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Pocken
Allgemeines
Die Pocken sind eine sehr schwerwiegende, hochansteckende Erkrankung, die durch Viren verursacht wird. Bei ungeschützten, nicht immunisierten Personen verläuft/verlief sie in etwa einem Drittel der Fälle tödlich. Die Infektion mit Pocken-Viren (auch: Variola-Viren) ruft zunächst grippeähnliche Symptome hervor. Dann entwickeln sich auf der Haut typische Bläschen und später Pusteln, besonders an Gesicht und Gliedmaßen. Pockenepidemien haben in früheren Jahrhunderten auch in Europa Millionen von Menschen das Leben gekostet. Besonders das 18. Jahrhundert gilt in Europa als das „Zeitalter der Pocken“. Noch bis in die 60er Jahre des 19. Jahrhunderts wurden weltweit Millionen von Pockenerkrankungen registriert. In einer sorgfältig geplanten, langwierigen Aktion wurde dann eine weitere Ausbreitung verhindert. Alle Infizierten und ihre Kontaktpersonen wurden systematisch identifiziert, geimpft, isoliert und überwacht. Seit 1979 gilt die Erkrankung laut WHO als ausgerottet. Der Erreger ist allerdings noch nicht 100-prozentig von der Erde verschwunden. In zwei Forschungslaboren (USA, Russland) wird er offiziell noch aufbewahrt, und möglicherweise ist er auch in Laboren zur Erzeugung von Biowaffen noch existent. Die letzten Infektionsfälle ereigneten sich 1977 in Somalia und durch einen Laborunfall im Jahr 1978 im englischen Birmingham.
Ursachen
Die Pockenerkrankung wird durch einen sehr großen Virus ausgelöst, dessen umfangreiches Genom (Erbanlagen) aus etwa 200 Genen besteht und dessen Hülle sehr widerstandsfähig ist. Das HI-Virus (HIV) besitzt im Vergleich dazu nur zehn Gene. Neben den echten Pocken (Variola vera, Erreger: Orthopoxvirus variola) oder Blattern existieren weitere Formen wie die deutlich weniger gefährlichen, weißen Pocken (Variola minor, Erreger: Orthopoxvirus alastrim).
Die Ansteckung geschieht über Tröpfchen- oder Schmierinfektion von Mensch zu Mensch. Die Erreger gelangen entweder in feinsten Sekrettröpfchen beim Sprechen, Niesen oder Husten vom einen zum anderen. Die Viren überwinden dabei Entfernungen von bis zu 20 Metern schwebend auf dem Luftweg. Oder der Erreger gelangt über direkten Hautkontakt oder persönliche Gegenstände wie Kleidung, Bettwäsche oder auch über Türklinken per Schmierinfektion vom Erkrankten zur Kontaktperson. Eine Infektionsgefahr besteht bis zum Abfallen der letzten Krusten.
Eine Ansteckung anderer kann bereits während der Inkubationszeit geschehen, also in der Zeit zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch der Erkrankung. Sie beträgt bei Pocken 7 bis 18 Tage, im Durchschnitt zwei Wochen. Daher werden auch Kontaktpersonen von Infizierten geimpft und überwacht.
Die Erkrankung ist so gefährlich, da es neben den Hautsymptomen zu einer so genannten hämorrhagischen, äußerst schweren Verlaufsform kommen kann, die mit inneren und äußeren Blutungen verbunden ist und zum Organversagen führen kann.
Symptome
Die Pockeninfektion beginnt mit grippeähnlichen Symptomen wie hohem Fieber, Gliederschmerzen, Atemwegsentzündung, Husten und Abgeschlagenheit. Diese Symptome halten etwa zwei bis vier Tage an. Hinzu kommt ein vorübergehender Hautausschlag. Nach einem kurzzeitigen Abfall des Fiebers und einer vorübergehenden Besserung entwickeln sich typische Hautveränderungen. Der charakteristische Ausschlag besteht aus erhabenen, stark juckenden, mit klarer Flüssigkeit gefüllten Bläschen. Er tritt besonders an Gesicht, Kopf, Armen, Beinen, Händen und Füßen auf. Die Betroffenen haben hohes Fieber, sind verwirrt und desorientiert. Im weiteren Verlauf füllen sich die Bläschen mit Eiter und weisen im Zentrum eine Delle/Vertiefung auf. Bei Überlebenden bilden sich ab der dritten Krankheitswoche aus den Pusteln schließlich Krusten (Schorf, Roben), die allmählich austrocknen und abfallen. Auch diese Phase ist mit starkem Juckreiz verbunden. Es bleiben typische Pockennarben, in Form von schüsselförmigen, hellen Vertiefungen zurück. Die Gesamtdauer der Erkrankung liegt zwischen vier und sechs Wochen.
Treten Blutungen in die Haut hinein auf, die als dunkelrot-violette Flecken (hämorrhagische Pusteln, schwarze Blattern) sichtbar werden, und auch Blutungen der Schleimheute, deutet dies auf den schweren, oftmals tödlichen Verlauf der Erkrankung hin. Nach Ausbruch der Symptome stirbt die Mehrzahl der Betroffenen innerhalb von wenigen Tagen, meist in den ersten 48 Erkrankungsstunden.
Die weißen Pocken sind mit einer Sterblichkeit von bis zu einem Prozent ebenfalls nicht ungefährlich, haben aber in der Regel einen leichteren Verlauf. Eine überstandene Infektion mit weißen Pocken schützt nicht vor den echten Pocken.
Diagnose
Die Diagnose kann aufgrund der Krankengeschichte, der Symptome und der typischen Hautveränderungen gestellt werden. Im Labor lassen sich in der Flüssigkeit aus den Bläschen und Pusteln und in Blutproben die Erreger nachweisen. Die Viren können sogar unter dem Elektronenmikroskop sichtbar gemacht werden. Auch ein Nachweis der Antikörper gegen Pockenviren ist möglich.
Die Wahrscheinlichkeit, dass echte Pocken in Deutschland auftreten ist äußerst gering, da die Erkrankung als ausgerottet gilt. Ein Ausbruch wäre daher nur im Zusammenhang mit einem Laborunfall oder einem bioterroristischen Anschlag denkbar.
Häufig ist in Deutschland dagegen das Auftreten von Windpocken, die unter Umständen ebenfalls einen schweren Verlauf nehmen können. Zur Unterscheidung achtet der Arzt unter anderem auf folgende Besonderheiten. Bei Windpocken sind die Hautveränderungen in unterschiedlichen Stadien auf der Haut vorhanden, während sie bei den echten Pocken schnell und synchron erscheinen. Fieber und Ausschlag treten bei Windpocken in der Regel gleichzeitig auf. Bei den echten Pocken sind die Hauterscheinungen im Gegensatz zu Windpocken auch an den Handinnenflächen und den Fußsohlen zu finden.
Behandlungsmöglichkeiten
Es gab und gibt keine wirksame Therapieform gegen Pocken, die in Studien getestet worden wäre. Seit der Ausrottung durfte nicht mehr mit dem Virus experimentiert werden. Nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) könnten neuere antivirale Medikamente, die seit der Pockenausrottung für die Bekämpfung anderer Krankheiten entwickelt worden sind, theoretisch auch gegen Pocken wirksam sein.
Im Falle einer Erkrankung sind ansonsten nur die Symptome behandelbar. Zur Behandlung gehören Bettruhe, fiebersenkende Medikamente, Flüssigkeitszufuhr, eine kalorienreiche, aber leichtverdauliche Nahrung, Schmerzbekämpfung etc. Die Patienten müssen rasch streng isoliert werden, um weitere Ansteckungen zu verhindern. Quarantänemaßnahmen gelten auch für Kontaktpersonen der Erkrankten und das betreuende medizinische Personal. Alle Gegenstände, mit denen der Patient in Kontakt gekommen ist: Wohnung, Kleidungsstücke, Bettwäsche, Gebrauchsgegenstände, Fahrzeuge etc., werden desinfiziert. Vermeiden oder deutlich abschwächen kann man die Erkrankung durch eine rechtzeitige Schutzimpfung. Auch bis zum 4. oder 5. Tag nach einer Ansteckung ist eine Impfung noch sinnvoll. Das Robert-Koch-Institut spricht von einem positiven Effekt, der aber wahrscheinlich in der Schutzwirkung unter dem bleiben wird, was bei einer zeitgerechten Impfung vor Ansteckung erreichbar ist.
Vorbeugung
Die Impfung ist die einzige wirksame Maßnahme zur Vorbeugung der Pockenerkrankung. Ab 1967 wurden weltweit Reihenimpfungen gegen Pocken durchgeführt. Zunächst wurde zweimal - im zweiten und im 12. Lebensjahr - geimpft, später noch einmal. Bis Mitte der 70er Jahre bestand in Deutschland eine Impfpflicht. Die letzten größeren Pockenimpfungen fanden hierzulande im Jahr 1977 statt. Die weltweite Aussetzung der Impfung erfolgte nach der Ausrottung des Virus im Jahr 1980. Die damals Geimpften haben heute vermutlich keinen vollständigen Impfschutz mehr. Die Erkrankung würde bei ihnen aber vermutlich milder verlaufen, als bei Nichtgeimpften. Ab 1983 gab es dann keinen Pockenimpfstoff mehr.
Heute sind zur Erforschung des Virus durch die Weltgesundheitsorganisation WHO weltweit nur zwei Labore zugelassen, die Pockenviren aufbewahren dürfen: Das Zentrum für Prävention und Kontrolle von Infektionskrankheiten in Atlanta (Georgia, USA) und das staatliche Forschungszentrum für Virologie und Biotechnologie in Novosibirsk (Russland). Hintergrund ist die Sorge vor Bioterroranschlägen. Aus dieser Sorge heraus haben sich Deutschland und viele andere Länder heute auch wieder mit Pockenimpfstoff bevorratet, so dass die Bevölkerung im Falle des Falles innerhalb weniger Tage geimpft werden könnte. Solche Massenimpfung würde aber erst dann durchgeführt, wenn in der Bundesrepublik Menschen sicher an Pocken erkrankt wären.
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