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Narben

 Keloid   
Keloid © Springer Verlag

Definition und Ursache:
Narben sind Ausdruck und Folge der körpereigenen Hautreparatur im Rahmen der Wundheilung. Man unterscheidet physiologische (problemlose) Narben von  sogenannten pathologischen d.h. auffälligen Narben. Auffällig bedeutet, dass sich die Narbe in Größe, Form und Farbe deutlich von ihrer Umgebung abzeichnet. Zu den häufigsten pathologischen Narben gehören hypertrophe Narben und Keloide. Beide sind Ausdruck eines gestörten Gleichgewichtes zwischen Herstellung und Abbau von Hautkollagen. Als Keloide bezeichnet man überschießendes Narbengewebe auch außerhalb der ursprünglichen Wunde. Eine hypertrophe Narbe ist auf das Gebiet der ursprünglichen Wunde beschränkt.
Bei den selteneren atrophen Narben fehlt es hingegen an Substanz, was sich als schüsselförmig eingesunkene Delle darstellt.

Problemlose Narben:
Die Art der Narbe wird vor allem dadurch bestimmt, wie tief und groß die Hautverletzung ist. Wird die unterste Schicht der Oberhaut (Epidermis) nicht beschädigt, so ist die neu gebildete Haut zumeist nicht von ihrer Umgebung zu unterscheiden. Dies kann auch noch bei tieferen Wunden der Fall sein, allerdings nur dann, wenn der Heilungsprozess gut und komplikationslos vonstatten gehen kann.  

Auffällige Narben:
Sobald die Hautwunde tief und groß ist, besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit später auffällige und unschöne Narben zu entwickeln. Wird der Heilungsverlauf zusätzlich z.B. durch Infektionen, Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder mechanische Manipulation an der Wunde gestört, steigt dieses Risiko weiter an. Die Bildung von Keloiden hat zudem einen genetischen Hintergrund. Sie treten oftmals bei hellhäutigen und rothaarigen Menschen auf sowie bei Menschen mit dunkler Hautfarbe. Hormonelle Ursachen können dafür verantwortlich sein, dass Keloide außerdem häufig bei Jugendlichen im Alter von 12-18 Jahren auftreten.

Erste Maßnahmen:
Wunden sollten möglichst rasch gereinigt und desinfiziert werden. Anschließend sollte man die Haut vor dem Eindringen von Mikroorganismen schützen, etwa durch ein Pflaster oder einen Verband. Größere und tiefe Wunden gehören in die Hände eines Arztes. Dies gilt auch für kleinere Wunden, wenn sich diese z.B. infiziert haben oder nicht abheilen.
Mechanische Manipulation der Haut sollte vermieden werden. Das gilt z.B. auch bei stark juckenden Infektionskrankheiten der Haut wie Windpocken oder bei Hauterkrankungen wie Akne.

Symptome:
Problemlose Narben sind flach, blass, weich und unterscheiden sich kaum von ihrer Umgebung. Keloide hingegen sind als hellrote wulstige Stränge zu sehen, die sich über den eigentlichen Wundrand ausbreiten. Jucken, Brennen, Rötungen und Schmerzen können typische Begleitsymptome dieser Narbenform sein. Dies findet man bei hypertrophen Narben seltener. Sie sind scharf auf den Wundrand begrenzt und entstehen im Gegensatz zu Keloiden zeitlich nah zum Wundheilungsprozess. Keloide wachsen oftmals erst nach Monaten. Atrophe Narben mit ihren eingesunkenen Dellen machen sich insbesondere im Rahmen einer schweren Akne oder großflächig verbrannter Haut bemerkbar.
Weiterhin können Narben durch ungünstige Lokalisation wie z.B. am Gelenk zu Bewegungseinschränkung und Fehlstellungen führen. Psychologische Folgeerscheinungen sind möglich, wenn die Narben stark entstellen und den Betroffenen an traumatische Ereignisse erinnern.

Therapie:
Derzeit existiert keine Therapie die entstellende Narben in eine perfekte Haut zurück verwandelt. Es ist jedoch möglich die betroffene Stelle unauffälliger erscheinen zu lassen und eine gewisse Beschwerdefreiheit zu erzielen. Der Therapieerfolg hängt dabei von unterschiedlichen Faktoren wie Lokalisation, Größe und Art der Narbe, Patientenalter, Begleiterkrankungen usw. ab. Hypertrophe Narben können sich z.B. spontan zurückbilden. Eine Standardtherapie existiert nicht. Beschaffenheit und Stadium der Narbe sind entscheidend für die Auswahl einer geeigneten Behandlungsmethode. Als derzeit etablierte Verfahren gelten bei hypertrophen Narben und Keloiden Kortison, welches direkt in die Narbe injiziert wird, Bestrahlung, Kryotherapie (Vereisung), die Druckbehandlung sowie operative Verfahren. Oftmals kommt auch eine kombinierte Anwendung dieser Verfahren zum Einsatz. Die Lasertherapie gilt zwar noch nicht als etabliert, liefert aber vielversprechende Ansätze.

Prophylaxe:
Für das spätere Erscheinungsbild eines Hautdefekts kann man schon frühzeitig etwas tun. Sofern nach einer Operation keine Komplikation vorliegen, kann bereits zwei bis drei Wochen später damit begonnen werden, das frische Gewebe mehrmals täglich unter mäßigem Druck im Querverlauf mindestens fünf Minuten zu massieren. Unterstützend können milde Hautcremes oder auch Narbengele verwendet werden. Diese lindern Symptome und können einer vermehrten Gewebebildung entgegenwirken.
Zur Pflege von Narben sind zahlreiche Kosmetika erhältlich, die z.B. Allantoin, Nachtkerzenöl oder Panthenol enthalten.
Zu beachten ist, dass die topischen Zubereitungen nicht bei allen Patienten gleich gut helfen, so muss individuell für jeden Patienten das passende Mittel gefunden werden.

Tipps für den Alltag:
Da die Narbe an sich nur von einer dünnen Zellschicht bedeckt ist, können Substanzen aus der Umwelt viel leichter eindringen und so gegebenenfalls die Haut reizen. Daher sollten möglichst parfümfreie und wenig reizende Kosmetika verwendet werden. Außerdem muss die vernarbte Haut besonders vor Sonneneinstrahlung geschützt werden, da in der Regel keine Pigmentzellen vorhanden sind, die das sonst schützende Melanin bilden. Um Narben abzudecken sind spezielle Produkte wie Abdeckstifte oder Cremes (Camouflage) erhältlich.


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