Früher nahm man an, dass Kontaktallergien bei Kindern ein seltenes Phänomen sind. Kinder, so dachte man, kommen noch nicht so häufig mit Stoffen (Chemikalien) in Kontakt, die solche entzündlichen, allergischen Hautreaktionen auslösen. Und das kindliche Immunsystem ist noch in gewissem Sinne „naiv“. Doch Kontaktallergien bei Kindern sind häufiger als gedacht, wie neuere Erhebungen ergeben haben. Kinderärzte und Dermatologen der Universität Padua (Italien) haben in einer aktuellen Studie mehr als 2.600 Kinder im Alter unter 11 Jahren, bei denen der Verdacht auf eine Kontaktdermatitis bestand, mit Hilfe eines Standard-Allergietests auf Sensibilisierungen hin getestet.

Eine Studie des Umweltbundesamtes (UBA) ging im Jahr 2008 von einer Gesamthäufigkeit (Prävalenz) der Kontaktallergie bei Kindern von ca. 10 Prozent aus. Mädchen sind danach doppelt so häufig betroffen wie Jungen. Umwelteinflüsse, so das UBA, spielen eine wichtige Rolle für die Häufigkeit von Kontaktallergien bei Kindern. Die aktuelle Studie aus Italien (07/2016) fand bei 1.220 der untersuchten Kinder mindestens eine allergische Reaktion im Test, berichten Kinderärztin Anna Belloni Fortina und Kollegen. Etwa die Hälfte davon war klinisch relevant, also für die Betroffenen mit entsprechend beeinträchtigenden Symptomen verbunden.

Sensibilisierungen auf Metallverbindungen wie Nickelsulfat (22,7 Prozent), Kobaltchlorid (11,1 Prozent) und Kaliumdichromat (9,9 Prozent) kamen am häufigsten vor, so die Forscher im Fachblatt Pediatric Dermatology. Aber auch allergische Reaktionen auf bestimmte Arznei- und Konservierungsstoffe fanden Belloni Fortina und Kollegen bei den Kindern häufig: Ein Breitbandantibiotikum Neomycin (z.B. in Tropfen, Cremes, Salben; 5,2 Prozent) sowie die Konservierungsstoffe Thiomersal (4,2 Prozent) und MCI/MI (Methylchloroisothiazolinon/Methylisothiazolinon, 3,2 Prozent). Mit 3,4 Prozent ebenfalls häufig die Allergie auf ein Tensid aus Kosmetika wie Shampoos, Duschgele, Intim-Waschlotionen, Schaumbäder und Flüssigseifen, das auch in Babyshampoo enthalten sein kann, namens Cocamidopropyl Betain.

Kontaktallergien kamen bei Kindern mit und ohne Neurodermitis gleich häufig vor, berichten die Forscher aus Padua weiter. Kinder mit Neurodermitis waren häufiger von Kontaktsensibilisierungen auf Kalium, Korbblütler (Compositae mix) und den Textilfarbstoff Disperse blue betroffen. Anderen Studien zufolge spielen auch bei Kindern Duftstoffe als Kontaktallergene bereits eine Rolle.

Das Umweltbundesamt empfiehlt: Auf Desinfektionsmittel im Haushalt sollte in jedem Fall verzichtet werden. Wie die Allergien auf Metallionen zeigen, ist auch das Tragen von Modeschmuckketten u.ä. bei den Kleinen kritisch zu sehen.

Quelle:
Redaktion hautstadt; “Contact Sensitization in Children: A Retrospective Study of 2,614 Children from a Single Center”, Belloni Fortina, A., Fontana, E. and Peserico, A., Pediatric Dermatology 2016, 33: 399–404, doi: 10.1111/pde.12873

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