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Rehabilitation: Online-Schule als Modellprojekt
Hauterkrankungen
werden, häufig auch von den verantwortlichen der Gesundheitspolitik,
als Bagatellerkrankung angesehen. Übersehen werden dabei die
Erkrankungen, die meist bereits in früher Kindheit manifest sind, zu
schwersten Hautveränderungen führen und die betroffenen Personen ihr
Leben lang psychisch und sozial beeinträchtigen. Zu diesen Erkrankungen
zählen u. a. genetische und immunologische Erkrankungen, Epidermolysen,
schwere Ichthyosen, Zustand nach Verbrennungen oder
Knochenmarktansplantationen, großflächige Hautmale oder
Gefäßerkrankungen. Diese Erkrankungen sind nicht therapierbar oder heilbar. Die
Kinder und ihre Familien benötigen langfristige intensive Betreuung. Im
Gegensatz zu der häufigeren chronischen Hauterkrankung, der
Neurodermitis (Atopisches Ekzem) fehlen in der stationären
Rehabilitation dieser Erkrankungen medizinische Betreuungskonzepte und
Schulungsprogramme ebenso wie umfassende Patientenratgeber.
Privatdozent Dr. M. Buslau, Chefarzt der Sanitas Alpenklinik Inzell
betreut in seiner Rehabilitations- und Akutklinik seit Jahren schwer
hautkranke Kinder und sucht nach neuen innovativen Wegen, diesen
Kindern mehr Lebensqualität zu geben. Unter der Schirmherrschaft von
Professor Dr. O. Braun-Falco, München gründete er 2001 den Verein zur Förderung schwer hautkranker Kinder.
Innovativer Ansatz hierfür waren die 1999 erstmalig durchgeführten
Feriencamps. Zu diesen wurden und werden bundesweit in Zusammenarbeit
mit Hautkliniken jeweils 15 - 20 schwer hautkranke Kinder nach Inzell
eingeladen. Realisiert werden die Camps durch die finanzielle
Unterstützung von Sponsoren.
Die einwöchigen Feriencamps bieten den Kindern neben der umfassenden
Rehabilitation in der Gruppe besondere Erlebnisse unter pädagogischer
Betreuung, wie z.B. Ballonfahren, Kutschfahrten oder dem Kontakt mit
der Natur. Das wesentlichste aber ist die Erfahrung mit der Erkrankung
nicht die/der Einzige zu sein. Meist ist es das erste Mal, dass sich
diese Kinder mit einem "gleichgestellten" Menschen über ihre
Empfindungen und Ängste austauschen, sich verstanden fühlen. Die
Teilnahme an diesen Feriencamps war für manche Kinder ein Meilenstein
in der Auseinandersetzung mit der Erkrankung.

Die
guten Erfahrungen führten zu einem weiteren, sehr naheliegenden
Projekt. Diese schwer hautkranken Kinder haben zwangsläufig
psychosoziale Integrationsstörungen. Trotz ihrer Intelligenz können sie
aufgrund hoher Fehlzeiten in den zur Verfügung stehenden Schulsystemen
nicht mithalten und einen adäquaten Schulabschluß erreichen. Der
innovative Weg der Online-Schule setzt genau hier an. Den Kindern
sollen Lerninhalte mit Hilfe der neuen Kommunikationstechniken
vermittelt werden. Sie erhalten eine Plattform zum Training ihrer
geistigen Beweglichkeit und können nicht zuletzt mit anderen Kindern
einfach und zu dem Zeitpunkt, wenn sie es wollen, kommunizieren.
Im Jahr 2001 wurde das Projekt Online-Schule für Kinder mit schweren
Hautkrankheiten mit dem bundesweiten Preis für Innovationen im
Gesundheitswesen ausgezeichnet. Seit Januar 2002 ist die Durchführung
und Evaluierung des Modellprojekts finanziell für zwei Jahre gesichert.
Es wird durch das Bayrische Kultusministerium, der Regierung von
Oberbayern, des Wilhelm-Löhe-Förderzentrum Traunreut und durch die
Aufnahme des Projekts in die Stiftung Bildungspakt Bayern gesichert.
Die ersten sechs Kinder haben während ihrer stationären Rehabilitation
den Grundstein gelegt. Unter der Leitung einer Lehrerin haben sie
gelernt mit dem Computer umzugehen, das Arbeiten im Internet geübt und
natürlich das Programm der Online-Schule kennen gelernt. Sie sind jetzt
zudem in der Lage, sich im Chat oder per E-Mail mit den Teilnehmern
dieser Gruppe weiterhin auszutauschen.

Der
nächste Schritt ist jetzt diese Kinder "online" zu begleiten, die
Lehrinhalte online umzusetzen und weitere Kinder in das Projekt
aufzunehmen.
Das langfristige Ziel ist es, mit diesem neuen Weg den schwer
hautkranken Kindern eine Eingliederung in das Erwerbsleben zu
ermöglichen. Geeignete Berufsbilder sind durchaus vorhanden. Es bleibt
zu hoffen, dass dieses vielversprechende Modellprojekt in Zukunft
bundesweit von den Kultusbehörden gefördert wird und möglichst vielen
Betroffenen zu einer Steigerung ihrer Lebensqualität verhilft. |
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