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Verbrennungen / Verbrühungen

Allgemeines

Die Schädigung der Haut durch die Einwirkung von Hitze wird als Verbrennung bezeichnet. Sind heiße Flüssigkeiten oder heißer Dampf Quelle der Schädigung nennt man dies eine Verbrühung. Sie sind bei kleinen Kindern zwischen einem und vier Jahren mit 70 Prozent die häufigste Ursache für Brandwunden, zum Beispiel durch das Herunterreißen von Flüssigkeitsbehältern von Tisch oder Herd. Bei Erwachsenen überwiegen dagegen die durch Flammen verursachten Verbrennungen. Bereits ab einer Temperatur von über 50 Grad Celsius (°C) kann Hitze die Haut innerhalb von Sekunden schädigen, da die im Gewebe enthaltenen Eiweißstoffe (Proteine) degenerieren. Das heißt, die für Bau und biologische Funktion der Zellen unentbehrlichen Eiweiße büßen ihre Struktur ein und funktionieren nicht mehr. Ab 70 Grad Celsius (°C) geschieht eine solche Schädigung in Bruchteilen von Sekunden.


Ursachen

Verbrennungen bzw. Verbrühung können durch ganz unterschiedliche Quellen verursacht werden: Dazu gehören Flammen, heiße Flüssigkeiten und Dämpfe, Gase, starke Sonneneinstrahlung (Sonnenbrand), Reibung, elektrischer Strom und Explosionen. Bezüglich der Auswirkungen auf die Haut ähneln außerdem Verätzungen durch Chemikalien den Verbrennungen.


Symptome

Durch die Einwirkung hoher Temperaturen werden Hautzellen und ihre Biomoleküle geschädigt oder zerstört. Es kommt zu einer unmittelbaren Schmerzhaftigkeit und zu einer Rötung. Gewebeflüssigkeit und Blutplasma treten aus und es können sich mit Flüssigkeit gefüllte Blasen bilden. Bei stärkerer Schädigung stirbt Hautgewebe ab. Wie stark die Haut geschädigt ist, lässt sich mit Genauigkeit erst nach einer gewissen Zeitspanne sagen, da die Hitze im Gewebe fortwirkt. Bei einer schweren und/oder großflächigen Schädigung der Haut kann es zu nachhaltigen Auswirkungen auf den gesamten Organismus und einer Störung der vitalen Funktionen kommen.

Verbrennungen werden in drei Schweregrade (1-3) eingeteilt.

Grad 1:
Die Haut rötet sich (Erythem), schmerzt, schwillt leicht an und ist/bleibt weich. Die Schädigung der Haut beschränkt sich auf die oberste Schicht der äußeren Hautschicht, der Epidermis. Durch den Hitzereiz weiten sich die versorgenden Blutgefäße und es kommt zu einer schmerzhaften Rötung, ähnlich wie bei einer Entzündung. Verbrennungen ersten Grades heilen nach Tagen bis Wochen vollständig wieder aus, ohne dass Narben zurückbleiben.

Grad 2:
Es kommt zur Bildung von mit Flüssigkeit gefüllten Blasen. Die Haut ist rot, schmerzt heftig, die Oberfläche ist weich und kann nässen. Die gesamte Epidermis ist geschädigt. Grad 2 wird in zwei Abstufungen unterteilt: 2a und 2b. Bei Grad 2b können auch bereits Teile der mittleren Hautschicht, der so genannten Dermis (auch: Corium) oder Lederhaut, geschädigt sein. Die Haut am Grund der Blasen ist bei Grad 2b weiß, derber, Zellen sind teilweise abgestorben (nekrotisch). Die so genannten Hautanhangsgebilde, also Haare, Schweiß- und Talgdrüsen, können bei 2b ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen sein. Die Wunde kann sich mit Mikroben infizieren und entzünden.

Auch Verbrennungen zweiten Grades heilen in der Regel nach Wochen bis Monaten vollständig wieder ab, ohne dass sichtbare oder spürbare Folgen zurückbleiben. Bei Grad 2b können Narben zurückbleiben.

Grad 3:
Die äußere Hautschicht, die Epidermis, und die mittlere Hautschicht, die Lederhaut, sind vollständig zerstört. Auch die Unterhaut (Subkutis) kann in Mitleidenschaft gezogen sein. Die oft lederartige Haut verfärbt sich weiß-braun oder schwarz. Nach Abklingen des Traumas treten bei Grad 3 keine Schmerzen auf, da die Nervenendigungen zerstört sind. Die meist von Grad 2 betroffenen Randbereiche der Verbrennung sind dagegen sehr schmerzhaft, da hier Tast- und Schmerzrezeptoren erhalten sind. Die Infektionsgefahr der Wunde ist erheblich.

Bei großen Verbrennungen kann es zudem zu lebensbedrohenden Zuständen kommen. Sind größere Hautflächen (ab ca. 5 bis 10 Prozent der Körperoberfläche) von Grad 2b oder 3 betroffen, besteht das Risiko eines Kreislaufschocks, da Verbrennungen mit einem Flüssigkeitsverlust in Gewebe und Gefäßen verbunden sind. Es kann auch zu einer entzündlichen Allgemeinreaktion des Immunsystems im gesamten Körper (Sepsis) kommen. Schlimmstenfalls tritt akutes Organversagen auf, beispielsweise der Nieren oder der Leber. Ein Multiorganversagen würde zum Tode führen.

Die Heilung erfolgt durch die Neubildung von Gewebe innerhalb von Monaten: Auf der gesäuberten, von abgestorbenen Zellen befreiten, heilenden Wunde bildet sich eine feine, rötliche Hügelstruktur (Granulation). Sie besteht aus sich neu bildenden Haargefäßen und Bindegewebe. Der Gewebeverlust wird so wieder aufgefüllt. Später wandelt sich das neue Gewebe in festes Narbengewebe um. Es bleiben Narben zurück, das Gewebe schrumpft. Im Bereich von Gelenken kann dies zu Bewegungseinschränkungen führen.


Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung erfolgt je nach Grad der Hautschädigung und Ausdehnung des Hautschadens. Auf kleine Hautbereiche begrenzte Verbrennungen und Verbrühungen des Grades 1 können meist selbst behandelt werden. Stärkere Verbrennungen ab Grad 2a, großflächige Hautschädigungen und Kinder mit Verbrennungen/Verbrühungen gehören immer in die Hand eines Arztes. Generell keine Hausmittel wie Mehl, Puder oder Fette verwenden! 

Grad 1:
Nachdem die Hitzequelle entfernt wurde, wird der betroffene Hautbereich umgehend, also nach wenigen Sekunden, gekühlt. Dies geschieht in der Regel mit kühlem (ca. 15-20 °C), fließendem, nicht jedoch mit eiskaltem Leitungswasser. So werden Schmerzen gelindert und eine Ausbreitung der Hitze und der Schädigung in weitere Gewebebereiche verhindert. Die Kühlung sollte maximal etwa 10 bis 15 Minuten andauern und nicht mit Eis erfolgen, damit Unterkühlungen oder gar Erfrierungen vermieden werden. Sind 20 bis 30 Prozent der Körperoberfläche betroffen, kann Kühlung für den Patienten aufgrund des Wärmeverlustes auch gefährlich werden. Der Betroffene sollte nach seinem Befinden gefragt werden. Nur sauberes Wasser verwenden. Um eine schmerzhafte Entzündung zu verhindern, ist es sinnvoll, anschließend lokale antientzündliche Maßnahmen zu ergreifen.

Grad 2:   
Wie bei Grad 1. Darüber hinaus: Der Arzt punktiert prall mit Flüssigkeit gefüllte Blasen steril, um die Gewebsflüssigkeit zu entlassen. Dabei wird die Blasendecke nicht entfernt; sie deckt die Wunde ab. Blasen niemals selbst öffnen! Um eine Infektion der Wunde mit Mikroben zu verhindern, wird der betroffene Hautbereich vom Arzt desinfiziert oder mit antibiotischen Cremes behandelt. Die Wunde wird mit einem sterilen Verband oder mit einem metallbedampften Vlies abgedeckt.

Grad 3:
Großflächige Verbrennungen ab etwa 10 – bei Kindern ab 5 - Prozent der Körperoberfläche werden möglichst umgehend in spezialisierten Verbrennungszentren versorgt.
Als Faustregel gilt: Arme und Kopf machen jeweils 9 Prozent (Kopf bei kleinen Kindern bis 17 Prozent), Brust/Bauch, Rücken und Beine je 18 Prozent und die Handinnenflächen einschließlich Finger 1 Prozent der Körperoberfläche aus.

Abgestorbene Bereiche des Gewebes und verbrannte Kleidung etc. werden vom Arzt schonend entfernt. Tote Zellen können den Körper vergiften. Mit Hilfe von speziellen Infusionen wird das Blutvolumen erhöht, um einem Kreislaufschock vorzubeugen. Je nach Heilung sind moderne hydroaktive Wundauflagen hilfreich. Häufig sind mehrere chirurgische Eingriffe erforderlich, um die abgestorbenen Bereiche schrittweise zu entfernen und ggf. mit neuem Gewebe plastisch abzudecken. Um eine überschießende Narbenbildung zu verhindert, sollten bei großflächigen Brandwunden spezielle, nach Maß angefertigte Kompressionsverbände angelegt werden.


Erste Maßnahmen

Ruhe bewahren! Dann rasch handeln: 1. Hitzequelle entfernen/Löschen, 2. Kühlen, 3. Notruf.

Das Löschen kann mit Decken, Wasser oder ggf. durch Wälzen am Boden geschehen. Niemals Hausmittel wie Mehl, Butter, Öle, Salben oder Puder verwenden. Diese sind tabu! Sofortiges Kühlen erfolgt mit 15 (10) bis 20 Grad kühlem Leitungswasser für etwa 10 -15 Minuten, bis der Schmerz nachlässt. Wenn es für den Betroffenen angenehm ist, kann auch noch etwas länger gekühlt werden. Unterkühlung vermeiden! Kein Eis verwenden! Es drohen Erfrierungen. Anschließend die Brandwunden steril und locker abdecken: sterile Kompresse, steriler Verband bzw. Tuch. Ideal sind mit Aluminium bedampfte Kompressen. Brandblasen dürfen nicht geöffnet werden. Es besteht Infektionsgefahr. Bei Verbrühungen - wenn möglich - die Kleidung umgehend vorsichtig entfernen, bei Verbrennungen an der Wunde haftende Kleidung am Körper belassen. Mit Säuglingen und Kleinkindern immer in eine Klinik fahren. Bei kleinen, leichten Verbrennungen kann ein Brandgel die Heilung unterstützen.


Vorbeugung

Zur Vorbeugung alles was heiß ist oder heiß werden kann – insbesondere in der Gegenwart von Kindern – immer im Auge behalten oder kindersicher aufbewahren. Das gilt für heiße Getränke, Kochtöpfe und Pfannen, Wasserkocher, Tauchsieder, offenes Feuer, Streichhölzer und Feuerzeuge etc. Bringen sie zum Schutz der Kinder ein Sicherheitsgitter am Herd an. Außerdem: Fläschchen und Brei vor dem Füttern immer selbst probieren. Badewasser nie zu heiß einlassen: Badethermometer! Brennende Kerzen nie alleine lassen. Brennendes Fett in der Pfanne mit einem Deckel ersticken, niemals mit Wasser löschen. Niemals flüssige Brandbeschleuniger (Brennspiritus, Alkohol, Benzin) auf Feuerstellen gießen. Notrufnummer am Telefon bereithalten. Erste-Hilfe-Kurs besuchen.


Nachbehandlung

Bei Verbrennungen und Verbrühungen ab Grad 2a können in der Abheilung Narben zurückbleiben. Der Fett- und Feuchtigkeitshaushalt der neu gebildeten Haut ist oftmals beeinträchtigt. Narbenhaut neigt zur Hauttrockenheit, kann jucken und spannen. Eine regelmäßige Pflege mit fett- und feuchtigkeitsspendenden Cremes oder Lotionen ist daher wichtig. Die Kosmetika sollten vorsichtig einmassiert werden. Das hilft auch, die neu gebildete Haut elastisch zu halten. Wirkstoffhaltige Produkte, beispielsweise mit Urea (Harnstoff) und Polidocanol führen der neu gebildeten Haut ebenfalls Fett zu, erhöhen die Hautfeuchte und lindern den Juckreiz. Bei sehr starkem Juckreiz wird der Arzt möglicherweise auch über den Einsatz von Antihistaminika nachdenken.

Experten empfehlen, Narbenhaut in den ersten 6-12 Monaten keiner direkten und insbesondere keiner intensiven Sonneneinstrahlung auszusetzen. Die Sonnenbrandgefahr ist sehr groß und es können dauerhafte, auffällige Hautverfärbungen zurückblieben. Die Narben daher stets mit Kleidung bedecken oder mit Sonnenschutzmitteln mit sehr hohen Lichtschutzfaktoren eincremen.

Um bei Verbrennungen der Grade 2b oder 3 die Narbenbildung zu verringern, kann in der Nachbehandlung das Tragen sogenannter Kompressionsbekleidung für 6 Monate bis 2 Jahre erforderlich sein. Ziel ist es, die Narben hell, weich und dehnbar zu halten und eine überschießende Narbenbildung, also ein unschönes Wuchern des Narbengewebes, zu verhindern. Schienen, Krankengymnastik oder Ergotherapie halten Gelenke, Hals und Kinn beweglich. Sind funktionale Behinderungen entstanden können Operationen erforderlich werden. Die zum Teil erheblichen psychischen Folgen können Betroffene am besten in der Psychotherapie und in psychosozialen Selbsthilfegruppen aufarbeiten.
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