Definition:
Bei dem Raynaud-Syndrom (auch Morbus Raynaud genannt) handelt es sich um eine Erkrankung der Blutgefäße. Typisch sind Gefäßkrämpfe (Vasospasmen), die zu den charakteristischen Verfärbungen von Fingern und Zehen führen. Die Erkrankung wurde erstmals 1862 von dem französischen Arzt Maurice Raynaud beschrieben.
Ursache:
Eine Raynaud-Symptomatik ist entweder eigenständig, ohne dass andere Erkrankungen zugrunde liegen (primäres Raynaud-Syndrom), oder sie tritt im Rahmen anderer Krankheiten, wie z.B. Sklerodermie, Lupus Erythematodes, nach Unfällen oder Medikamenten-Überdosierungen, auf. Dann spricht man vom sekundären Raynaud-Syndrom. Die genaue Ursache ist unbekannt, vermutlich aber ist das Gleichgewicht zwischen gefäßverengenden und gefäßerweiternden Regulationsmechanismen der Blutgefäße gestört.
Häufigkeit:
Frauen sind sehr viel häufiger als Männer betroffen. Sie erkranken vor allem zwischen dem 15. und 40. Lebensjahr. Insgesamt tritt das Raynaud-Syndrom bei 3-16 % der Bevölkerung auf.
Symptome:
Typische Symptome sind ein anfallsartig auftretendes Weißwerden der Zehen bzw. Finger, gefolgt von einer blauen Verfärbung mit Starre und Gefühllosigkeit. Mit dem Aufhören des Anfalls werden Zehen bzw. Finger dunkelrot und können dabei brennen, stechen oder pochen. Die Anfälle dauern Minuten bis Stunden. Bestehen die Krämpfe über einen längeren Zeitraum, können die Gefäße dauerhaft geschädigt werden. Nekrosen (Absterben des Gewebes) sind die Folgen.
Auslöser sind häufig Kälte und psychische Belastung. Oft reicht schon Händewaschen mit kaltem Wasser, ein Griff in den Kühlschrank oder das Anfassen eines kalten Fahrradlenkers, um eine Raynaud-Attacke auszulösen.
Diagnose:
Meist lässt sich die Diagnose nach einer Beschreibung der Beschwerden bereits stellen. Der Arzt kann einen Anfall auch provozieren, indem die Hände/Füße in Eiswasser getaucht werden. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen primärem und sekundärem Raynaud-Syndrom. Hier muss der Patient auf verschiedene Grunderkrankungen hin untersucht werden. Auch die Blutgefäße selbst kann man mit verschiedenen Methoden, wie z. B. Kapillarmikroskopie, Ultraschall-Doppler-Sonographie, Arteriografie, optisch darstellen und so direkt Veränderungen der Gefäße darstellen.
Prophylaxe:
Patienten mit Raynaud-Syndrom können selbst schon viel tun, um einem Anfall vorzubeugen. Zunächst sollte der Körper immer gut vor Kälte geschützt sein. Regelmäßiger Sport verbessert die Kreislauffunktion und damit die Durchblutung. Rauchen wirkt schädigend auf die Blutgefäße. Wenn Stress ein Auslöser für die Raynaud-Symptomatik ist, kann das Erlernen von Entspannungsübungen hilfreich sein (z. B. autogenes Training). Gefäßverengende Medikamente (z. B. einige Schmerz- und Erkältungspräparate) sollten vermieden werden. Wenn sich der Anfall schon bemerkbar macht, sollte man warmes Wasser über die Hände laufen lassen und die Finger massieren.
Therapie:
Bei einem sekundären Raynaud-Syndrom muss in jedem Fall die Grunderkrankung mitbehandelt werden. Bei schweren Formen kommen gefäßerweiternde Medikamente zur Anwendung. Problematisch kann hierbei allerdings die gleichzeitige blutdrucksenkende Wirkung sein. In schweren Fällen kann auch gezielt der Nerv durchtrennt werden, der die Weite der Gefäße reguliert (Sympathektomie).
Prognose:
Das primäre Raynaud-Syndrom hat eine gute Prognose. Durch die Einhaltung der allgemeinen Prophylaxe-Maßnahmen ist die Lebensqualität sehr gut. Hingegen kann es beim sekundären Raynaud-Syndrom zu Nekrosen kommen, die eine Amputation einzelner Fingerglieder oder des gesamten Fingers bzw. Zehs erforderlich machen.