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Erfrierungen


Allgemeines
Erfrierungen sind akute Kälteschäden am Gewebe. Besonders gefährdet sind Körperstellen, die ungeschützt der Kälte ausgesetzt sind wie Ohren, Wange oder Nase. Und auch Teile der Gliedmaßen, die nur unzureichend gegen Kälte geschützten werden, wie Finger oder Zehen tragen ein erhöhtes Risiko. Wer glaubt, Erfrierungen kämen nur in der Polarregion oder im Himalaya vor, täuscht sich. Schon bei Temperaturen leicht über null Grad Celsius drohen Schäden am Gewebe, wenn Nässe und Wind im Spiel sind. Auch modische, jedoch enge Damenschuhe ohne Kälteschutz stellen in der kalten Jahreszeit ein Risiko dar. Besonders anfällig für Erfrierungen sind zudem Kinder, ältere Menschen, Personen mit Durchblutungsstörungen, Wohnungslose oder Unfallopfer.

Ursachen
Bei längerer Kälteeinwirkung sorgt der Körper dafür, dass sich die Gefäße in der Haut sowie in Händen und Füßen zusammenziehen. Die Wärme konzentriert sich im Bereich der lebenswichtigen Organe im Inneren des Körpers und schützt diesen so vor weiterem Wärmeverlust. Haut und Gliedmaßen werden nicht mehr ausreichend durchblutet und erwärmt, wodurch es zu einer Mangelversorgung mit Sauerstoff kommt und der Stoffwechsel des Gewebes nur noch eingeschränkt funktioniert. Schäden an der Haut und dem darunterliegenden Gewebe drohen. Bleibt der Körper weiterhin der Kälte ausgesetzt, bilden sich Eiskristalle in den Zellen, die dadurch zerstört werden. Zudem verklumpen die roten Blutkörperchen, wodurch es zum Verschluss der Gefäße kommt. Im Extremfall stirbt das Gewebe ab.

Gefahrenquellen für die Haut sind beispielsweise Wind und Fahrtwind, etwa beim Bergwandern, Skilaufen oder Motorschlittenfahren. Bei starkem Wind oder rasanter (Ab-) Fahrt, können auch Lufttemperaturen deutlich oberhalb des Gefrierpunkts zu Erfrierungen führen. Dabei ist das unbedeckte Gesicht besonders gefährdet. Betroffene Stellen sind anfangs eher gefühllos und schmerzfrei, so dass sich ohne bewusste Schutzvorkehrungen das Risiko schwerwiegender Erfrierungen steigert. Auch eine nicht angemessene Kleidung ist ein wesentlicher Risikofaktor für Erfrierungen, ebenso wie Feuchtigkeit.

Der Konsum von Alkohol erhöht ebenfalls das Risiko für akute Kälteschäden. Alkohol steigert zunächst die Durchblutung der Haut, Wärme wird nach außen abgegeben. Dauert dieser Vorgang lange an, drohen Unterkühlung und Erfrierungen. Auch andere Zustände, die mit Durchblutungsstörungen einhergehen, wie Arterienverkalkung, Drogenmissbrauch, Rauchen, Erschöpfung oder Hunger, begünstigen Kälteschädigungen am Gewebe.

Symptome
Erfrierungen werden in drei Schweregrade eingeteilt:

  • I. Grad: Die Haut wird weiß-gräulich, blass und kalt. Sie schmerzt zunächst (wie Nadelstiche) und ist weich, später wird sie gefühllos und hart. Kommt man wieder ins Warme, entsteht eine juckende bläuliche Rötung. Sie schmerzt stark und kribbelt, klingt aber bald wieder ab. Sensibilitätsstörungen äußern sich z. B. in pelzigem Gefühl oder Kribbeln. Es entstehen keine bleibenden Schäden, da nur die Oberhaut betroffen ist.
  • II. Grad: Die Haut ist tiefrot bis violett und fühlt sich sehr kalt an. Die oberste Hautschicht bildet nach der Wiedererwärmung Blasen, schmerzhafte Frostbeulen oder Geschwüre (Ulzerationen). Das kann sofort oder noch nach Stunden geschehen. Auch in diesem Fall ist ausschließlich die Haut geschädigt. Die Schädigung reicht bis in die Lederhaut (Dermis), also in tiefere Hautschichten. Die Blasen können ohne Narbenbildung abheilen. Es können aber auch bleibende Schäden zurückbleiben. Beim Ulcus ist eine narbenlose Abheilung nicht mehr möglich. Suchen Sie in solch einem Fall schnellstmöglich einen Arzt auf.
  • III. Grad: Die Haut ist weiß, gefroren und völlig gefühllos. Der Kälteschaden durchdringt tiefere Gewebeschichten und kann Gefäßschäden verursachen, die nicht mehr zu beheben sind. Neben trockenen, abgestorbenen Hautstellen können blaurote Blutblasen auftreten. Die gesamte Haut und die darunter liegenden Weichteilschichten sind durch die lange Minderdurchblutung irreversibel geschädigt. Die erfrorenen Stellen werden später lederartig und färben sich schwarzblau. Das Gewebe ist abgestorben (Nekrose). Nach der Abheilung bleiben Narben zurück. Nicht selten ist eine Amputation des betroffenen Körperteils erforderlich. Oftmals wird erst nach Tagen oder Wochen deutlich, wie weitreichend die Schädigung ist.

Behandlungsmöglichkeiten
Die betroffene Person sollte an einen warmen Ort gebracht werden. Im Anschluss kann damit begonnen werden, eng anliegende Kleidung zu lockern, Schuhwerk zu öffnen und nasse Kleidung auszuziehen. Erfrorene Körperteile dürfen keinesfalls massiert oder mit Schnee abgerieben werden. Das könnte das geschädigte Gewebe zusätzlich verletzen oder gar Thrombosen auslösen, die sich in den gefrorenen Blutgefäßen gebildet haben. Lebensbedrohliche Embolien können die Folge sein.

Erfrorene Körperstellen können mit trockenen, warmen Händen vorsichtig gewärmt werden (nicht rubbeln). Bedecken Sie betroffene Stellen mit einem warmen Kleidungsstück oder einer Decke, und vermeiden Sie Druck. Wenn möglich, sollte eine Umgebungstemperatur von 25 bis 30 Grad Celsius erzeugt werden. Auch lauwarmes, fließendes Wasser eignet sich zum Wiedererwärmen, es darf jedoch keinesfalls zu warm oder gar heiß sein. Die Temperatur darf nur sehr vorsichtig schrittweise erhöht werden. Ziel ist es, die Blutzirkulation im geschädigten Gewebe wiederherzustellen.

Die Erwärmung kann (sehr) schmerzhaft sein, wenn sich die Gefäße rasch erweitern. Den Betroffenen befragen, was für ihn noch angenehm ist. Unter Umständen kann ein einfaches Schmerzmittel hilfreich sein. Schmerztabletten mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure wirken zudem der Eindickung des Blutes entgegen. Zur Wärme von außen kommt die Wärme von innen: Warme, gezuckerte Getränke wärmen den gesamten Körper von innen heraus. Alkohol ist tabu, da er die Gefäße der Haut erweitert und dadurch zusätzlich Wärme verloren geht. Erfrorene Füße nicht belasten, nicht herumlaufen, die Füße hoch lagern und zudecken. Blasen dürfen nicht geöffnet werden. Darum kümmert sich der Arzt.

Ärztliche Hilfe
Kommt es zur Blasenbildung oder zum Auftreten starker Schmerzen, ist unbedingt ein Arzt hinzuzuziehen. Er kann unter sterilen Bedingungen Blasen punktieren und belässt dabei die Blasenhaut auf der Wunde. Sie bietet einen natürlichen Schutz vor Infektionen. Die Wunde wird anschließend mit einem sterilen Wunderband abgedeckt, ohne Druck auszuüben. Sucht man rasch den Arzt auf, kann dieser mit gefäßerweiternden und durchblutungsfördernden Mitteln die Wiedererwärmung des Gewebes beschleunigen.

Sind die Erfrierungen stärker, sollte so rasch wie möglich ein Krankenhaus aufgesucht werden oder der Notarzt informiert werden (D 112). Abgestorbene Gewebeteile werden vom Arzt entfernt, um eine Infektion zu verhindern. Diese könnte lebensbedrohlich werden oder zu Amputationen führen. Bei schweren Erfrierungen sind chirurgische Maßnahmen nötig. Eine Infektion wird vom Arzt mit Hilfe von Antibiotika behandelt.
Der behandelnde Arzt wird Sie nach der letzten Impfung gegen Wundstarrkrampf (Tetanus) fragen. Ist sie nicht vollständig, wird eine Immunisierung in Form einer Impfung erforderlich.

Heilungschancen
Starten die Selbsthilfemaßnahmen sehr früh, heilen Erfrierungen I. und II. Grades in aller Regel ohne Spätfolgen ab.
Erfrierungen und Frostbeulen können jedoch in einigen Fällen nach der Abheilung noch für längere Zeit, u. U. für mehrere Jahre, Probleme bereiten. Bei Temperaturschwankungen können weiterhin Schmerzen auftreten. Wichtig ist es, die Haut vor Kälte zu schützen. Essenziell ist warme Kleidung, aber auch das Auftragen von fettreichen Hautschutz- und Pflegesalben bietet zusätzlichen Kälteschutz.
Erfrierungen III. Grades machen mitunter chirurgische Maßnahmen nötig. Hier bleiben Narben zurück.

Vorbeugung
Die beste Vorbeugung ist angemessene wärmende, aber locker sitzende Kleidung. Ideal ist das „Zwiebelprinzip“, bei dem Kleidungsstücke in mehreren Schichten übereinander gezogen werden. Schuhe müssen bei niedrigen Temperaturen ausreichend weit und gut gefüttert sein. Da der Körper über den Kopf sehr viel Wärme abgibt, ist auch eine warme Kopfbedeckung sehr wichtig. Auch Handschuhe sollten nicht vergessen werden.
Ist die Kleidung nass geworden, möglichst sofort wechseln! Bei niedrigen Temperaturen kein Metall an oder auf der Haut tragen (Ohrringe, Reißverschlüsse, Piercings). All das leitet die Kälte zur Haut bzw. die Körperwärme nach außen an die Umgebung ab.
Vom Rauchen sowie vom Alkoholgenuss sollte man bei Kälte Abstand nehmen. Die Gefäßerweiterung führt zu einem Wärmeverlust des Körpers. Nach dem Genuss von Alkohol sollte man schnellstmöglich einen warmen Ort aufsuchen. Wer länger der Kälte ausgesetzt ist und keine Möglichkeit hat, warme Räume aufzusuchen, dem ist Bewegung anzuraten statt still in der Kälte auszuharren. Keinesfalls einschlafen! Bewegung hält den Kreislauf in Schwung.

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