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Haut und Diabetes


Diabetes mellitus, auch Zuckerkrankheit genannt, ist eine Stoffwechselerkrankung, die durch einen chronisch erhöhten Blutzuckerspiegel (Hyperglykämie) gekennzeichnet ist. Nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit steigt der Blutzucker- bzw. Blutglukosespiegel kurzfristig stark an. Das Hormon Insulin ist dafür zuständig, dass die Konzentration an Traubenzucker (Glukose) im Blut wieder abgesenkt wird. Es sorgt unter anderem dafür, dass die Glukose aus dem Blut in die Zellen aufgenommen wird. Geschieht dies nicht, kann der dauerhaft erhöhte Blutzuckerspiegel weit reichende Folgen für den Organismus haben. Er führt zu oxidativem Stress, fördert Entzündungsreaktionen und beeinträchtigt wichtige Zellfunktionen. Es kommt zu
  • einer veränderten Elastizität/Durchlässigkeit der Blutgefäße.
  • einem veränderten Blutfluss (Durchblutungsstörung).
  • einer vermehrten Ausschüttung entzündungsfördernder Botenstoffe.
  • einer vermehrten Bildung von Bindegewebsproteinen.
  • einer veränderten Bindegewebszusammensetzung.
  • einer Störung des Immunsystems bzw. mangelnden Immunabwehr. Infektionen mit Pilzen und Bakterien werden begünstigt.
Auf lange Sicht ist eine Schädigung der Nervenzellen (Neuropathie) und Gefäße (Angiopathie) nicht auszuschließen.

Ein Mangel an Insulin und/oder eine Unempfindlichkeit körpereigener Zellen gegenüber Insulin kann die Ursache für eine Hyperglykämie sein und zu einer diabetischen Stoffwechsellage führen.

Zu den bekanntesten Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus gehören diabetische Augen- oder Nierenschädigungen, Herzinfarkt, Schlaganfall sowie das diabetische Fußsyndrom.

Bei bis zu 70 % aller Diabetes mellitus Patienten entwickeln sich im Krankheitsverlauf bedingt durch Mikroangiopathie (Erkrankung der kleinen Gefäße) und Neuropathie auch vielfältige Hautveränderungen. So treten bestimmte Hauterkrankungen und Hautveränderungen bei Diabetikern wesentlich häufiger auf als bei Menschen ohne Diabetes.

Diabetespatienten haben zum Beispiel häufig ein gerötetes Gesicht (Rubeosis faciei diabeticorum), dessen Rötung bei Wärme, bei Alkohol- oder Koffeingenuss noch intensiver wird. Ebenfalls häufig finden sich - insbesondere an den Streckseiten der Unterschenkel - rötliche bis braune, runde Verfärbungen, die mit einer Verdünnung (Atrophie) der Haut einhergehen. Dieses Phänomen wird als diabetische Dermopathie bezeichnet. Zu einer gelblichen Verfärbung der Haut kommt es vorwiegend bei einigen Patienten, die bereits seit mehreren Jahren an Diabetes leiden. Diese Gelbfärbung ist darauf zurückzuführen, dass Carotinoide, die mit der Nahrung aufgenommen werden (z. B. aus Karotten), von der Leber nur noch schlecht abgebaut werden und sich in der Haut einlagern.

Einige weitere typische Hauterkrankungen und Hautinfektionen werden im Folgenden kurz vorgestellt:

Hautinfektionen
Diabetiker sind besonders anfällig für Infektionen der Haut mit Pilzen und/oder Bakterien. Das kann zum einen auf die geschwächte Immunabwehr zum anderen aber auch auf die Mikroangiopathie sowie die Neuropathie zurückgeführt werden. Die Neuropathie kann zu einem Untergang der Schweißdrüsen führen, was zur Folge hat, dass die Haut trocken und ihre Barrierefunktion geschwächt wird.

Insbesondere Hefepilzinfektionen wie z. B. Mundsoor können auf eine bisher unerkannte diabetische Stoffwechsellage hindeuten. Gesunde Personen entwickeln nur in Ausnahmesituationen (z. B. bei geschwächter Abwehr) Hefepilzinfektionen.

Zudem ist Diabetes ist ein Risikofaktor für Infektionen mit Fadenpilzen, die zu Fuß- und/oder Nagelpilz führen können. Diese Infektionen sind bei Diabetikern unbedingt therapiebedürftig! Werden sie nicht behandelt, können sich zusätzlich Bakterien einnisten und Komplikationen wie Wundlauf (Erysipel) hervorrufen.

Juckreiz (Pruritus)
Etwa 20-40 % aller Diabetiker leiden unter Juckreiz. Dieser kann zum Beispiel ohne sichtbare Hautveränderungen (Pruritus sine materia) auftreten und ist dann meist diffus und anhaltend. Häufig ist bei Diabetikern auch die so genannte Prurigo simplex subacuta. Hier geht der Juckreiz mit juckenden Papeln (Knötchen) und Kratzspuren einher. Typischerweise hört der Juckreiz sofort auf, wenn die Knötchen aufgekratzt werden. Bei ca. 19 % (insbesondere Frauen) tritt der Juckreiz im Anal- bzw. Genitalbereich auf. Dies kann ggf. auf eine Hefepilzinfektion mit Pilzen der Gattung Candida hinweisen.

Trockene Haut
Diabetiker neigen - häufig auch altersbedingt - aufgrund einer verminderten Schweiß- und Talgdrüsenaktivität zu sehr trockener, juckender Haut. Fehlendes Fett und ein Mangel an Feuchtigkeit stören die natürliche Barrierefunktion der Haut, was das Eindringen von Krankheitserregern begünstigt.

Vitiligo (Weißfleckenkrankheit)
Die Vitiligo, oder auch Weißfleckenkrankheit, kommt in Deutschland bei etwa 1 % der Bevölkerung vor, wird bei Diabetikern aber bis zu 10-mal häufiger beobachtet als bei nicht Betroffenen. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung der pigmentbildenden Zellen der Haut (Melanozyten), die dazu führt, dass in den betroffenen Hautarealen kein Pigment mehr gebildet werden kann. Typisch sind scharf begrenzte kalkweiße, depigmentierte Flecken, die über den Körper verteilt auftreten können. Es können nur einzelne Areale, z. B. Hände oder Gesicht, oder viele Körperstellen betroffen sein.

Akanthosis nigricans
Bei dieser Erkrankung zeigen sich u. a. in den Achselhöhlen und am Nacken samtartige bräunliche Verfärbungen, die mit einer Verdickung der Haut einhergehen. Diese Hautveränderungen können auch bei Fettsucht und anderen endokrinologischen Störungen auftreten. Man geht davon aus, dass aufgrund einer zugrunde liegenden Unempfindlichkeit körpereigener Zellen vermehrt Insulin produziert wird. In den Zellen der Haut werden als Reaktion darauf mehr Insulinrezeptoren ausgebildet. Dies führt schließlich zu einem irregulären Wachstum, z.B. der Hornzellen.

Blasen (Bullosis diabeticorum)
Aus ungeklärter Ursache bilden sich bei einigen, insbesondere älteren Diabetespatienten, immer wieder große, schlaffe Blasen. Diese treten meist an den Beinen auf, gehen ohne weitere Entzündungszeichen einher und verursachen keine Schmerzen.

Scleroderma diabeticorum
Bei Diabetikern kommt es gehäuft zu einer Verdickung der Haut, bedingt zum einen durch die Mikroangiopathie zum anderen durch eine Störung der Kollagensynthese. Kollagen ist ein wichtiger Bestandteil des Bindegewebes. Wenn es „sklerosiert“, wird es hart und verliert seine Elastizität und die Funktionsfähigkeit. Betroffen sein können z. B. die Handflächen, Finger, Unterarme, Oberschenkel. Die Verdickung der Haut kann in einigen Fällen dazu führen, dass die Gelenke an Beweglichkeit verlieren.


Diabetiker haben häufig eine sehr trockene, zu Juckreiz neigende Haut mit einer eingeschränkten Schutzfunktion. Krankheitserreger können leichter in die Haut eindringen und Infektionen hervorrufen. Zudem liegen bei Patienten mit Diabetes oft Durchblutungs- und Empfindungsstörungen vor, die das Risiko von Verletzung erhöhen. Abgesehen von einer optimalen Einstellung des Blutzuckerspiegels kommt der Wiederherstellung der Barrierefunktion und somit der Pflege der Haut, zum Beispiel mit harnstoff- und lipidhaltigen Cremes, bei Diabetikern daher eine besonders große Bedeutung zu.


Quelle:
Wohlrab J, Wohlrab D, Meiss F. Hauterkrankungen bei Diabetes mellitus. JDDG 2007; 1 (5): 37-52
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