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Erkrankungen der Haut, Haare und Nägel.

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Urlaubsdermatosen

Allgemeines

Hauterkrankungen gehören zu den Urlaubssouvenirs, die niemand mit nach Hause bringen möchte. Doch die Zahl der unfreiwilligen Reisemitbringsel wächst. Jährlich kehren rund 500.000 Deutsche mit Pocken, Pusteln oder Ausschlägen auf der Haut von ihrer Fernreise zurück. Hautveränderungen machen etwa ein Drittel der Reiseerkrankungen aus, die in Tropeninstituten behandelt werden - nach Durchfall und Fieber. In den allgemeinmedizinischen Praxen kommen noch weitere Hauterscheinungen hinzu wie Stichreaktionen, Lichtdermatosen oder allergische Reaktionen (z.B. auf Henna-Tattoos).

Bei den unfreiwilligen Reisesouvenirs stehen Infektion der Haut mit Bakterien, so genannten Eiterkokken, meist: Staphylokokken oder Streptokokken, an erster Stelle. Die Folge sind Entzündungen, Bläschen, eitrige Stellen oder Abszesse. In der Medizin heißen diese bakteriellen Hautinfektionen Pyodermien. An zweiter Stelle der ungeliebten Reisesouvenirs der Haut stehen die Parasiten wie Skabies (Krätze), Leishmaniosen oder Sandfloh, gefolgt von Hautpilzerkrankungen (Mykosen).


Ursachen / Hintergründe

Reisen bildet und entspannt. Und mit den heutigen Transportmöglichkeiten kommen Menschen überallhin, auch in die entferntesten Winkel der Welt. An die abgelegensten Strände und in das dichteste Stück Urwald zieht es Touristen heute. Eine der Folgen: Die Zahl der Urlaubsdermatosen hat stark zugenommen.


Urlaubsdermatosen I:

Bakterielle Infektionen: Grindflechte, Follikulitis, Furunkel & Co

Infektionen der Haut mit Eiterkokken (Pyodermien) gehören zu den häufigsten Reisemitbringseln der unfreiwilligen Art. Je nach Erreger breiten sich die Infektionen entweder eher horizontal, also oberflächlich, oder entlang von Haarfollikeln und Schweißdrüsen vertikal in die Tiefe der Haut aus. Die Folge sind entzündliche Rötungen, kleine Bläschen und Pusteln oder auch in tiefere Hautschichten reichende, schmerzhafte Abszesse.

Die Grind- oder Eiterflechte (Impetigo contagiosa) beispielsweise beginnt meist im Bereich um Mund und Nase und an den Händen. Oftmals sind Kinder betroffen. Die kleinen Bläschen und Pusteln platzen schnell auf. Anschließend bilden sich scharf begrenzte Krusten, die meist gold-gelblich gefärbt sind. Die Ausbreitung geschieht durch Schmierinfektion. Die Erreger lassen sich durch Hautabstriche nachweisen. Behandelt werden kann die Grindflechte vom Arzt mit Hilfe von Antibiotika. Diese werden je nach Ausbreitung der Erkrankung entweder lokal als Creme aufgetragen oder eingenommen (systemisch verabreicht).

Ist der obere Teil des Haarfollikels (die Haarwurzel umgebende Strukturen, Haarbalg), durch Eiterkokken (Staphylococcus aureus) infiziert, bezeichnet man dies als Follikulitis. Auch sie ist ein häufiges „Urlaubssouvenir“. Dabei treten im Bereich des Haarbalgs plötzlich Pusteln mit gerötetem Rand auf, z.B. im Bartbereich, am Gesäß oder an den Oberschenkeln. Der Arzt untersucht den Inhalt einer Pustel auf Bakterien und Hautpilze. Behandeln kann man dann mit antiseptischen Lösungen.

Schreitet eine Follikulitis weiter fort, kann sich daraus innerhalb von Stunden bis Tagen ein Furunkel oder Karbunkel entwickeln. Dabei handelt es sich um tiefreichende bakterielle Entzündungen. Ausgehend vom Haarfollikel bildet sich ein Abszess in die Haut hinein. Dieser ist überwärmt und auf Druck sehr schmerzempfindlich. Der eitrige Inhalt eines Furunkels entleert sich nach einer gewissen Zeit meist spontan nach außen oder wird seltener vom Körper resorbiert. Gelangen die Bakterien aus einem Furunkel in die Lymphbahnen oder die Blutgefäße, kann es zu schwerwiegenden Komplikationen wie beispielsweise einer Entzündung der Lymphgefäße oder einer Hirnvenen-/Sinusthrombose kommen. Tritt eine Gruppe von Furunkeln an mehreren Haarfollikeln auf, wird dies als Karbunkel bezeichnet.
Um der Ursache der Entzündung auf die Spur zu kommen, wird der Eiter im Labor auf Bakterien hin untersucht. Der Arzt behandelt ein Furunkel meist zunächst mit Zugsalbe, so dass der Abszess rascher „reifen“ und sich entleeren kann. Der Eiter kann von Arzt auch durch eine so genannte Parazentese (Stichinzision: Einschnitt in die Wand eines Hohlraums) entfernt werden. Um eine erneute Infektion und eine Ausbreitung der Bakterien zu verhindern, wird anschließend mit antiseptischen und antibiotischen Salben nachbehandelt. Haben sich die Bakterien bereits in Lymph- oder Blutbahnen ausgebreitet, reicht die äußerliche Behandlung nicht aus. Nun ist die Einnahme von Antibiotika bzw. eine entsprechende Infusion erforderlich.

Zu einer Infektion mit Eiterkokken (hier meist: Streptokokken) kann es auch nach einem Krätzbefall (Skabies) oder einem Insektenstich kommen. In der Medizin werden solche Infektionen als Ecthyma bezeichnet. Auch sie ist ein häufiges Mitbringsel von Urlaubsreisen. Es bildet sich ein kleines, oberflächliches Geschwür mit gerötetem Rand, das wie ausgestanzt aussieht, oftmals an den Beinen. Auch hier kann es unbehandelt zu Komplikationen (z.B. Wundrose oder Sepsis) kommen. Ist der Erreger nachgewiesen, genügt in der Regel die lokale Anwendung von antiseptischen und antibiotischen Cremes. Nur in schweren Fällen ist die Einnahme von Antibiotika erforderlich.

Leishmaniosen

Weltweit sind nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO etwa zwölf Millionen Menschen mit so genannten Leishmanien infiziert. Durch den Stich der Sandmücken (Phlebotomen oder „Sandfliegen") werden diese parasitären Einzeller übertragen. Sie können drei verschiedene Krankheitsbilder auslösen: Haut-/Kutane Leishmaniose (Orientbeule), Mukokutane Leishmaniose (Espundia; Schleimhautbefall), Viszerale Leishmaniose (Kala-Azar; Befall von inneren Organen). Mit den Erregern einer Leishmaniose kann man sich in den Tropen und Subtropen Amerikas und Asiens infizieren, aber auch in der „Alten Welt“ am Mittelmeer, z.B. in Spanien, Italien, Griechenland oder auch in nordafrikanischen Staaten.

Bei der kutanen, der auf die Haut beschränkten Form bildet sich innerhalb von Tagen bis drei Wochen an der Einstichstelle eine juckende Papel, später ein Knötchen, das innerhalb von einigen Wochen zu einer größeren Beule, der so genannten „Orientbeule“, heranwächst. Dieses mehrere Zentimeter große, juckende Geschwür heilt nach einigen Monaten meist von selbst wieder ab, kann aber auch chronisch verlaufen. Die Orientbeule hat ihre Verbreitung vor allem in der Alten Welt: in Südeuropa, auf dem Balkan und im Vorderen Orient (Naher Osten). Die kutane Leishmaniose Südamerikas ist meist auf die Ohrmuscheln begrenzt.
Eine zweite Variante, die Espundia, bei der zusätzlich auch die Schleimhäute betroffen sind (mukokutane Leishmaniose), prägt sich meist im Gesicht aus. Sie kommt vor allem in der Neuen Welt, in Mittel- und Lateinamerika, vor. Die Hautveränderungen der Espundia sind stärker ausgebildet als bei der kutanen Leishmaniose der Alten Welt. Es kann zur Zerstörung von Haut, Muskulatur und Knorpel im Gesichtsbereich kommen und zu Entstellungen führen. Spontanheilungen kommen bei der mukokutanen Leishmaniose seltener vor.
Die dritte Form wird Kala-Azar (schwarze Krankheit) genannt. Bei dieser viszeralen Leishmaniose befallen die Parasiten innere Organe wie Leber und Milz sowie Knochenmark und Lymphknoten. Fieber tritt auf, Leber und Milz vergrößern sich, der Patient hat Bauchschmerzen. Es kommt zu Gewichtsverlust, Anämie(Veränderung des Blutbilds: zu wenig weiße Blutkörperchen und Blutplättchen) und allmählichem Kräfteverfall. Auf der Haut zeigen sich gräuliche bis schwarzgraue Flecken durch vermehrte Pigmentbildung. Kala-Azar verläuft unbehandelt in der Regel tödlich. Die viszerale Leishmaniose ist in Asien, Afrika, im Mittelmeerraum und in Südamerika verbreitet.

Die Symptome können sich noch mehrere Wochen oder Monate, sogar bis zu zwei Jahre nach dem Stich der Mücke entwickeln. Auch länger zurückliegende Reisen sollten also bei solchen Hautveränderungen in die Ursachensuche mit einbezogen werden. Der Arzt stellt die Diagnose, in dem er eine Gewebeprobe aus den betroffenen Hautarealen entnimmt (Biopsie) und diese auf die Parasiten hin untersuchen lässt. Häufig werden auch die entsprechenden Antikörper im Blut nachgewiesen. Für die Behandlung der kutanen Leishmaniose stehen verschiedene lokale Therapieoptionen zur Verfügung: chirurgische Entfernung (Exzision), Vereisung (Kryotherapie), Paromomycin-Salbe mit antibiotischer Wirkung sowie Präparate, die das Metallion Antimon enthalten. Ausgedehntere Hautveränderungen und die mukokutanen Formen werden systemisch, also durch innere Anwendung der Wirkstoffe, behandelt. Dabei werden vom Arzt neben Antimonpräparaten z.B. auch bestimmte Antipilzmedikamente (Antimykotika) eingesetzt. Bei der viszeralen Leishmaniose sind oft mehrere Behandlungszyklen notwendig. Erfolgt die Therapie rechtzeitig, ist die Prognose auch für diese schwerwiegende Erkrankung gut.
Reisende mit einem geschwächten Immunsystem sind wesentlich stärker gefährdet sich eine Leishmaniose zuzuziehen oder eine schwere Verlaufsform zu entwickeln als gesunde Personen.
Zum Schutz vor einer Infektion ist ein konsequenter Mücken- und Insektenschutz wichtig, ganz besonders am Abend und in den Nachtstunden. Die Erreger werden durch die nachtaktiven Mücken von erkrankten Menschen, aber auch von erkrankten Hunden oder Nagetieren, auf Menschen in der Umgebung übertragen. Die Verwendung von Mückenschutzmitteln und Moskitonetzen ist daher ratsam.
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