Allgemeines Während einer Schwangerschaft kommt es zu komplexen Veränderungen im Körper einer Frau. Diese betreffen den Hormonhaushalt, das Immunsystem, den Stoffwechsel und die Blutgefäße, und sie haben auch Auswirkungen auf die Haut. Ein Dunklerwerden der Haut und bestehender Muttermale oder ein verstärktes Haarwachstum kommen in der Schwangerschaft recht häufig vor. Auch Gefäßmissbildungen (Angiome) oder Krampfadern (Varizen) treten häufig auf. Nach der Entbindung verschwinden diese Veränderungen meist wieder vollständig. Hauterkrankungen, die bereits vor der Schwangerschaft bestanden wie Akne, Schuppenflechte (Psoriasis) oder Neurodermitis (atopisches Ekzem), können sich während der Schwangerschaft bessern, sie können sich aber auch verstärken. Es kann erforderlich sein, die Medikation während der Schwangerschaft zu ändern. Eine Therapieanpassung ist häufig notwendig, da viele üblicherweise verwendete Hautarzneien (Dermatika) in der Schwangerschaft nicht zugelassen oder sogar kontraindiziert sind. Sie können das Ungeborene gefährden. Eine Gruppe von Hauterkrankungen tritt ausschließlich während der Schwangerschaft auf. Diese werden als spezifische Schwangerschaftsdermatosen bezeichnet. Sie alle sind mit heftigem Juckreiz verbunden. Da einige dieser Erkrankungen ein potenzielles Risiko für das ungeborene Kind bedeuten, sollten Schwangere mit Hautveränderungen in jedem Fall den Hautarzt aufsuchen. Im Folgenden wird auf die vier spezifischen Schwangerschaftsdermatosen (PEP, PG, ICP und AEP) eingegangen.
Polymorphe Schwangerschaftsdermatose (PEP) Ein juckender Hautausschlag im Bereich von Schwangerschaftsstreifen, der ein wenig an eine Nesselsucht (Urtikaria) erinnert, ist die polymorphe Schwangerschaftsdermatose. Die typischen Rötungen, leicht erhabenen Plaques und ekzemartigen Veränderungen erscheinen i.d.R. in den letzten Schwangerschaftswochen oder kurz nach der Entbindung. Die Hautveränderungen treten insbesondere am Bauch auf; die Nabelregion ist dabei ausgespart. Sie können sich auf das Gesäß sowie über die Oberschenkel und Arme ausbreiten. Die genauen Ursachen sind bislang unbekannt. Möglicherweise besteht ein Zusammenhang mit einer Schädigung des Bindegewebes infolge Überdehnung. Erstgebärende, Mehrlingsmütter oder Schwangere mit sehr starker Gewichtszunahme sind häufiger betroffen. Ein Risiko für das Kind besteht nicht. Die Erkrankung heilt meist innerhalb von 4 bis 6 Wochen ab. Behandelt werden kann äußerlich mit bestimmten topischen Kortikosteroiden und Antihistaminika.
Pemphigoid gestationis (PG) Durch Bläschen und pralle Blasen, die teilweise in Gruppen angeordnet sind, ist die Autoimmunerkrankung Pemphigoid gestationis (PG, syn. Herpes gestationis) gekennzeichnet. Sie tritt meist im dritten oder zweiten Trimenon der Schwangerschaft oder aber kurz nach der Geburt auf. Es handelt sich nicht um eine Infektion. Die ersten Blasen bilden sich zunächst um den Bauchnabel herum und breiten sich dann weiter über den Bauch aus. Nach einigen Tagen bilden sich darunter und im nahen Umfeld stark juckende entzündliche Hautrötungen (Erytheme). Eine Verbindung mit Schwangerschaftsstreifen besteht nicht. PG bildet sich von selbst innerhalb von Wochen oder Monaten nach der Geburt wieder zurück. Zur Behandlung von Juckreiz und Blasenbildung kann der Arzt bestimmte Kortikosteroide und Antihistaminika einsetzen. Das Neugeborene ist meist „small for date“, hat also im Verhältnis zur Dauer der Schwangerschaft ein relativ geringes Geburtsgewicht. Bei etwa zehn Prozent der Babys kann es zu leichten Hauterscheinungen kommen. Diese heilen jedoch von selbst in kurzer Zeit wieder ab.
Intrahepatische Schwangerschaftscholestase (ICP) Ein sehr starker Juckreiz, zunächst ohne weitere Hauterscheinungen, ist kennzeichnend für die Schwangerschaftscholestase (intrahepatische Schwangerschaftscholestase, ICP). Durch Kratzen kommt es zu sekundären Hautveränderungen. Oft sind die Handinnenflächen oder die Fußsohlen stark gerötet. Der Juckreiz wird ausgelöst durch einen erhöhten Gallensäurespiegel im Blut. Die Ursache dieser Störung liegt in der Leber begründet. Durch einen gestörten Abfluss innerhalb der Leber kommt es zu einem Rückstau der Gallenflüssigkeit. Das beeinträchtigt die Entgiftung des Körpers und die Verdauung: dunkler Urin, heller Stuhl. Es kann zu einer Gelbsucht kommen. ICP wird durch Hormone eingeleitet/ausgelöst (getriggert). Die Erkrankung tritt meist in der Spätschwangerschaft auf. Betroffen sind genetisch vorbelastete Frauen; die Veranlagung für die Erkrankung liegt also in der Familie. Nach der Entbindung klingt der Juckreiz rasch vollständig ab. Die Beschwerden treten in Folgeschwangerschaften mit einiger Sicherheit erneut auf. ICP birgt insbesondere Risiken für das Kind. Tritt für den Fetus giftige Gallensäure in den Kreislauf des Ungeborenen über, wirkt sich das negativ auf dessen Herztätigkeit und die Sauerstoffversorgung aus. Es kann zu einer Früh- (19-60 %) oder seltener auch zur Totgeburt (1-2 %) kommen. Rasche Diagnose und Therapie sind daher sehr wichtig.
Atopische Schwangerschaftsdermatose (AEP) Die mit Abstand häufigste juckende Dermatose in der Schwangerschaft ist die atopische Schwangerschaftsdermatose (atopic eruption of pregnancy, AEP). Die Hautveränderungen sind bei zwei Dritteln der Patientinnen durch flächiges Auftreten von Juckreiz und Rötungen, evtl. Verdickung und Schuppung der Haut (ekzematös) gekennzeichnet. Besonders betroffene Bereiche sind Gesicht, Hals, Dekolleté sowie die Innenseiten der Gliedmaßen. Bei einem Drittel sind die Hautveränderungen knötchenförmig (papulös). Die Haut der Betroffenen ist meist sehr trocken (Xerosis cutis). AEP tritt oftmals schon im ersten Schwangerschaftsdrittel auf. Etwa 20 % der betroffenen Frauen haben eine atopische Vorerkrankung. Bei 80 % tritt die atopische Hauterkrankung erstmals während der Schwangerschaft oder nach langer Zeit (z.B. seit der Kindheit) wieder auf. Zum Teil liegt eine entsprechende Familiengeschichte (TH2-Immunantwort) zugrunde. Ein Risiko für den Fetus besteht nicht. Behandelt werden kann mit rückfettenden Cremes und Salben. Ebenso kommen Harnstoffsalben oder Lokaltherapeutika mit Zusätzen gegen Juckreiz zum Einsatz. In schweren Fällen kann der Arzt auch zu Kortikosteroiden oder Antihistaminika greifen. Auch eine Lichttherapie mit UVB-Licht kommt in Frage. Ein erneutes Auftreten (Rezidiv) in Folgeschwangerschaften ist häufig.