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Informationen zum Thema Trombidiose (Erntekrätze, Heukrätze, Herbstbeiße etc. ) 

Trombidiose

Allgemeines
Die Erkrankung ist deutschlandweit unter verschiedenen Bezeichnungen bekannt, z. B. als Herbstbeiße, Erntekrätze, Heukrätze oder Stachelbeerkrankheit. Medizinisch korrekt wird sie als Trombidiose bezeichnet. Diese Bezeichnung geht auf die Familie der Laufmilben (Trombiculidae) zurück, durch die die typischen Stichreaktionen hervorgerufen werden.

Die volkstümlichen Namen der Erkrankung lassen vermuten, dass die Trombidiose vor allem im Spätsommer und Herbst auftritt. Je nach Art der Erreger und abhängig von den Witterungsverhältnissen kann sie in einigen Regionen jedoch schon ab März und bis in den November hinein vorkommen.

Ursache
Hervorgerufen wird die Trombidiose durch Stiche der Larven verschiedener Laufmilben-Arten. Die in Deutschland vermutlich am häufigsten vertretene Art ist Neotrombicula autumnalis, die Herbstmilbe. Wie für die Erkrankung selbst gibt es auch für die Erreger unterschiedliche Namen, wie Ernte-, Gras oder auch Heumilbe.

Nur die Larven der Laufmilben befallen den Menschen. Der Mensch ist dabei eigentlich gar nicht der richtige Wirt der Milbenlarven. Denn natürlicherweise befallen die 0,3 mm kleinen, rot-orangen, sechsbeinigen Larven vor allem kleine Säugetiere wie Mäuse oder auch Vögel. Sie sind bei der Wahl ihres Wirtes aber nicht sehr spezifisch. Andere Entwicklungsstadien der Milben ernähren sich räuberisch von anderen Kleinstlebewesen.

Besonderheiten
Am aktivsten sind die Milben bei Außentemperaturen von 20-30 °C. Daneben sind sie sind stark auf bestimmte klimatische Bedingungen angewiesen, insbesondere auf eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit in Bodennähe (mind. 80 %). Das erklärt auch ihr inselartiges Auftreten und warum es sein kann, dass sich die Milben zwar im eigenen Garten befinden, nicht aber im Garten des Nachbarn. In einer sehr trockenen Umgebung wie der Wohnung des Menschen können sie sich übrigens nicht entwickeln.

Lebenszyklus der Laufmilben
Die erwachsenen Milbenweibchen legen je etwa 300 bis 400 Eier im feuchten Boden ab. Aus den Eiern schlüpfen nach ca. 4 Wochen die Larven. Auf der Suche nach einem Wirt sammeln sie sich haufenweise in so genannten „Clustern“ auf etwa 20-30 cm hoch gelegenen Punkten wie Gräsern oder bodennahen Pflanzen. Dort werden sie von einem vorbeikommenden Wirt abgestreift. Der Menschen wird also eher zufällig bei der Arbeit im Garten oder bei einem Spaziergang von den Larven befallen.

Die Larven ernähren sich von Zellmaterial der obersten Hautschicht, welches sie mit ihrem Speichelsekret zersetzen, und von Lymphflüssigkeit. Daher erscheinen sie nach der Nahrungsaufnahme etwas heller als vorher.

Nach der Nahrungsaufnahme lassen sich die Larven auf den Boden fallen. Innerhalb von 4 bis 6 Wochen entwickeln sie sich zu Nymphen, dem letzten Larvenstadium, weiter. Die Nymphen sind mit ca. 1 mm etwas größer als die Larven und haben wie die erwachsenen Tiere auch bereits 8 Beine. Die Nymphen und die erwachsenen Milben leben im Boden und ernähren sich räuberisch von Kleinstlebewesen.

Symptome
Bevorzugte Stichstellen der Laufmilben sind dort, wo Kleidung eng an der Haut anliegt (z. B. in der Taille und an den Unterschenkeln). Vermutlich bevorzugen die Milbenlarven diese Stellen, da die Haut hier eher schwitzt und die Luftfeuchtigkeit entsprechend hoch ist. Möglicherweise haben aber auch andere Faktoren wie z. B. die Dicke der Haut einen Einfluss. Das Herumlaufen der Milben auf der Haut sowie der Stechakt selbst werden vom Menschen nicht wahrgenommen.

Erst nach einigen Stunden bis Tagen zeigen sich beim Menschen Hautreaktionen auf die Stiche der Milben. Dazu zählt neben hochroten Flecken und Quaddeln an der Einstichstelle vor allem ein sehr starker Juckreiz, der über eine Woche anhalten kann. Wenn diese Reaktionen auftreten, sind die Milben selbst meist nicht mehr nachzuweisen. Sie werden durch das Scheuern der Kleidung auf der Haut oder durch Duschen/Waschen bereits nach wenigen Stunden von der Haut entfernt.

Die Hautreaktionen auf die Milbenstiche sind bei den betroffenen Personen in der Regel unterschiedlich stark ausgeprägt. Aufgrund von Gewöhnungseffekten können die Reaktionen bei häufig gestochenen Patienten nachlassen. Bei Patienten, die noch gar nicht oder sehr selten betroffen waren, können sich die Hautreaktionen durch Sensibilisierungsprozesse beim nächsten Mal verstärken.

Diagnose
Da die Milben meist nicht mehr nachweisbar sind, wenn die Stichreaktionen auftreten, erfolgt die Diagnose beim Arzt über die gruppiert auftretenden Hautreaktionen an den typischen Hautarealen wie z. B. in der Taille. Auch das plötzliche Auftreten im Frühjahr oder Herbst deutet auf einen Befall durch die Herbstmilbe hin.

Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung erfolgt symptomatisch, d. h. der Juckreiz und die entzündlichen Hautreaktionen werden mit juckreizstillenden und antientzündlichen Präparaten behandelt. In Frage kommen äußerlich anzuwendende Präparate, die Antihistaminika oder Glukokortikoide enthalten. Daneben kommen Zinoxidschüttelmixturen und Gerbstoff-haltige Präparate zum Einsatz. Auch das Einreiben der Stichstellen mit 70%igem Alkohol oder Franzbranntwein soll hilfreich sein.
Nicht sinnvoll erscheint dagegen der Einsatz von Insektiziden, da die Milben selbst meist nicht mehr nachweisbar sind.

Was Sie selbst tun können, um einen Befall mit Herbstmilben zu vermeiden
  • Meiden Sie - wenn möglich - betroffene Gebiete.
  • Tragen Sie geschlossene Schuhe und lange Hosen und tragen Sie Strümpfe über der Hose.
  • Verwenden Sie Repellentien (Mittel, die Insekten und Milben abschrecken). Repellentien sind in der Apotheke sowie im Drogeriemarkt erhältlich und können je nach Präparat an der Kleidung und/oder auf der Haut angewendet werden.
  • Häufig wird auch empfohlen, die Hosenbeine mit Insektiziden einzusprühen. Erkundigen Sie sich in Ihrer Apotheke.
  • Gehen Sie direkt nach dem Aufenthalt im Freien duschen.
  • Eventuell hilfreich könnte es sein, das Mikroklima im Garten zu ändern, indem z. B. die Luftfeuchtigkeit in Bodennähe vermindert wird.
  • Ob es hilft, Primärwirte zu bekämpfen (z. B. kleine Nagetiere), ist nicht sichergestellt.

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