Hauterkrankungen

Informationen zum Thema periorale Dermatitis


periorale Dermatitis
         (periorale Dermatitis)

Allgemeines
Bei der perioralen Dermatitis handelt es sich um eine meist chronische Hauterkrankung, die typischerweise mit entzündlichen Veränderungen wie Pickelchen um den Mund herum („perioral“) verläuft. Im Volksmund wird sie auch als „Mundrose“ oder „Stewardessenkrankheit“ bezeichnet. Vorwiegend sind Frauen mittleren Alters (ca. 25 bis 45 Jahre) betroffen, aber auch bei Kindern ist die periorale Dermatitis keine seltene Diagnose.

Synonyme
Rosazea-artige Dermatitis

Ursache
Die genaue Ursache steht bis heute nicht fest, diskutiert werden aber insbesondere:
  • Unverträglichkeit von Kosmetika, Gesichts- oder Zahnpflegeprodukten
  • Übermäßige Anwendung von Kortikosteroid-haltigen Präparaten im Gesicht (Kortikosteroide oder auch Glukokortikosteroide sind antientzündlich wirkende Mittel, die vom Kortison abgeleitet sind).
  • Kombination der beiden Faktoren
Möglicherweise spielen aber auch andere Faktoren, wie die Besiedlung mit bestimmten Bakterien oder Hefepilzen, Hormone, Sonnenlicht, künstliche UV-Bestrahlung oder die Neigung zu Überempfindlichkeitsreaktionen (atopische Diathese) eine Rolle bei der Entstehung und Unterhaltung der perioralen Dermatitis.

Meist verläuft das Krankheitsgeschehen nach folgendem Muster:
  • Die Gesichtshaut fühlt sich trocken an und spannt (empfindliche Haut) oder ist leicht entzündet.
  • Das Auftragen von Pflegecremes oder Salben führt zu einer Verbesserung des Hautgefühls. Werden die Pflegemittel weggelassen, wird die Haut wieder trocken etc.
  • Man beginnt, die Pflegeprodukte gewohnheitsmäßig und häufig aufzutragen.
  • Unter dem Einfluss der vielen, möglicherweise auch verschiedenen Feuchtigkeitsprodukte und intensiven Reinigung verändert sich die Haut, quillt auf. Das führt zu einer Beeinträchtigung ihrer natürlichen Barrierefunktion, mit der Folge, dass die Haut noch mehr austrocknet.
  • Ein Teufelskreislauf beginnt. Es werden mehr Kosmetika aufgetragen. Die Haut reagiert mit Entzündung, sichtbar in Form von Rötung, kleinen Knötchen und Pusteln.
Glukokortikoide, die zunächst zu einer Verbesserung führen, können das Krankheitsbild langfristig noch verschlimmern.

Die Kosmetika-Theorie ist überzeugend, da es nach Weglassen der gewohnheitsmäßig und häufig verwendeten Pflegeprodukte zu einer Verbesserung des Hautbilds kommt. Werden die Kortikoid-haltigen Cremes oder Pflegeprodukte erneut verwendet, kommt es hingegen wieder zu einer Verschlechterung.

Besonderheiten
Die periorale Dermatitis ist für die Betroffenen oft sehr belastend. Zum einen aufgrund der Sichtbarkeit der Hauterscheinungen und des monate- bis jahrelangen Velaufs und zum anderen aufgrund der Tatsache, dass die wirksamste Therapie darin besteht, auf beliebte Kosmetika und Pflegecremes zu verzichten.

Symptome
Vor allem um den Mund herum, aber auch in der Falte, die von den Nasenflügeln zu den Mundwinkeln führt (Nasolabialfalte), finden sich Knötchen, Bläschen und/oder Pusteln auf geröteter Haut. Manchmal finden sich diese Symptome auch um die Augen. In einer schmalen Zone direkt um das Lipperot ist die Haut meist erscheinungsfrei. Bei starker Ausprägung können auch Oberlider, die Wangen und die Stirn betroffen sein. Bei Kindern finden sich die entzündlichen Veränderungen auch um die Nase. Selten wird Juckreiz festgestellt.

Behandlungsmöglichkeiten
Da die periorale Dermatitis durch übermäßige Anwendung von Pflegeprodukten oder Glukokortikoiden ausgelöst wird, sollten diese weggelassen werden. Da sich das Hautgefühl dann durchaus verschlechtern kann, sollte das Vorgehen auf jeden Fall zuvor mit einem Hautarzt besprochen werden.
Bei starker Entzündung kann der Hautarzt z. B. Antibiotika verordnen, die entweder äußerlich aufgetragen werden oder eingenommen werden müssen. Der Arzt entscheidet im Einzelfall, welche Behandlung (oder in manchen Fällen auch „Nichtbehandlung“) Erfolg versprechend ist. Manchmal werden sehr milde Cremes empfohlen, die aus ganz wenigen Inhaltsstoffen bestehen und weder Duftstoffe noch Konservierungsmittel enthalten. In einigen Fällen haben sich auch Umschläge mit Gerbstoffen oder Schwarztee als heilsam erwiesen.

Was Sie selbst tun können
In diesem Fall ist es das Beste, auf gewohnte Pflegeprodukte zu verzichten. Da es sich um eine chronische Hauterkrankung handelt, braucht man oft viel Geduld und Vertrauen, auch wenn es zunächst, nach Weglassen der eigenen Hautpflege zu einer Verschlimmerung der Erkrankung kommt. Man sollte sich darauf einstellen, dass es oft Wochen bis Monate dauern kann, bis es zur Abheilung kommt.

Sinnvoll ist es zusätzlich - nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt - auf milde, seifenfreie Reinigungsprodukte umzusteigen. Das Gesicht anschließend mit dem Handtuch abtupfen, nicht abreiben.

Quellen:
  • Knopf B. Pathogenese, Klinik und Therapie: Periorale Dermatitis (POD). Kosmetische Medizin 2003; 2: 66-71
  • Plewig G. Akne und Rosazea. In: Braun-Falco et al. (Hrsg.): Dermatologie und Venerologie. 5. Aufl. Springer Medizin Verlag Heidelberg 2005. S. 907-908.
  • Strom K und Abeck D. Periorale Dermatitis. In: Abeck D und Cremer H (Hrsg.): Häufige Hautkrankheiten im Kindesalter.3. Aufl. Steinkopff Verlag Darmstadt 2006. S. 85-88.