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Menstruationszyklus und Haut

Menstruationszyklus und Haut
Während des Menstruationszyklus finden eine Reihe hormoneller Veränderungen statt. Diese sind in erster Linie verantwortlich für
  • den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut,
  • die Reifung des Follikels (Zellhülle, die ein Ei des Eierstocks enthält),
  • die Ovulation (Eisprung) in der Mitte des Zyklus und
  • den Abbau der Gebärmutterschleimhaut, der die Menstruationsblutungeinleitet.


Gesteuert werden diese Vorgänge durch zwei Hormone des Eierstocks: Östradiol, ein Östrogen, und Progesteron, ein Gestagen. Die Ausschüttung von Östradiol und Progesteron wird zentral im Gehirn durch Hormone gelenkt.

Das sehr komplexe Wechselspiel dieser Hormone während des Zyklus beeinflusst jedoch nicht nur die weiblichen Sexualorgane, sondern auch die Haut.

Einfluss der Sexualhormone auf die Haut:
Die Haut besitzt Rezeptoren für weibliche und männliche Sexualhormone und reagiert hochempfindlich auf deren Wirkung.
So können Östrogene unter anderem


  • die Talgproduktion unterdrücken und die Wasserbindungskapazität der Haut erhöhen.
  • durch einen erhöhten Wassergehalt im Bindegewebe und eine Verlangsamung des Kollagenabbaus die Hautdicke erhöhen.
  • die Bildung von Pigment in der Epidermis stimulieren. Dadurch können sie eine vorübergehende verstärkte Färbung der Haut hervorrufen, die gewöhnlich prämenstruell besonders um Augen und Brustwarzen auftritt.
  • das Immunsystem der Haut beeinflussen, indem sie die Immunantwort vermindern und antientzündlich wirken.

Der Einfluss von Progesteron auf die Haut ist dagegen noch nicht genau geklärt. Es konnte aber nachgewiesen werden, dass auch Progesteron bestimmte Reaktionen des Immunsystems unterdrücken kann. Da Progesteron das dominierende Hormon in der prämenstruellen Phase ist, wird vermutet, dass die Verschlechterung oder das Auftreten von Hauterscheinungen während dieser Phase auf den Einfluss dieses Hormons zurückzuführen ist.

Prämenstruelles Syndrom (PMS)
Viele Frauen klagen in der Zeit kurz vor ihrer Menstruationsblutung über emotionale und körperliche Beschwerden. Neben Symptomen wie Kopfschmerzen, Gereiztheit, Nervosität, Spannungsgefühl in der Brust oder Gewichtszunahme kommen häufig auch Hautveränderungen vor. Oft treten zum Beispiel milde Akneerscheinungen auf, die von einem höheren Fettgehalt der Haut und Haare begleitet sind. Bei einigen verschlimmert sich eine bereits bestehende entzündliche Hauterkrankung um den Mund (periorale Dermatitis).
Eine exakte Ursache für das PMS konnten bis heute noch nicht gefunden werden. Eventuell sind immunologische Reaktionen an der Entwicklung des PMS beteiligt.

Menstruationszyklus und einige damit verbundene Hauterkrankungen
Hyperpigmentierungen
Durch hormonelle Einflüsse - wie zum Beispiel in der Schwangerschaft oder nach Einnahme der Pille - kann es zu einer vermehrten Pigmentierung kommen. Vor allem im Gesicht können dann unregelmäßig gestaltete gelblich-braune Flecken auftreten (Chloasma). Eine derartige verstärkte Pigmentierung im Gesicht ist bei Frauen auch prämenstruell gefunden worden.

Akne vulgaris, Rosazea
Wenige Tage vor Einsetzen der Menstruationsblutung verschlechtert sich bei vielen Patientinnen die bereits bestehende Akne. Vor allem ältere Frauen (> 33 Jahre) scheinen davon häufiger betroffen zu sein.
Eventuell kann die Verschlechterung der Akne durch das Auftreten hormonell bedingter Wassereinlagerungen erklärt werden, die zu einer Verengung der Talgdrüsengänge und so zu einem Talgstau führen.
Möglicherweise kann auch die prämenstruelle Verschlimmerung der Rosazea so begründet werden. Hier kann auch die verstärkte Hautdurchblutung eine Rolle spielen.

Psoriasis (Schuppenflechte)
Es ist seit langem bekannt, dass sich Psoriasis durch Hormone beeinflussen lässt. So kann es während einer Schwangerschaft sowohl zu einer Verbesserung als auch zu einer Verschlechterung dieser Hauterkrankung kommen. Auch prämenstruell kann sich die Psoriasis verschlechtern. Da durch die experimentelle Gabe von Progesteron Psoriasisschübe ausgelöst werden konnten, wird angenommen, dass dieses Hormon auch bei der prämenstruellen Verschlechterung eine Rolle spielt.

Atopische Dermatitis (Neurodermitis)
Frauen mit atopischer Dermatitis zeigen im Verlauf des Menstruationszyklus oft eine Verschlimmerung ihrer Hautsymptome. Eine Verschlechterung des Hautbildes konnte bei einigen Frauen während der Menstruation, bei anderen etwa eine Woche vorher festgestellt werden. In diesen Fällen gingen die Hautveränderungen häufig mit weiteren Symptomen des prämenstruellen Syndroms, wie Kopfschmerzen, Spannungsgefühl der Brust o.ä. einher. Möglicherweise hängt die prämenstruelle Verschlechterung einer atopischen Dermatitis mit immunologischen Einflüssen der Sexualhormone Östrogen und Progesteron zusammen.

Candidavaginitis
Wie bereits erwähnt, beeinflussen sowohl Östrogen als auch Progesteron das Immunsystem. Es gibt Hinweise darauf, dass die immunologischen Effekte der beiden Zyklushormone zu einer verminderten Abwehr gegen den häufig auf der Haut vorkommenden Pilz Candida albicans führen könnten. Auch der Pilz selbst wird durch Östrogen beeinflusst.
Unter Einfluss dieser Hormone kommt es bei Schwangeren häufiger zu einer Candidainfektion als bei Nichtschwangeren. Wiederinfektionen können insbesondere kurz vor Eintritt der Menstruationsblutung auftreten. Auch Anti-Baby-Pillen, die einen hohen Gehalt an Östrogen enthalten, erhöhen das Risiko einer Candidainfektion.

Kontaktdermatitis und Hautreaktivität
In der prämenstruellen Phase ist die Haut gegenüber Kontaktallergenen reaktiver. Daher kann sich eine bestehende Kontaktdermatitis in dieser Zeit verstärken.
Um das auslösende Allergen einer Kontaktallergie zu ermitteln, werden sogenannte Epikutantestungen durchgeführt. Diese Tests können aufgrund der unterschiedlichen Hautreaktivität in den einzelnen Phasen des Menstruationszyklus in der prämenstruellen Phase positiv, zu einem anderen Zeitpunkt aber auch (falsch) negativ ausfallen.

Neben den hier vorgestellten häufiger vorkommenden Hauterkrankungen werden auch eine ganze Reihe weiterer Symptome der Haut in den verschiedenen Phasen des Menstruationszyklus verschlechtert oder verbessert. In den seltensten Fällen ist die Ursache dafür geklärt. Sehr häufig werden aber die immunologischen Effekte der Zyklushormone Progesteron und Östradiol verantwortlich gemacht.
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