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Hauterscheinung, für die ein Kortikoid das Mittel der Wahl ist, kann der Hautarzt aus einer breiten Palette von Wirkstoffen und Zubereitungsformen das richtige Präparat verordnen. Ihre unterschiedlichen Eigenschaften beruhen auf einer Veränderung der Moleküle, der chemischen Struktur. So werden die Substanzen heute nach ihrer Wirkstärke in vier Klassen eingeteilt. In der Klasse 1 sind die Kortikoide mit leichter Wirkung wie das Hydrokortison, der Klasse 4 ist z. B. das sehr stark wirksame Kortikoid Clobetasoldipropionat zugeordnet.
Kortikoide wirken:
- anti-entzündlich
Die typischen Symptome wie Rötung, Schwellung, Juckreiz, Schmerz oder Überwärmung klingen rasch ab.
- anti-allergisch
Beschwerden wie Heuschnupfen, Nesselsucht, Asthma oder Hauterkrankungen wie Ekzeme können wirkungsvoll behandelt werden.
- anti-proliferativ
Erkrankungen wie die Schuppenflechte (Psoriasis) haben eine Störung im Ablauf der Zellteilung. Die übliche Zeitspanne von der Zellneubildung bis zur Abstoßung der Hornzelle ist im Gegensatz zu gesunder Haut extrem verkürzt. Daher kommt es zu den starken Hornzellauflagerungen, der Schuppung. Für die Behandlung werden deshalb stark wirksame Kortikoide eingesetzt, bei denen die anti-proliferative Wirkung besondersausgeprägt ist.
Kortikoide der Wirkklasse 1 und 2 wirken fast gar nicht anti-proliferativ.
- immun-modulatorisch
Von dieser Eigenschaft der Kortikoide profitieren insbesondere Patienten, denen ein fremdes Organ transplantiert wurde oder solche, die unter einer sog. Auto-Immunerkrankung leiden. Letztere sind Abwehrreaktionen des Immunnsystems, die sich fälschlicherweise gegen körpereigene Zell- oder Gewebestrukturen richten.
Kortikoide haben bei der Behandlung folgender Erkrankungen einen hohen Stellenwert:
| Innere Erkrankungen |
Hautkrankheiten |
| Rheumatische Erkrankungen |
Ekzeme aller Art, auch atopisches Ekzem (Neurodermitis); schwere Erkrankungen können die innerliche Gabe (Tabletten) erforderlich machen |
| Nierenkrankheiten |
Schuppenflechte (Psoriasis) in jeder Form; ist die Erkrankung ausgedehnt oder sind die Gelenke beteiligt, kann die innerliche Gabe (Tabletten) erforderlich sein |
| Gefäß- und Blutkrankheiten |
Sonnenbrand oder physikalische Hautschäden durch Bestrahlung |
| Darm- und Leberkrankheiten |
Weitere Hauterkrankungen, die auf Störungen des Immunsystems beruhen. Auch hier kann die innerliche Gabe von Kortikoiden notwendig werden |
| Allergischen Reaktionen, insbesondere allergischem Schock |
Schwere Allergien, z. B. Nesselsucht |
| Nervenerkrankungen |
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| Nach Organtransplantationen zur Vermeidung von Abstoßung |
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Anwendung
Kortikoide sind für die erfolgreiche Behandlung vieler Hauterkrankungen unentbehrlich. Der Hautarzt ist Spezialist, der über alle neuen Forschungsergebnisse informiert ist. Ihr Hautarzt geht verantwortungsvoll mit Ihrer Haut - oder der Ihres Kindes - um. Vertrauen Sie auf seine Verordnung und wenden Sie die Medikamente nur an der Hautstelle, nur sooft und nur solange an, wie er es gesagt hat. Auch wenn die Hauterscheinungen bereits nach wenigen Tagen deutlich besser geworden sind, sollten Sie nichts an dem Behandlungsschema ändern. Sollte allerdings unter der Behandlung eine Verschlechterung eintreten, müssen Sie dieses Ihrem Hautarzt mitteilen.
Man weiß heute, dass die Anwendung nicht von einem auf den anderen Tag abgebrochen, sondern langsam "ausgeschlichen" werden sollte. Ein schneller Rückfall (Rebound-Effekt) kann so verhindert werden.
Manchmal wird der Hautarzt, z. B. bei Schuppenflechte, in den ersten Tagen zur Verstärkung der Wirkung, eine Anwendung unter einem Folienverband (Okklusiv-Verband) verordnen. Auch diese Form der Behandlung sollten Sie nie eigenmächtig länger oder an anderen Hautstellen durchführen.
Es gibt heute unter der Vielzahl der Neuentwicklungen Zubereitungen, die gefahrlos bei Kindern oder empfindlichen Hautbereichen wie Gesicht oder Hautfalten (Achseln, unter den Brüsten, Leisten, Po-Falte) eingesetzt werden können. Für die Behandlung akuter Ekzeme bei Kindern führt der rasche Wirkeintritt zu einer Verminderung der Gesamtbelastung, bevor der Teufelskreis von Entzündung -Kratzen - Juckreiz - Verletzung - Entzündung - das Krankheitsbild verschlechtern kann.
Unerwünschte Wirkungen
Jedes Medikament, so auch die Kortikoide, haben neben ihren gewünschten Wirkungen, Begleiteffekte, die unerwünscht sind. Ob diese "Nebenwirkungen" auftreten, hängt von vielen Faktoren ab. Meistens sind sie abhängig von der generellen Gesundheit der Patienten (Einnahme weiterer Medikamente), der eingenommenen Dosis und der Länge der Behandlung. Bei Kortikoiden, die auf die Haut aufgetragen werden, ist ebenfalls die Dauer der Anwendung, die Hautstelle selbst (Kopfhaut weniger empfindlich als die Gesichtshaut), die Wirkstärke des Kortikoids und die Art der Zubereitung entscheidend zur Beurteilung möglicher Nebenwirkungen.
Rheumapatienten oder Patienten mit chronischen Darmerkrankungen z.B., die über sehr lange Zeit und hochdosiert Kortikoide einnehmen müssen, leiden unter verstärkten Wassereinlagerungen. Diese entstehen zuerst im Nacken- und Gesichtsbereich. Bei der Anwendung auf der Haut kommen diese Nebenwirkungen praktisch nicht vor. Aus der Frühphase der Therapie mit Kortikoiden, als die Weiterentwicklungen noch nicht auf dem Markt waren, wurden häufig nach mehrwöchiger Anwendungszeit Hautverdünnungen (Atrophie) gesehen oder auch das Auftreten oberflächlicher Gefäßen (Teleangiektasien). Die heute verfügbaren neuen Generationen der Kortikoide sind diesbezüglich deutlich sicherer geworden. |
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