|
|
 |
|
|
 |
 |
Seite weiterempfehlen | Druckversion |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
Haut und Psyche |
 |
 |
 |
 |
 |
Über die Wechselwirkungen zwischen Hauterkrankungen und emotionalem Wohlbefinden
Die Haut ist nicht nur das größte Organ des Menschen, sie stellt neben
ihren zahlreichen messbaren mechanischen und physikalisch-chemischen
Funktionen oft auch einen Spiegel unseres inneren Wohlbefindens dar.
Bei chronischen Hauterkrankungen weiß man, dass die Psyche häufig ein
wichtiger Auslöser für eine Besserung oder Verschlechterung des
Hautbildes ist. Doch wo befinden sich die Zusammenhänge zwischen dem
emotionalen Zustand und der Haut? Was bedeutet es für den Menschen,
wenn er sich „in seiner Haut“ nicht wohlfühlt? Und vor allem: wie kann
man die Psyche sinnvoll nutzen, um damit auf die Haut einen positiven
Einfluss auszuüben?
Vom „Rot werden“ und der „Gänsehaut“
Hautveränderungen entstehen nie zufällig. Hinter Rötungen, Juckreiz,
Schuppung oder Schwellungen stehen, sofern keine chronische
Hauterkrankung vorliegt, meist chemische oder mechanische Reize, die
für die Haut eine Belastung darstellen.
Jemand der friert, bekommt eine „Gänsehaut“: durch Kontraktion der
Haarbalgmuskeln richten sich die einzelnen Haare auf und sorgen damit
für eine dünne Schicht wärmerer Luft über der Haut. Dieser Mechanismus
ist ein Relikt, das der Mensch sich von den stärker behaarten Vorfahren
bewahrt hat. Die Wärmewirkung des heutzutage vergleichsweise spärlichen
Haarwuchses des Menschen ist jedoch vernachlässigbar gering. Doch der
Mechanismus ist noch intakt und wird nicht nur durch den physikalischen
Kältereiz angeregt, sondern mitunter auch durch die Psyche: wer kennt
nicht das Gefühl, vor Aufregung oder Angst eine Gänsehaut zu spüren?
Ein weiteres Beispiel, wie Emotionen unsere Haut beeinflussen, ist das
„Rot werden“ im Gesicht. Scham, Wut, Aufregung, Freude oder
Schüchternheit lassen einem „das Blut ins Gesicht schießen“. Die
Gesichtsröte entsteht durch eine Erweiterung der feinen Blutgefäße im
Wangenbereich aufgrund einer erhöhten Adrenalin-Ausschüttung. Dadurch
wird das Blutvolumen in einem begrenzten Bereich unter der Haut erhöht
und scheint rötlich durch. Meist kann man zeitgleich eine
vorübergehende Temperaturerhöhung in diesen Bereichen wahrnehmen.
Chronische Hauterkrankungen beeinflussen die Psyche und werden von ihr beeinflusst
Bei zahlreichen chronischen Hauterkrankungen ist der Zusammenhang
zwischen emotionalem Empfinden, psychischer Belastung und dem
Hautzustand im Rahmen zahlreicher Untersuchungen diskutiert worden, mit
dem Ergebnis, dass emotionaler Stress als Trigger oder Schubauslöser
eine entscheidende Rolle spielen kann.
Chronische Hauterkrankungen, die selbst bereits für den Betroffenen eine starke psychische Belastung darstellen sind u.a.
Besonders die mit äußerlich erkennbaren Ausschlägen und quälendem
Juckreiz verbundenen Hauterscheinungen wirken sich in hohem Maße auf
die Psyche aus. Das äußere Erscheinungsbild spielt für das innere
Wohlbefinden eine große Rolle. Hauterkrankungen, die als kosmetisches
Makel sehr belastend empfunden werden und deren Ausprägung sich
zugleich durch psychische Belastung verschlimmern, führen die
betroffene Person in einen Teufelskreis. Diese Erkrankungen können
durchaus neben der Therapie mit Arzneimitteln eine zusätzliche
psychotherapeutische Behandlung erfordern. Auch das Erlernen von
Entspannungstechniken kann hilfreich sein. Je ausgeglichener der Mensch
mit seiner Erkrankung umgehen kann, sie als einen Bestandteil seines
Körpers akzeptiert und annimmt, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit,
das diese innere Balance sich auf den Zustand der Haut positiv auswirkt.
Psychosomatische Dermatologie
Die psychosomatische Dermatologie beschäftigt sich mit Hautkrankheiten,
auf deren Verlauf oder Entstehung psychosoziale Ursachen, Folgen oder
Begleitumstände einen therapeutisch bedeutsamen Einfluss haben. Jede
Hauterkrankung wird dabei ganzheitlich betrachtet unter Einbeziehung
des psychosozialen Umfelds des Betroffenen.
Die psychosomatischen Aspekte sind dabei individuell sehr
unterschiedlich ausgeprägt. Hauterkrankungen werden gemäß einer
Leitlinie zu diesem Thema in drei Gruppen unterteilt: von solchen
Erkrankungen, bei denen der Einfluss der Psyche auf die Entstehung oder
Verarbeitung der Erkrankung eine große Rolle spielt (z. B.
Neurodermitis) bis zu Erkrankungen, bei denen die Psyche kaum eine
Auswirkung auf das Hautgeschehen hat (z.B. Hautkrebs).
Haut und Seele im Einklang für eine gesunde Haut
In den letzten Jahren hat sich das Bewusstsein der Medizin dahingehend
erweitert, das der Aspekt des seelischen Zustands als möglicher
Einflussfaktor auf die verschiedenen Hauterkrankungen ein
beachtenswerter Punkt in der Diagnose und Therapie darstellt. Um die
Erkenntnisse rund um das Thema Psyche und Haut für den Betroffenen
nutzbar zu machen, ist die Mitarbeit des Patienten sehr wichtig. Oft
fehlt es den zu behandelnden Personen an der Motivation, um zum
Beispiel Entspannungsübungen zu erlernen. Die offene Zusammenarbeit mit
dem behandelnden Arzt und das Vertrauen in die Therapie erleichtern die
Entscheidung, inwieweit eine Arzneimitteltherapie durch
psychotherapeutische Elemente erfolgreich ergänzt werden kann.
Wichtig für jeden Betroffenen ist, zu erkennen, dass die Erkrankung ein
ganz eigener Teil von ihm ist. Wird ihr Vorhandensein akzeptiert und
mit Gelassenheit und Geduld nach Wegen gesucht, mit der Erkrankung
umzugehen, so ist der erste Schritt auf dem Weg zu einer gesunden
Balance zwischen Haut und Psyche getan.
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
© 2001 - 2010 hautstadt.de |
 |
|
|
 |
|