Europäische Allergieexperten fordern dazu auf, neue Maßnahmen zu ergreifen, um in Zukunft Kontaktallergien besser vorbeugen zu können. Hintergrund sind die Ergebnisse einer europäischen Studie, die die Häufigkeit der Kontaktallergie in der Allgemeinbevölkerung untersucht hat. Forscher der Universität Heidelberg um Thomas L. Diepgen haben zusammen mit Kollegen aus fünf europäischen Ländern (Schweden, Niederlande, Deutschland, Italien und Portugal) über 12.000 Personen interviewt, mehr als 3.000 davon nahmen zudem an einem Allergietest teil. Ergebnis: Jeder Vierte ist in Europa von einer Kontaktallergie betroffen.

Kontaktallergien werden oftmals im Zusammenhang mit bestimmten beruflichen Tätigkeiten untersucht, sind aber der neuen Studie zufolge auch in der Allgemeinbevölkerung weit verbreitet. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung hat danach eine Kontaktallergie, berichten die Autoren im British Journal of Dermatology. Die Forscher um Thomas L. Diepgen, Sozialmediziner an der Universität Heidelberg, bezogen Erwachsene aller Altersstufen zwischen 18 und 74 Jahren in die Studie ein. In den Allergietests kamen 32 häufige Allergene der Europäischen Standardreihen zum Einsatz, die alle als Allergieauslöser gut bekannt sind. Eine Allergie auf mindestens eine dieser Substanzen diagnostizierten die Mediziner bei 27,0 Prozent der Europäer. Frauen waren deutlich häufiger von Kontaktallergien betroffen als Männer. Die unrühmliche „Hitliste“ der europäischen Kontaktallergene wird von Nickel mit 14,5 Prozent angeführt. Danach folgen Thiomersal, ein Konservierungsstoff in kosmetischen und pharmazeutischen Produkten, mit 5 Prozent und Kobalt mit 2,2 Prozent. Gefolgt von den Düften der Duftstoffserien FM II und FM I mit 1,9 bzw. 1,8 Prozent Sensibilisierungen. Auch von Kontaktallergien auf ein Phenol-Formaldehyd-Harz (PTBP-Formaldehyd-Harz), das häufig in Klebstoffen verarbeiteter Lederprodukte wie Schuhen, Gürteln, Handtaschen, Armbändern vorkommt, und auf PPD (para-Phenylendiamin), z.B. aus Haarfärbemitteln, waren viele Testteilnehmer/innen betroffen. Auf manche Allergene trifft man an sehr vielen Orten: PTBP-Formaldehyd-Harz beispielsweise kann auch in Leim, Lack, Motoröl, Druckfarben, Gummi, Sperrholz, Deos, Insektiziden oder Desinfektionsmitteln vorkommen. Diepgen und Kollegen sehen vor dem Hintergrund der Studienergebnisse dringenden Handlungsbedarf in der Allergieprävention.

Quelle:Redaktion hautstadt; „Prevalence of contact allergy in the general population in different European regions”, Diepgen, T.L., Ofenloch, R.F., Bruze, M., Bertuccio, P., Cazzaniga, S., Coenraads, P.-J., Elsner, P., Goncalo, M., Svensson, Å. and Naldi, L., British Journal of Dermatology 2016, 174: 319–329. doi: 10.1111/bjd.14167

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