 |
Informationen zum Thema Borreliose der Haut
 |
|

|
|

|
Erythema migrans
("Wanderröte")
|
|
Lymphadenosis
cutis benigna
|
|
Akrodermatitis
chronica atrophicans
|
Ursache
Infektion mit Borrelia burgdorferi; einem schraubenförmigen sehr
beweglichen Bakterium, das zur Spirochäten-Familie gehört. Borrelien
werden durch Zeckenstiche auf den Menschen übertragen.
Die Zecke sticht einen 0,5 mm langen Saugrüssel in die Haut, die sie
vorher mit ihren Mundwerkzeugen angeritzt hat. Sie "beisst" also nicht,
so dass man richtigerweise von einem Zeckenstich spricht.
Symptome der Hautborreliose
Nach der Infektion entsteht am Ort des Zeckenstichs eine Hautrötung,
die einige Tage bis Wochen nach dem Stich beginnt, sich langsam
zentrifugal ausbreitet und dabei im zentralen Bereich oft blasser wird.
Es resultiert eine immer größer werdende scheibenförmige und oft
bandförmig-ringförmige Rötung, das sog. Erythema migrans (= wandernde
Rötung, "Wanderröte"). Dies das typische Hautsymptom des Stadium I
einer Borreliose. Eine nur 2-4 cm große Rötung gilt als reine
Stichreaktion, die sich dann innerhalb weniger Tage zurückbildet. In
diesem frühen Stadium treten oft Allgemeinsymptome wie leichtes Fieber
und Kopfschmerz auf.
Eine Ausbreitung der Erreger auf dem Lymph- und Blutweg kann im späten
Stadium I, öfter im Stadium II und auch noch im Stadium III in der Haut
zu einer umschriebenen Abwehrreaktion führen, der sog. Lymphadenosis
cutis benigna ("Borrelien-Lymphozytom"). Es handelt sich um einen
flachen blauroten schmerzlosen Knoten, dem ein tumorartiges Infiltrat
von Abwehrzellen (Lymphozyten) zugrunde liegt. Selten entwickelt sich
das Borrelien-Lymphozytom direkt an der Stichstelle oder in deren
näherer Umgebung; öfter am Ohrläppchen oder in der Brustwarzenregion.
Die Erreger können trotz einer solchen lokalen und auch systemischen
Immunabwehr in verschiedenen Organen überleben, sich vermehren und zu
Organerkrankungen führen. Solche Organerkrankungen gehören zum Stadium
III der Borreliose. Die Haut kann in diesem Stadium mit einer
chronischen Entzündung erkranken, der sog. Akrodermatitis chronica
atrophicans. Diese Entzündung führt über eine anfängliche Rötung und
Schwellung zunehmend zu einer Atrophie (Gewebsschwund) der Haut.
Betroffen sind meist Unterarme/Hände oder Unterschenkel/Füße.
Die Borreliose gilt als Multisystem- oder Multiorganerkrankung. Die
außerhalb der Haut auftretenden Symptome werden unter "Weitere
Informationen" aufgelistet. Eine Borreliose ist nicht ansteckend.
Erste Maßnahmen
Entdeckt man eine in der Haut sitzende Zecke, sollte man sie umgehend
entfernen; und zwar mit einer Pinzette, die man hautnah und parallel
zur Hautoberfläche ansetzt, ohne den Körper der Zecke zu quetschen.
Empfohlen werden meist feine gebogene Pinzetten. Mit einem leichten
kontinuierlichen Zug, ohne Drehen, lässt sich die Zecke einschließlich
Saugrüssel herausziehen. Hilfreich sind sog. Zeckenkarten, die aus
einem festen Kunststoff bestehen und zwei unterschiedlich große
Einkerbungen enthalten. Die Karte wird im Bereich der Einkerbung
zwischen Haut und Zecke geschoben, die Zecke kann dann vorsichtig
abgehoben oder herausgehebelt werden. Bleibt der Saugrüssel dann doch
in der Haut stecken, kann er vom Arzt mit einer Kanüle oder der Spitze
eines Skalpells entfernt werden. Letzteres wird meist auch dann
erforderlich, wenn es sich um eine sehr kleine Zecke oder um eine
Nymphe (Zwischenstadium), die mit einer Pinzette nicht gut gefasst
werden können, handelt. Ein Desinfizieren der Stichstelle mit Jod oder
Alkohol ist sinnvoll, ohne dass natürlich dadurch eine mögliche
Borrelieninfektion verhindert werden kann.
Je früher man eine Zecke entdeckt und entfernt, um so geringer ist das
Infektionsrisiko: Die Zecke entlässt die in ihrem Darm lebenden
Borrelien nicht sofort nach dem Stich in die Haut, sondern erst nach
12-24 Stunden.
Weitere Informationen
a) Historische Daten
Die Borreliose heißt international auch Lyme-Borreliose. Diese
Bezeichnung geht zurück auf den Ort Lyme in Staat Connecticut in den
USA. Dort gab es Anfang der 70er Jahre auffallend gehäuft
Gelenkentzündungen vor allem bei Kindern, wobei man einen Zusammenhang
mit Zeckenstichen herstellen konnte. Gegen Mitte der 70er Jahre
bezeichnete man diese Arthritis zusammen mit weiteren nach
Zeckenstichen aufgetretenen Krankheitssymptomen als "Lyme Disease". Die
Symptome dieser Lyme-Krankheit waren schon seit langem bekannt, so z.
B. das Erythema migrans als Folge eines Zeckenstichs seit 1909. Es war
bis zur Beschreibung der "Lyme-Krankheit" allerdings nicht gelungen,
die in den verschiedenen Organen auftretenden Symptome einem einzelnen
bestimmten Krankheitsbild zuzuordnen.
Ein wichtiger Schritt war dann die Entdeckung von Borrelien im Darm von
Schildzecken im Jahr 1981 durch W. Burgdorfer, einen in den USA tätigen
Schweizer Bakteriologen. Anschließend konnte man die Indizienkette
durch den Nachweis von Borrelien-Antikörpern im Serum erkrankter
Personen und dann den kulturellen Erregernachweis in erkrankten Geweben
schließen. Man unterscheidet drei Erregertypen: Borrelia burgdorferi
i.e.S., das zumindest in den USA die meisten Gelenkerkrankungen
hervorruft; Borrelia afzelii, das in erster Linie Hautborreliosen
verursacht; Borrelia garinii, das möglicherweise für die meisten
Borreliosen des Nervensystems verantwortlich ist. Inzwischen kennt man
weitere Subtypen der Borrelia burgdorferi i. w. Sinne; wobei evtl.
krank machende Eigenschaften noch erforscht werden.
b) Stadien
Das Krankheitsbild der Borreliose wird in drei Stadien, die allerdings
oft fließend ineinander übergehen, eingeteilt. Für das Verständnis der
Erkrankung kann man das 1. und 2. Stadium auch als Frühstadium und das
dritte als Spätstadium betrachten.
Stadium I:
im Bereich des Zeckenstichs eine Rötung in Form des Erythema migrans
(Beschreibung s. Symptome), z.T. mit Schwellung der zugehörigen
Lymphknoten, teilweise leichtes Fieber, Kopfschmerz.
Stadium II:
im Rahmen der sich im Körper ausbreitenden Infektion
Gelenkschmerzen oder selten auch akute Entzündung (Arthritis), meist
ein Gelenk oder weni- ge Gelenke betroffen. Erkrankung des Herzens in
Form einer Entzündung des Herzmuskels (Myokarditis).
Erkrankungen des Nervensystems: isolierte Hirnnervenlähmungen, z. B.
Fazialisparese; Entzündung peripherer Nerven (Neuritis); in
Einzelfällen generalisierte Erkrankung mit Entzündungen von Nerven,
Nervenwurzeln und Hirnhäuten (Morbus Bannwarth). Haut: Lymphadenosis
cutis benigna (s. Symptome).
Stadium III:
Die Erreger können trotz Immunabwehr des Organismus
in verschiedenen Organen überleben und hier chronische
Organerkrankungen verursachen. Gelenke: chronische Arthritis
(Lyme-Arthritis i.e.S.), z. T. mit Gelenkde- struktion ähnlich der
einer primär-chronischen Polyarthritis. Haut: Akrodermatitis chronica
atrophicans, Lymphadenosis cutis benigna (s. Symptome).
Zentralnervensystem: chronische Entzündung (Enzephalomyelitis), selten.
Besonderheiten
Die für die einzelnen Stadien genannten
Hauterscheinungen finden sich ausschließlich bei der Borreliose. Anders
ist das bei Symptomen von seiten anderer Organe: Sie sind oft nur
schwer von gleichartigen oder ähnlichen Symptomen anderer Erkrankungen
abzugrenzen.
Bei zwei speziellen Hauterkrankungen, der zirkumskripten Sklerodermie
und dem Lichen sclerosus et atrophicus, wird eine Verursachung durch
Borrelien diskutiert. Die Untersuchungsbefunde sind bis jetzt
widersprüchlich, so dass die Rolle der Borrelien zur Zeit offen bleibt.
Die Borreliose kann in jedem Stadium ausheilen. Sie kann aber auch ein
Stadium sozusagen überspringen; d.h. die lokale Infektion oder auch die
Ausbreitung der Erreger im Organismus können ohne fassbare
Krankheitssymptome bleiben, bis schließlich eine Organerkrankung des
Stadium III auftritt.
Borrelien können die Plazenta passieren und den Feten infizieren. Wird
die Mutter und damit auch die Frucht antibiotisch behandelt, kommt es
nach bisher vorliegenden Beobachtungen nicht zu einer Erkrankung.
Zecken können mit dem Stich über den Speichel ein Virus, das die sog.
Frühsommermeningoenzephalitis (FSME, Entzündung der Hirnhäute und des
Gehirns) verursacht, übertragen. Virus- und Borrelienbefall der Zecken
laufen dabei nicht parallel, eine hohe Durchseuchung der Zecken mit dem
Virus bedeutet nicht zwangsläufig auch eine solche mit Borrelien. Für
den Virusbefall der Zecken und damit für die FSME gibt es sog.
Endemiegebiete, in denen diese Erkrankung auftritt. Die Übertragung der
Borrelien ist dagegen nicht auf bestimmte Regionen beschränkt,
Erkrankungen kommen im gesamten Bundesgebiet vor.
Epidemiologie, Immunologie
Das Reservoir für Borrelien stellen Nagetiere dar, insbesondere Mäuse.
Überträger auf den Menschen sind Zecken, sog. Schildzecken (Ixodes
ricinus); möglicherweise in Einzelfällen auch Mücken, Fliegen und
Flöhe. Borrelien beherbergende Zecken gibt es in der gesamten BRD, auch
in anderen Ländern. Zecken leben in Bodennähe, meist im Laub, im
Unterholz; aber auch auf Wiesen und Weiden, in Parkanlagen, u. U. auch
im Hausgarten. Zeckenstiche erfolgen von Frühjahr bis Herbst, anfangs
durch Nymphen, später durch erwachsene Zecken.
Zecken überwintern im Laub, das sie vor Austrocknung schützt. Nach der
Befruchtung der Weibchen entwickeln sich aus den Eiern die Larven, aus
diesen nach einer Häutung die sog. Nymphen, aus diesen nach einer
weiteren Häutung und Wachstum die erwachsenen Zecken, etwa 2,5 mm
(Männchen) bzw. ca. 3,5 mm (Weibchen) lang. Der Zyklus von einem Eier
legenden Weibchen über Larve, Nymphe bis zur erwachsenen Zecke
(Weibchen oder Männchen) erstreckt sich über 24 Monate. Der
Borrelienbefall der Zecken ist unterschiedlich, im Schnitt sind etwa
20% der Zecken befallen. Nymphen beherbergen zu etwa 10% Borrelien und
können die Krankheit ebenfalls übertragen.
Nicht jeder Zeckenstich führt also zu einer Borrelieninfektion. Wenn
sie erfolgt, muss sie keineswegs immer zur Erkrankung führen. Der
Organismus kann die Infektion auch abwehren. Eine Borreliose, also die
eigentliche Erkrankung, soll sich bei 1-5% der Zeckenstiche entwickeln.
Das Erythema migrans als frühes Symptom des Stadium I tritt einige Tage
oder Wochen nach der Infektion auf. Borrelien-Antikörper im Serum
zeigen sich erst ab der dritten Woche und dann auch nicht immer. Die
Ausbreitung der Erreger führt zu Symptomen des Stadium II, wobei nach
der Infektion mehrere Wochen oder auch einige Monate vergehen können.
Borrelien-Antikörper im Serum sind dann meist, aber nicht immer
nachweisbar. Im Stadium III der chronischen Organerkrankungen finden
sich praktisch immer Antikörper.
Die im Immunsystem gebildeten Antikörper richten sich zum einen gegen
Antigene, die verschiedenen Borrelienarten und auch Spirochäten
gemeinsam sind. Serologische Tests für diese Antikörper sind sehr
empfindlich, aber für die Borreliose nicht sehr spezifisch. Die Tests
(Suchtests) dienen daher zu Anfangsdiagnostik. Fallen sie positiv aus,
müssen sich aufwendigere spezifische Tests (Bestätigungstests)
anschließen!
Diagnostik
Ein in der Haut auftretendes Erythema migrans beweist eine vorliegende
frühe Borreliose. Der serologische Nachweis von Borrelien-Antikörpern
ist in dieser Situation entbehrlich, zumal ein positives Ergebnis erst
in der dritten Woche nach der Infektion erwartet werden kann.
Die in jedem Stadium mögliche Immunreaktion der Haut in Form der
Lymphadenosis cutis benigna weist auf eine Borrelieninfektion hin,
beweist sie allerdings nicht, so dass ein Antikörper-Nachweis im Serum
erfolgen sollte. Die Akrodermatitis chronica atrophicans der Haut im
Stadium III ist wiederum für eine Borreliose recht charakteristisch,
der Antikörpernachweis ist hier zusätzlich hilfreich.
Die bei der Stadieneinteilung aufgelisteten Symptome von seiten der
Gelenke, des Herzens und des Nervensystems können z.T. in gleicher,
z.T. in ähnlicher Form auch aus anderen Ursachen auftreten. Hier wird
neben einer guten organbezogenen fachärztlichen Diagnostik ein
Borrelien-spezifischer Antikörpernachweis wichtig.
Therapie
Borrelien sind gegen zahlreiche Antibiotika empfindlich. Aus der
klinischen Verlaufsbeobachtung heraus haben sich bestimmte Antibiotika
(Tetracycline, Cephalosporine) durchgesetzt.
Bei fortbestehenden Symptomen oder über Monate anhaltenden hohen
Antikörpertitern werden nochmalige Behandlungszyklen empfohlen. Nach
einer erfolgreichen Behandlung fallen die Antikörpertiter langsam, über
Monate hinweg, ab. Nicht selten persistieren niedrige Antikörpertiter,
ohne dass man daraus auf eine noch vorhandene Erkrankung schließen muss.
Eine vorsorgliche antibiotische Behandlung nach einem Zeckenstich, ohne
auftretende Symptome, wird offiziell nicht empfohlen. Sie wird aber
wohl doch gelegentlich durchgeführt; vor allem unter dem Gesichtspunkt,
dass eine Borrelieninfektion anfangs ohne fassbare Symptome bleiben und
dann unerwartet Symptome eines späteren Stadiums entwickeln kann.
Einige Experten schlagen daher vor, nach einem Zeckenstich die von der
Haut entfernte Zecke in einem darauf spezialisierten Labor auf
Borrelien untersuchen zu lassen. Sind Borrelien nachweisbar, erfolgt
vorsorglich eine antibiotische Behandlung.
An Impfstoffen für eine aktive Immunisierung gegen Borrelieninfektionen wird gearbeitet.
Tipps
-
Zecken sitzen nicht auf Bäumen und lassen sich von dort herabfallen.
Sie erklettern Gräser und Sträucher bis zu etwa 1,5 m Höhe. Von hier
aus können sie über ein Sinnesorgan an den Vorderbeinen ihr Opfer
sozusagen wittern. Streift man sie z. B. von einem Strauch im
Vorbeigehen ab, klammern sie sich zunächst an die Kleidung, suchen dann
über Lücken der Kleidung die nächste freie Hautpartie und kriechen
langsam weiter zu warmen feuchten Stellen wie z. B. Kniekehlen,
Leistengegend, Achseln.
-
Tragen Sie bei Wald- und Wiesenspaziergängen geschlossene Schuhe und
ziehen Sie die Socken über die Hosenbeine. Tragen sie helle Kleidung,
auf der Sie eine Zecke leicht erkennen können. Inspizieren Sie nach dem
Spaziergang zunächst die Kleidung und dann die Haut, bei Kindern
besonders auch die Kopfhaut, auf Zecken.
-
Insektenmittel (Repellents) wie z. B. Autan sind für einige Stunden
relativ gut, aber keineswegs hundertprozentig wirksam. Dabei ist es
auch sinnvoll, Schuhe und Hose einzusprühen.
-
Eine durchgemachte und auch eine vorhandene Borreliose oder Antikörper
im Blut schützen nicht vor einer erneuten Borrelieninfektion durch
einen Zeckenstich.
-
Haben Sie eine Zecke von ihrer Haut entfernt, können Sie sie z. B. auf
einem Stück Leukoplast festkleben, in einem kleinen Plastikbeutel
aufbewahren und mit ihrem Arzt besprechen, ob sie auf Borrelien
untersucht werden kann; mit dem Ziel, bei einem positiven Nachweis
vorsorglich antibiotisch zu behandeln.
-
Informationen zur Borreliose finden Sie auch auf der Internetseite der
Borreliose-Selbsthilfegruppe Deutschland www.borreliose-bund.de.
-
Informativ ist auch das Büchlein "Zeckenborreliose", von Dr. med. W. Krickau, 2005 erschienen im Südwest-Verlag, Preis € 12,95.
|
 |