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Allgemeines
Unter der Klimatherapie versteht
man allgemein die gezielte Behandlung von kranken oder gesunden
Menschen durch den Aufenthalt in einem therapeutisch wirksamen Klima,
einem sogenannten Heilklima.
Dabei nutzt man die verschiedenen
klimatischen und witterungsbedingten Eigenschaften einer Region, um auf
bestimmte Symptome oder Erkrankungen einen positiven Einfluss auszuüben.
Die
Klimatherapie ist unter den therapeutischen Verfahren etabliert und
anerkannt. Sie stellt eine Kombination aus der Anwendung natürlicher
Heilmittel und der Überprüfung des Heilerfolges durch Methoden der
modernen Medizin dar. Oft wird sie durch physikalische Übungen und
Bewegungstherapien ergänzt.
Die Wirksamkeit der Klimatherapie beruht
auf einer Steigerung der individuellen Anpassungsfähigkeit des Menschen
an bestimmte Klimareize. Bei vielen Menschen ist diese angeborene
Anpassung an äußere Witterungseinflüsse durch Krankheiten, aber auch
durch ständigen Aufenthalt in gleichmäßig klimatisierten Innenräumen
und Bewegungsarmut reduziert.
Eine Klimabehandlung sollte möglichst
frühzeitig begonnen werden, sofern es der Gesundheitszustand erlaubt.
Für alle Klimakuren gilt, dass die Gewöhnung an die veränderten
klimatischen Umgebungsbedingungen langsam erfolgen sollte. Das
bedeutet, dass zum Beispiel nicht gleich am ersten Tag der Kur
mehrstündige Sonnenbäder erfolgen sollten. Nur wenn die täglichen
Anwendungen langsam sich steigernd durchgeführt werden, kann die Kur
einen langanhaltenden Trainingseffekt entwickeln.
Die Klimatherapie baut auf drei Wirkkomplexen auf:
- thermisch-hygrischer Komplex
Lufttemperatur,
Luftfeuchte, Windstärke und Sauerstoffpartialdruck stellen die Elemente
dieses Wirkkomplexes dar. Sie haben je nach Ausprägung einen Einfluss
auf die Atmungstiefe und den Blutdruck. Kühle Luft und Wind stellen
therapeutisch nutzbare Kältereize dar, die die körpereigene
Wärmeregulation anregen. Gemeinsam mit einem niedrigen Luftdruck und
einem verringerten Sauerstoffpartialdruck wird eine Vertiefung der
Atmung erzeugt. Dadurch steigt die Durchblutung an. Zudem werden
Stoffwechselaktivitäten und das Immunsystem angeregt.
- chemischer Wirkkomplex
Zum chemischen
Wirkkomplex gehören das maritime, salzhaltige Aerosol der Seeluft, aber
auch die Pollen- und Allergenfreiheit sowie schadstoffarme Luft, wie
sie in den Hochgebirgen über 1500 m Höhe zu finden ist. Letzteres sorgt
bei Allergikern zum Abklingen ihrer mit der Allergie verbundenen
Symptome.
- aktinischer Wirkkomplex
Ultraviolette
Strahlung wird als aktinischer Wirkkomplex bezeichnet. Dazu gehören die
Zahl der Sonnenstunden, die Intensität der Strahlungswirkung (diese ist
in waldreichen Gebieten mit viel Schatten geringer als z.B. im Gebirge)
sowie die damit verbundene Helligkeit und Wärmestrahlung. Die langsame
Steigerung der täglichen UV-Strahlendosis wird therapeutisch bei
verschiedenen Hautkrankheiten erfolgreich genutzt.
Diese drei Wirkkomplexe treten stets in Kombination auf, allerdings
je nach Region in unterschiedlicher Ausprägung. Sie stellen den Kern
der Klimatherapie dar.
Je nach Zusammentreffen der verschiedenen klimatischen Bedingungen
unterscheidet man vier Bioklimate, die mit Ausnahme des Flachlandklimas
für eine Klimatherapie geeignet sind:
- Küsten- und Seeklima
- Flachlandklima oder auch Tieflandklima
- Mittelgebirgsklima
- Hochgebirgsklima
Jedes dieser Bioklimate besitzt unterschiedlich stark ausgeprägte Schon-, Reiz-, oder Belastungsfaktoren.
Schonfaktoren
- reine Luft, niedrige Luftschadstoffmengen
- geringe Allergenbelastung
- milde Lichtstrahlungsverhältnisse (waldreiche Gegend)
- leichte Winde
- gemäßigte Temperaturen mit geringen Tages-/ Jahresschwankungen
Regionen mit hohem Anteil Schonfaktoren:
Vorwiegend mittlere bis hohe Lagen der waldreichen Mittelgebirge.
Reizfaktoren
- klare, milben- und allergenfreie, schadstoffarme Luft
- solehaltige Luft
- mäßige bis starke Winde
- Kälte
- viel Sonne, hohe UV-Strahlung
Regionen mit hohem Anteil Reizfaktoren:
Küstengebiete und Inseln der Nord- und Ostsee, z.B. Insel Borkum
Hochgebirge ab 1000 - 1500 m Höhe, z.B. Davos
Belastungsfaktoren
- extreme Hitze oder Kälte
- häufige, ausgeprägte Wetterwechsel
- sehr intensive oder sehr geringe UV-Strahlung
- hoher Grad an Schadstoffanteilen in der Luft
- hohe Pollenbelastung
Regionen mit hohem Anteil Belastungsfaktoren:
Ballungsgebiete, industriereiche Landschaften, Niederungen des Flachlandes
Die
scheinbar widersprüchliche Mischung aus Reiz- und Schonfaktoren bei
gleichzeitiger Abwesenheit von Belastungsfaktoren macht die spezifische
Heilwirkung eines Klimas aus. Als genereller Grundsatz gilt: bei akuten
gesundheitlichen Problemen sollte ein mildes, schonendes Klima
bevorzugt werden. Zur vorbeugenden Abhärtung oder bei zahlreichen
chronischen Erkrankungen bietet sich eher ein Reizklima-Kuraufenthalt
an.
Für welche Erkrankungen kommt eine Klimatherapie als Behandlungsform in Frage?

Klimatherapien
sind neben der allgemeinen Erhaltung der Gesundheit und dem Aufbau des
Immunsystems für einige Erkrankungen besonders geeignet. Je nach
Erkrankung können unterschiedliche Bioklimate geeignet sein.
Die Klimatherapie ist empfehlenswert bei:
- chronischen Hauterkrankungen, z.B. Neurodermitis, Schuppenflechte, Ekzemen
- chronisch-entzündliche Erkrankungen der Atemwege, z.B. Bronchitis, Bronchialasthma
- Allergische Erkrankungen, z.B. Heuschnupfen, allergisches Asthma
- Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und der Gefäße
- zur Regeneration und Erholung nach langer, schwerer Krankheit
- bei erhöhter Infektanfälligkeit, allgemeine Erschöpfung und geschwächtem Immunsystem
Wie unterscheiden sich die einzelnen bioklimatischen Zonen?
1. Küsten- und Seeklima
Auf
den Inseln und in den Küstengebieten des Festlandes an Nord- und Ostsee
herrschen stärkere Winde (Reizfaktor) bei gleichzeitig konstanteren
Lufttemperaturen und Luftfeuchtigkeitsmengen (Schonfaktoren) als im
Binnenland. Hinzu kommt in diesen geographischen Gebieten eine höhere
Sonneneinstrahlung (weiterer Reizfaktor). Durch den steten Wind kommt
es jedoch nicht zu einer höheren Wärmebelastung. Als weitere
Schonfaktoren gelten die klare, allergen- und schadstoffarme Luft,
sowie der Salzgehalt der Luft.
Seeluft enthält salzhaltige
Wassertröpfchen. Im Brandungsbereich enthält ein Kubikmeter Seeluft bis
zu 1 mg Salz. Dieses sogenannte Schwebsalz nimmt landeinwärts deutlich
ab. Bereits in 100 bis 200 m Entfernung von der Brandung enthält die
Luft nur noch 1/10 des Salzgehaltes, je nach der Stärke des Windes und
der Höhe der Wellen.
Nordseewasser enthält etwa 36 g Salz pro Liter,
in der Ostsee ist der Salzgehalt etwas niedriger und nimmt nach Osten
hin weiter ab. Das Reizklima ist an der Nordsee daher stärker
ausgeprägt, die Ostseeluft ist etwas milder in der Wirkung.
Das
maritime, salz- und mineralstoffhaltige Aerosol wirkt schleimlösend auf
die Schleimhäute der Atemwege. Auf der Haut hat das Salz milde
hornschichtlösende Eigenschaften und wirkt sich günstig auf eine
Neurodermitis oder Psoriasis aus. Auch die intensive
Sonneneinstrahlung, die durch den Wind abgemildert wird, hat einen
positiven Effekt auf diese Hauterkrankungen. Auf den obligatorischen
Sonnenschutz muss jedoch auch hier geachtet werden.
Das maritime
Reizklima eignet sich darüber hinaus besonders zur Steigerung des
Immunsystems. Der stete Wind stellt einen Kältereiz dar, der dafür
sorgt, dass die peripheren Blutgefäße sich verengen. Die Durchblutung
im Körperinneren steigt und Stoffwechselprozesse werden angeregt. Dies
hat eine Stärkung der Immunabwehr und eine Abhärtung des Organismus
gegenüber veränderten äußeren Temperatureinflüssen zur Folge.
2. Flachlandklima (bis 400m Höhe)

In
den Gebieten zwischen der Küstenregion und den Mittelgebirgen herrscht
vermehrt Nebel oder sogar Hochnebel. Die Winter sind nasskalt, die
Sommer oft heiß und dabei windarm. Es findet kaum Durchmischung und
Verwirbelung kälterer und wärmerer Luftschichten statt. Daher werden
die Temperaturen im Sommer oft als drückend empfunden. Häufig sind es
die Flachlandbereiche, in denen sich größere Ballungsgebiete und
Industrie ansiedeln aufgrund einer günstigen Infrastruktur. Für die
Menschen bedeutet dies jedoch eine zusätzliche Anhäufung von
Belastungsfaktoren. Flachlandklima zählt daher bei Zusammentreffen
mehrerer dieser Belastungsfaktoren zu den für eine Klimatherapie
weniger geeigneten Bioklimaten.
3. Mittelgebirgsklima

Die
Regionen des Mittelgebirges weisen meist größere Waldflächen auf, die
als Schattenspender die Strahlungsintensität der Sonne abmildern und
den Windzug abbremsen. Winde und Strahlungsintensität sind dadurch
geringer als im Hochgebirgsklima oder an der Küste. Zudem kommt den
bewaldeten Gebieten der Mittelgebirge eine luftreinigende Funktion zu,
die für eine Anreicherung der Luft mit Sauerstoff sorgt. Jahres- und
Tagestemperaturschwankungen sind weniger stark ausgeprägt, allgemein
herrscht ein mildes reizarmes Klima zu jeder Jahreszeit. Das
Mittelgebirgsklima eignet sich durch seinen hohen Anteil an
Schonfaktoren für alle Krankheitsbilder, jedoch ganz besonders für
Personen mit eingeschränkter Belastbarkeit, z.B. nach schweren
Erkrankungen, zur Rekonvaleszenz oder für Personen mit
Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
4. Hochgebirgsklima

Therapeutisch geeignet sind vor allem die Höhenlagen zwischen 1000 und 2000 m.
Die
Luft ist trocken, kühl und der Luftdruck ist relativ niedrig. Ab 1500 m
Höhe können Hausstaubmilben oder Schimmelpilze daher nicht überleben.
Der Sauerstoffpartialdruck verringert sich um etwa 12 % pro 1000
Höhenmeter. In dem kalten und trockenen Klima haben pollenbildende
Pflanzen wesentlich kürzere Pollenflugperioden, es entsteht eine
deutlich verringerte Pollenbelastung der Luft als in anderen
Klimabereichen.
Die Luft im Hochgebirge ist zudem schadstoffarm. Die
Anzahl Sonnenstunden ist bis zu dreimal höher als in anderen
Klimaregionen. Die natürliche Höheneinstrahlung durch die
Hochgebirgssonne ist reich an UVB-Strahlung (280-315 nm, UVA: 315-400
nm), was sich z.B. auf eine Neurodermitis positiv auswirkt. Durch die
hohe Lufttrockenheit wird die Sonneneinstrahlung und die damit
verbundene Wärme nicht als schwül und drückend empfunden. Auch die
starken Winde der Hochlagen, die durch unmittelbar benachbarte Gipfel
und Gebirgsketten deutlich abgebremst werden, mildern eine
Temperaturbelastung durch die Sonneneinstrahlung spürbar ab.
Hochgebirgsklima
ist besonders für Allergiker geeignet. Der geringe Luftdruck führt
dazu, dass die Atmung automatisch vertieft und die Durchblutung
angeregt wird. Leichte Kältereize durch den Wind in Kombination mit der
intensiven Sonneneinstrahlung helfen dem Körper, neue Abwehrkräfte
aufzubauen. Der Körper passt sich dabei allmählich an das Höhenklima
an. Hierbei gilt wie für andere Reizklimaregionen auch, dass diese
Anpassung in möglichst kleinen Schritten erfolgen soll, um einen
Kurerfolg zu erzielen. Dabei soll der Körper zunehmend und mit einer
langsamen zeitlichen Steigerung den Klimabedingungen ausgesetzt werden.
Übermäßige Veränderungen, z.B. ausdauernde mehrstündige Sonnenbäder
gleich zu Beginn einer Kur schwächen den Organismus mehr als ihm zu
nutzen.
Kurorte, Heilbäder und Therapiemöglichkeiten

In Deutschland gibt es derzeit über 50 heilklimatische Kurorte,
die sich durch die verschiedenen günstigen Klimabedingungen vor Ort
sowie durch eine meist landschaftlich sehr reizvolle Lage auszeichnen.
Über Heilbäder in Deutschland informiert der Deutsche Heilbäderverband e.V., Schuhmannstraße 111, 53113 Bonn.
Weitere Informationen zu Therapiemöglichkeiten
im Rahmen der Reizklimatherapie bei Allergien und anderen chronischen
Haut- und Atemwegserkrankungen gibt die Deutsche Haut- und
Allergiehilfe e.V., Gotenstraße 164, 53175 Bonn in ihrer kostenlosen
Broschüre "Reizklima-Therapie" für Patienten.
Kliniken
Asklepios Nordeseeklinik
www.asklepios.com/sylt
Fachklinikum Borkum
www.fachklinikum-borkum.de
Klinken in Bayern / an der Nord- und Ostsee:
www.mutter-kind.de
Kurkliniken (Übersicht)
www.kurkliniken.de |
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