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Urlaubsdermatosen II
Allgemeines
Hauterkrankungen gehören zu den Urlaubssouvenirs, die niemand mit nach Hause bringen möchte. Doch die Zahl der unfreiwilligen Reisemitbringsel wächst. Jährlich kehren rund 500.000 Deutsche mit Pocken, Pusteln oder Ausschlägen auf der Haut von ihrer Fernreise zurück. Hautveränderungen machen etwa ein Drittel der Reiseerkrankungen aus, die in Tropeninstituten behandelt werden - nach Durchfall und Fieber. In den allgemeinmedizinischen Praxen kommen noch weitere Hauterscheinungen hinzu wie Stichreaktionen, Lichtdermatosen oder allergische Reaktionen (z.B. auf Henna-Tattoos).
Bei den unfreiwilligen Reisesouvenirs stehen Infektion der Haut mit Bakterien, so genannten Eiterkokken, meist: Staphylokokken oder Streptokokken, an erster Stelle. Die Folge sind Entzündungen, Bläschen, eitrige Stellen oder Abszesse. In der Medizin heißen diese bakteriellen Hautinfektionen Pyodermien. An zweiter Stelle der ungeliebten Reisesouvenirs der Haut stehen die Parasiten wie Skabies (Krätze), Leishmaniosen oder Sandfloh, gefolgt von Hautpilzerkrankungen (Mykosen).
Ursachen / Hintergründe
Reisen bildet und entspannt. Und mit den heutigen Transportmöglichkeiten kommen Menschen überallhin, auch in die entferntesten Winkel der Welt. An die abgelegensten Strände und in das dichteste Stück Urwald zieht es Touristen heute. Eine der Folgen: Die Zahl der Urlaubsdermatosen hat stark zugenommen.
Urlaubsdermatosen II:
Hautmaulwurf (Larva migrans cutanea)
Häufiges Reisesouvenir aus tropischen und subtropischen Ländern sind Hautparasiten. Den so genannten Hautmaulwurf (Larva migrans cutanea) können Reisende beispielsweise aus Ländern Ostafrikas, Südamerikas (z.B. Brasilien) oder Südostasiens mit nach Hause bringen. Beim Hautmaulwurf handelt es sich um die Larven von Hakenwürmern (Ancylostomatidae), die normalerweise im Darm von Hunden und Katzen leben. Dringen sie in den Menschen ein, ist das eigentlich ein Versehen.
Die kleinen Parasiten graben dann gewundene, leicht erhabene Gänge in die Haut, die intensiv jucken und meist stark gerötet sind. Dabei handelt es sich um entzündliche Reaktion auf die Antigene der Larven nach ihrer Wanderung durch die Haut. Häufig sind die Wanderungsgänge an Füßen oder Händen zu finden, die Larven können aber auch die Haut am Rumpf wie etwa an Rücken, Bauch oder Brust befallen. Die Infektion erfolgt meistens beim Barfußlaufen an Stränden oder auf Böden, die mit wurmhaltigem Tierkot verunreinigt sind.
Da der Mensch nicht der richtige Wirt für diese Hakenwurmlarven ist, können sie sich nicht zu ausgewachsenen Tieren weiterentwickeln und sterben meist nach einigen Tagen bis maximal acht Wochen ab. Bei starkem Befall oder extremem Juckreiz kann der Arzt mit geeigneten Antiwurmmitteln behandeln. Zur Vorbeugung sollte das Barfußlaufen an verunreinigten Stränden in den Tropen möglichst vermieden werden.
Sandfloh (Tungiasis)
Stark juckende, weißliche Knötchen (Papeln) auf der Haut mit einem schwarzen Punkt in der Mitte verursacht der so genannte Sandfloh (Tunga penetrans). Auf Druck sind die Knötchen schmerzempfindlich. Der Winzling ist zunächst nur einen Millimeter groß und ein Verwandter unseres heimischen Flohs. Die exotische Verwandtschaft lebt in den tropischen Bereichen Lateinamerikas, Asiens und Afrikas.
Sandfloh-Weibchen bohren sich mit ihrem Saugrüssel in die Haut von Warmblütern wie Hunden, Katzen oder Schweinen. Sie bevorzugen weiche Hautpartien. Beim Menschen sind meist die Zehenzwischenräume, die Nagelränder, die Haut unter den Fußnägeln oder die Fußsohlen befallen. Nur selten kommen Sandflöhe an Händen, Ellenbogen oder in der Leistenregion vor.
Infizieren kann man sich vor allem beim Barfußlaufen am Strand. Anfangs kann der Floh mit einer Pinzette entfernt werden. Die Krankheit limitiert sich allerdings auch von selbst: Nach drei bis fünf Wochen stirbt das Weibchen und wird als Fremdkörper abgestoßen. Fachleute raten dennoch zur operativen Entfernung, denn durch Kratzen infiziert sich die befallene Stelle sehr häufig. Diese Sekundärinfektionen könnten schlimmstenfalls die Amputation eines Zehs nach sich ziehen.
Zur Vorbeugung sollte man das Barfußlaufen an tropischen Stränden vermeiden und stattdessen am besten immer festes Schuhwerk tragen. Ratsam ist es auch, auf Füße und Schuhe insektizidhaltige Mittel (Spray, Creme oder Lotion) aufzutragen. Zur Sicherheit sollte man die Füße mit der Lupe nach verdächtigen roten Punkten absuchen, die oft von einem weißlichen Hof umgeben sind. Experten raten außerdem zur rechtzeitigen Auffrischung des Tetanus-Impfschutzes vor einer Reise in die Tropen.
Insgesamt gesehen kommt der Befall mit Sandflöhen, der auch als Tungiasis bezeichnet wird, bei Touristen nur relativ selten vor.
Krätze (Scabies)
Die Krätze (Scabies) ist eine Hauterkrankung, die weltweit verbreitet ist. Je nach Bevölkerungsdichte, Hygienestatus und medizinischer Versorgung schwankt die Häufigkeit der Scabies von Land zu Land zwischen einem (1) und 33 Prozent.
Die Krätze wird durch einen Parasiten, die Krätzmilbe (Sarcoptes scabiei variato hominis), verursacht, eine winzige, nur 0,2 bis 0,4 Millimeter große Milbenart, die mit bloßem Auge noch gerade so wahrzunehmen ist. Das gilt zumindest für die weiblichen Tiere (0,3-0,4 mm), denn die männlichen Krätzmilben sind noch kleiner (0,2 mm). Die Männchen sterben nach der Begattung auf der Hautoberfläche ab, während die Weibchen Gänge in die Haut graben und dort über Wochen ihre Eier ablegen. Nach etwa acht Wochen sterben auch die Weibchen. Innerhalb von drei Wochen entwickeln sich jedoch aus den Eiern zunächst Larven, dann Nymphen und schließlich geschlechtsreife Milben, die sich weiter vermehren.
Ein Verdacht auf Krätzmilben als Reisesouvenir ergibt sich, wenn nach einer Tour in bevölkerungsreiche Länder mit schlechter Hygiene und schlechter medizinischer Versorgung unstillbarer Juckreiz auftritt, der sich abends und nachts im warmen Bett verstärkt. Erste Symptome zeigen sich nach ein bis drei Wochen.
Die Milbengänge treten als feine rötliche Lienen (bis zu 1 cm lang) hervor, an deren Ende sich eine gelbliche Erhebung, der Milbenhügel, befindet. Besonders häufig findet man diese im Bereich zwischen den Fingern, am Handgelenk, im Bereich der Achselhöhlen, in den Ellenbogen, am Nabel und am Brustwarzenhof. Bei Erwachsenen sind oftmals auch der Genitalbereich und die Perianalregion betroffen. Nach einigen Tagen bis Wochen ist das Immunsystem gegen die Proteine der Milbe sensibilisiert und es tritt ein flächiges, juckendes Ekzem auf. Durch heftiges Kratzen entstehen zudem nicht selten bakterielle Infektionen und in der Folge eitrige Stellen. Die Krätze heilt nicht von alleine ab und verschlimmert sich mit der Zeit. Eine Behandlung ist daher unbedingt notwendig. Für die Therapie stehen insektizidhaltige (Insekten tötende) Mittel zur Verfügung, der heftige Juckreiz kann mit Antihistaminika behandelt werden. Larven und Nymphen sind sehr temperaturempfindlich. Durch heiße Vollbäder können diese abgetötet werden. Die ausgewachsenen Milben überleben dagegen die Bäder. Zusätzlich müssen auch Kleidung, Handtücher, Bettwäsche, Kuscheltiere etc. von eventuell vorhandenen Milben befreit werden. Dazu sollten diese bei 60°C gewaschen werden. Nicht waschbare Textilien kann man alternativ auch durch Einfrieren in der Tiefkühltruhe milbenfrei bekommen. Oder auch durch schlichtes Nichtbenutzen/Auslüften über vier Tage, denn die Milben überleben außerhalb der Haut nur zwei bis drei Tage lang. Sind die Milben abgetötet, können Ekzeme und trockene Haut mit rückfettenden Bädern und Salben nachbehandelt werden.
Übertragen wird die parasitäre Erkrankung durch engen körperlichen Kontakt von Mensch zu Mensch, bei Erwachsenen nicht selten beim Sexualkontakt. Händeschütteln reicht für eine Ansteckung nicht aus. Krätzmilben können allerdings auch durch Bettwäsche oder Textilien weiter verbreitet werden.
Für eine sichere Diagnose versucht der Hautarzt mit dem Auflichtmikroskop die Milben selbst zu finden sowie in den Milbengängen die Kotballen nachzuweisen. Aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr für Personen in der direkten Umgebung (Familie, Kindergarten, Schule, Altenheim) eines Erkrankten, sollten auch diese auf einen Befall hin untersucht werden.
Die Erkrankung ist nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig. Einrichtungen wie Kindergärten oder Schulen müssen über die Erkrankung informiert und dürfen vorübergehend nicht besucht werden. Das gilt so lange, bis der Arzt die erfolgreiche Behandlung attestiert.
Tumbu-Fliege, Dasselfliege (Myiasis)
Ein relativ häufiges Reisemitbringsel sind Fliegenlarven in der Haut. Sie verursachen die so genannte Myiasis. Je nach Kontinent handelt es sich dabei um Larven der Tumbu-Fliege (Cordylobia antropophaga, Afrika) oder der Dasselfliege (Dermatobia hominis, Südamerika). Letztere heftet ihre Eier im Flug an Moskitos. Sticht der Moskito einen Menschen, überträgt er dabei die Fliegeneier. Die Folge sind Hautveränderungen, die einem Furunkel ähneln. Im Innern befindet sich die Fliegenlarve, die meist mit Hilfe einer Pinzette oder chirurgisch entfernt werden kann. Verlässt die Larve die Haut von allein, heilt die betroffene Stelle ebenfalls ab.
Bade- oder Zerkariendermatitis
Auch beim Baden in Gewässern kann man Parasiten begegnen. Die schwimmenden Larven (Zerkarien) einer Saugwurmart (Trichobilharzien) sind in der Lage, in die intakte Haut von Tieren und auch in die des Menschen einzudringen. Die Folge ist ein stark juckender Hautausschlag. Die Larven sind weltweit verbreitet und kommen in warmen, aber auch in gemäßigten Klimazonen vor. In heißen Sommerperioden sind sie auch in Mitteleuropa zu finden. Auch hier ist der Mensch nicht der richtige Wirt, die Larven haben es eigentlich auf Wasservögel abgesehen in deren Darmtrakt die erwachsenen Würmer leben („Entenbilharziose“). Im Menschen sterben die Larven daher innerhalb kurzer Zeit ab. Die Zerkariendermatitis wird auch „swimmers itch“ genannt.
Die Zerkariendermatitis ist nicht zu verwechseln mit der in warmen Ländern beheimateten Bilharziose (Schistosomiasis). Sie wird durch Schistosoma-Arten hervorgerufen und ist dort eine der häufigsten, innerlichen Parasitenerkrankung des Menschen. In gemäßigten Breiten kommt diese Wurminfektion nicht vor. Verbreitet wird die Bilharziose in warmen Binnengewässern durch Schnecken als Zwischenwirt. Im Menschen können Schistosoma-Arten in verschiedene Organe (Harnblase, Darm, Leber, Lunge, Gehirn) einwandern und zu lebensbedrohlichen Krankheitsverläufen führen.
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