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Informationen zum Thema Psoriasis-Arthritis
Allgemeines
Die Psoriasis-Arthritis (Schuppenflechte mit Gelenkbeteiligung) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Gelenke oder der Wirbelsäule. Sie tritt meist im Alter zwischen 30 und 55 Jahren erstmals auf. Bei drei Vierteln aller Patienten, die eine Psoriasis-Arthritis (PsA) entwickeln, sind den ersten Gelenksymptomen mehrere Jahre mit Hautsymptomen vorausgegangen. In etwa 15 % der PsA-Fälle treten Haut- und Gelenksymptome gleichzeitig auf, bei weiteren 15 % kommt es zuerst zu einem Befall der Gelenke und erst später zu Hautveränderungen. Beide Geschlechter sind gleichermaßen von der Erkrankung betroffen. Die Psoriasis-Arthritis ist wahrscheinlich bedeutend häufiger als bisher angenommen wurde (bislang: 5-7 % der Psoriasispatienten). Anderen Schätzungen zufolge sind bis zu 20 Prozent der an Schuppenflechte Erkrankten auch von Gelenkentzündungen betroffen.
Meist sind die Endgelenke von Fingern oder Zehen befallen. Seltener kommt es zu einem Befall von Wirbelsäule, Schulter-, Arm-, Hüft- oder Kniegelenken. Die Psoriasis Arthritis wird häufig zu spät erkannt – die Gelenke sind dann oft bereits unwiderruflich geschädigt.
Die Erkrankung wird auch als Psoriasis arthropathica (Psoriasis = Schuppenflechte; Arthropathie von griechisch: arthron = Gelenk, pathie = Erkrankung) bezeichnet.
Ursachen
Bislang konnten die Ursachen für die Entstehung der Psoriasis-Arthritis noch nicht exakt geklärt werden. Auch über die Auslösefaktoren weiß man nichts Genaues. Eine erbliche Veranlagung wird vermutet. Mehrere Genabschnitte auf verschiedenen Chromosomen konnten bereits mit der Psoriasis-Arthritis in Verbindung gebracht werden. Der genaue Einfluss einzelner Gene ist jedoch noch unbekannt und Gegenstand aktueller Forschung. Damit die Krankheit ausbricht, müssen wahrscheinlich weitere Faktoren hinzukommen. Zwischen dem Schweregrad der Psoriasis und der Ausprägung der PsA besteht kein erkennbarer Zusammenhang.
Fachleute gehen davon aus, dass autoimmunologische Prozesse bei der Erkrankung eine Rolle spielen. Das Abwehrsystem des Organismus richtet sich also gegen körpereigenes Gewebe: Im Falle der Psoriasis-Arthritis gegen Hautzellen und gegen die Gelenke. Dabei spielen bestimmte Antigene (HLA) an der Oberfläche von Körperzellen eine Rolle. Ihre Aufgabe ist es, dem Immunsystem anzuzeigen, dass es sich um körpereigenes Gewebe handelt. Bei Autoimmunerkrankungen funktioniert dieser Schutzmechanismus nicht.
Über das Entzündungsgeschehen weiß man Genaueres: In Haut und Gelenken spielen dabei Zytokine, spezielle Immunbotenstoffe, eine wichtige Rolle. Ihre Aufgabe ist es, Nachrichten zwischen den Zellen (Immunzellen und Körperzellen) zu übermitteln. Sie sind so in der Lage, Entzündungsreaktionen zu verstärken. Bei der PsA kommt es zu einem Anstieg der Zytokin-Menge in den betroffenen Geweben. Einer der Botenstoffe, die eine entscheidende Rolle im Krankheitsmechanismus spielen, ist der so genannte Tumor-Nekrose-Faktor-alpha (TNF-α). Dieses proinflammatorische Zytokin verstärkt Entzündungen. Ihm wird eine entscheidende Rolle bei PsA zugeschrieben.
Als Auslöser (Provokations- oder Triggerfaktoren) werden bakterielle Infektionen (z. B. Lyme-Borreliose, Angina, Bronchitis) sowie virale Infekte diskutiert. Auch körperlicher und psychischer Stress und vorangegangene Entzündungen werden als mögliche Auslöser nicht ausgeschlossen. Als Triggerfaktoren kommen darüber hinaus bestimmte Medikamente sowie hormonelle Veränderungen (Pubertät, Wechseljahre) in Betracht. Solche Provokationsfaktoren können bei einer bestehenden PsA auch einen Schub bedingen.
Symptome
Die Psoriasis-Arthritis kann ganz unterschiedliche Ausprägungen haben. Häufig sind Endglieder eins oder mehrerer Finger entzündet und geschwollen, typisch ist ebenso die Entzündung und/oder Steifigkeit von Zehengelenken. Typisch ist aber auch die Entzündung aller Gelenke eines einzigen Fingers oder einer Zehe. Generell können alle Gelenke betroffen sein, auch Sprung- und Kniegelenke, nicht selten auch die Wirbelsäule. Gelenkbeschwerden und Schwellungen können sprunghaft auftreten, aber auch zunächst wieder völlig zurückgehen. Doch die spontanen Besserungen und Ruhepausen bedeuten keine dauerhafte Heilung. Die Psoriasis-Arthritis verläuft chronisch.
Unbehandelt führen die Entzündungen in den Gelenken zu einer fortschreitenden Zerstörung. Sie zerstören nach und nach die Gelenkinnenhaut, den Knorpel und u. U. auch den Knochen. Neben den Gelenken selbst können auch die Ansätze von Sehnen, Muskeln oder Gelenkkapseln von dem entzündlichen Prozess angegriffen werden. Die Anlagerung von Knochensubstanz um die Gelenke herum kann zu Einschränkungen der Beweglichkeit führen.
Bei etwa 90 % der Patienten liegen auch Hautsymptome vor, während sich eine PsA entwickelt: Rote und scharf begrenzte, erhabene Hautveränderungen, die mit silbrig-weißen Schuppen bedeckt sind. Patienten mit Psoriasis, insbesondere mit Nagelpsoriasis, sollten Gelenkbeschwerden sofort mit ihrem Arzt besprechen. Kennzeichen der Nagelpsoriasis sind: Veränderungen der Finger- und Fußnägel, z. B. Tüpfelnägel, gelb-braune Verfärbung (Ölfleck) oder Abhebung der Nagelplatte.
Knöcherne Umbauprozesse können in etwa 5 % der Fälle in oft relativ kurzer Zeit zu irreversiblen Zerstörungen führen, die nur durch eine frühzeitige aggressive Therapie verhindert werden können.
Die Lebensqualität kann durch Schmerzen und zunehmenden Verlust der Beweglichkeit sehr stark eingeschränkt sein.
Diagnose
Aufgrund der so verschiedenen Ausprägungen, ist die PsA nicht ganz einfach zu diagnostizieren. Röntgenbilder zeigen im frühen Stadium selten Veränderungen, Rheumafaktoren im Blut werden nicht gefunden. Doch es gibt Kriterien, die dem Arzt bei der Diagnose helfen. Dem Rheumatologen stehen beispielsweise die so genannten CASPAR-Kriterien zur Verfügung. Caspar leitet sich ab von der englischen Bezeichnung “Classification criteria for the diagnosis of Psoriatic Arthritis”.
Besteht eine entzündliche Erkrankung der Gelenke, der Wirbelsäule oder der Sehnen und sind mindestens drei der acht folgenden Kriterien erfüllt, spricht das für eine PsA:
1.aktuell bestehende Schuppenflechte-Erkrankung der Haut
2.frühere, derzeit inaktive Psoriasis der Haut
3.die Schuppenflechte-Erkrankung eines nahen Verwandten
4.eine bestehende Nagel-Psoriasis
5.keine Rheumafaktoren im Blut nachweisbar
6.Schwellung aller Gelenke eines Fingers oder Zehs (Daktylitis), plus Rötung und starkem Druckschmerz
7.eine frühere, jetzt inaktive Daktylitis
8.Anzeichen einer Neubildung von Knochen am Gelenk: Röntgenbild (Hände o. Füße)
Behandlungsmöglichkeiten
Psoriasis-Arthritis ist ursächlich nicht heilbar. Doch es gibt heute Behandlungsmöglichkeiten, die das Fortschreiten der Erkrankung bremsen können. Sie müssen individuell auf den jeweiligen Patienten zugeschnitten werden. Je früher mit der Behandlung begonnen wird, desto besser. Ärzte verschiedener Fachrichtungen müssen dabei zusammenarbeiten. Als Basismedikament gilt z. B. Methotrexat (MTX). Bei mittelschwerer und schwerer PsA kommen zum Teil Inhibitoren (Hemmstoffe) gegen einen wichtigen Entzündungsbotenstoff, den Tumornekrosefaktor-alpha, (TNF-α-Blocker) zum Einsatz. Diese biotechnologisch hergestellten Medikamente (Biologika) fahren die Abwehrreaktion des Körpers herunter und verringern so die Entzündung in den Gelenken ebenso wie in der Haut. Auch Kortison wirkt stark entzündungshemmend und verbessert die Schwellungen der Gelenke und die Schmerzen. Nach dem Absetzen kann es jedoch zu einer Verschlechterung der Hautsymptome kommen. Für die Schmerzbehandlung stehen verschiedene Schmerzmittel (NSAR) zur Verfügung, die auch entzündungshemmend wirken.
Unterstützend können physikalische Therapie, Krankengymnastik, Ergotherapie sowie operative Maßnahmen und psychologische Betreuung zum Einsatz kommen.
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