch selten
beobachtet.
Furocumarin-haltige ätherische Öle finden sich nicht nur in der
Bergamotte, sondern auch in den Blüten und Schalen anderer Citrusarten,
z. B. in Orangen- und Zitronenschalen. Eine phototoxische Dermatitis
kann z. B. im Lippenbereich auftreten, wenn man in die Schale der
Orange hineinbeißt, um sie von dieser Stelle aus dann zu schälen.
Diagnostik
Der Verdacht auf eine phototoxische Dermatitis durch ein Medikament
ergibt sich aus dem klinischen Bild einer auf die sonnenexponierten
Hautpartien begrenzten Dermatitis; zusammen mit dem jeweiligen
Medikamentenwirkstoff, für den die photosensibilisierende Wirkung
bekannt ist. Gesichert werden kann die Diagnose durch eine vom
Hautarzt/der Hautärztin durchgeführte Lichttestung; einmal durch eine
kleinflächige UV-Belichtung einer Hautpartie z. B. im Gesäßbereich,
unter Beibehaltung des verdächtigten Medikaments; des Weiteren auch,
einige Zeit nach Absetzen des Medikaments, durch einen UV-belichteten
Epikutantest mit dem Medikament; schließlich auch über eine spätere
nochmalige Einnahme mit anschließender UV-Bestrahlung einer
umschriebenen Hautpartie.
Bei den durch eine äußerlich einwirkende photosensibilisierende
Substanz verursachten phototoxischen Entzündungen wird die Diagnose in
der Regel anhand des klinischen Bildes und der Vorgeschichte gestellt.
Besonderheiten, Komplikationen
Die phototoxische Dermatitis ist keine bedrohliche Hauterkrankung. Sie
ist allerdings unangenehm dadurch, dass sie ein starkes Brennen der
Haut verursacht. Sie benötigt 10-14 Tage zur Rückbildung und wird in
dieser Zeit natürlich als störend empfunden, zumal sie in den
sichtbaren Hautpartien vorhanden ist.
Eine kosmetisch störende Komplikation ist die praktisch immer
resultierende Pigmentierung. Sie kommt dadurch zustande, dass im Rahmen
der Entzündung vermehrt das Hautpigment Melanin gebildet wird. Dabei
wird ein Teil des Melanins von den Melanozyten der Oberhaut in das
darunter liegende Bindegewebe abgegeben. Von dort aus wird es dann nur
langsam über Fresszellen und Lymphbahnen wieder abtransportiert. Es
dauert meist mehrere Monate bis zum Verschwinden der Pigmentierung, die
in manchen Fällen auch nicht völlig verschwindet.
Tetrazykline (eine Anbiotikagruppe, s.u.) können bei Sonneneinwirkung
eine phototoxische Schädigung im Bereich des Nagelbetts der Finger
verursachen, eine sog. Photoonycholyse. Der Nagel hebt sich dabei vom
freien Rand her zunehmend von der Unterlage ab.
Therapie
Die wichtigste Therapie ist das Meiden der Ursache, in diesem Fall des
auslösenden Medikaments bzw. der äußerlich einwirkenden
photosensibilisierenden Substanz. Die meist recht ausgeprägte
Entzündung der Haut behandelt der Hautarzt/die Hautärztin je nach
Ausprägung mit Schüttelmixturen, Kortison-Cremes oder ggfs. mit
innerlicher Kortisongabe.
Tipps
- Lesen Sie den Beipackzettel eines Ihnen verordneten Medikaments
sorgfältig und beachten Sie bitte unbedingt einen eventuellen Hinweis
auf die mögliche UV-Unverträglichkeit unter der Einnahme. Wenn eine
Sonneneinwirkung nicht zu vermeiden ist, kann der Arzt/die Ärztin oft
ein anderes Medikament verordnen.
- Wenn die Einnahme eines lichtsensibilisierenden Medikaments nicht
zu umgehen ist, müssen Sie sich deswegen nicht ausschließlich im Haus
aufhalten. Einige Minuten Sonne z. B. beim Einkaufen schaden nicht.
- Sicherheitshalber sollten Sie die Sonne auch noch einige Tage
nach Absetzen des Medikaments meiden; sich dann langsam wieder normal
der Sonne aussetzen und dabei ein gut wirksames Sonnenschutzpräparat
anwenden. Von einem solchen Präparat können Sie allerdings nicht
erwarten, dass es Sie ausreichend schützt, während Sie das
lichtsensibilisierende Medikament einnehmen.
- Die Kosmetikindustrie setzt Furocumarin-haltige ätherische Öle
wegen der lichtsensibilisierenden Wirkung nur in sehr geringer
Konzentration ein, wenn überhaupt. Im Einzelfall können Sie es aber
nicht ausschließen. Tropfen oder sprayen Sie daher keine Duftwässer auf
Hautpartien, die dann der Sonne ausgesetzt sind.
- Machen Sie sich und dann auch ihre Kinder mit dem Bärenklau
vertraut und informieren Sie die Kinder dahingehend, dass sie den
Hautkontakt bei sonnigem Wetter unbedingt vermeiden sollten.
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