Eine mehrsprachige App auf einem Tablet im Wartezimmer des Hautarztes mit standardisierten Fragen zur Entstehung und zum Verlauf eines chronischen Juckreizes beim Patienten. Ergebnisse, die direkt in eine Datenbank einfließen. So wollen Juckreiz-Experten europaweit möglichst rasch, möglichst umfangreiche Daten zum Thema chronischer Pruritus (Juckreiz) sammeln und auswerten. Ihr Ziel ist ein tieferes Verständnis des Krankheitsverlaufs. Sie wollen herausfinden, wie häufig welche Ursachen für Juckreiz sind und wie gut die Patienten auf welche Therapien ansprechen. „Damit können wir den Forschungsprozess in dieser Disziplin beschleunigen und die Patientenversorgung zeitnah weiter verbessern“, sagt Pruritus-Expertin Prof. Dr. Dr. Sonja Ständer, Leiterin des Kompetenzzentrums für chronischen Pruritus (KCP) am Universitätsklinikum Münster (UKM).

Das Institut für Medizinische Informatik der Medizinischen Fakultät Münster hat eine Datenbank entwickelt, mit der Patientendaten weltweit vergleichbar werden sollen. Pilotprojekt ist der noch wenig erforschte chronische Juckreiz. Bereits 6.500 Datensätze liegen in Münster vor. „Nachdem von den Experten einheitliche Parameter für die Erfassung von Pruritus festgelegt wurden, haben wir eine mehrsprachige Patienten-App entwickelt, mit der wir Daten standortunabhängig nach einem festgelegten Raster erfassen“, erklärt Medizininformatiker und Institutsdirektor Prof. Dr. Martin Dugas. Damit sollen Vergleichbarkeit und Aussagekraft von Daten, Studien und Forschungsergebnissen zu Pruritus zukünftig verbessert werden. Bislang ist das Krankheitssymptom Juckreiz erst wenig erforscht. Zudem wurden in den unterschiedlichen Studien die Merkmale nicht einheitlich dokumentiert. Studien auf Basis größerer Datensätze seien so bisher nahezu unmöglich, beklagen Ständer und Kollegen. Das soll sich nun ändern.

Erkenntnisse, dass bei Männern die Erkrankung später ausbricht als bei Frauen, sie überwiegend an anderen, den Pruritus auslösenden Erkrankungen leiden und häufig auf andere Therapeutika ansprechen, sind bereits auf die wissenschaftliche Arbeit aus Münster der letzten Jahre zurückzuführen. Chronischer Juckreiz – über Tage, über Wochen, teils über Jahre. Für Patienten ist der sogenannte Pruritus oftmals zermürbend, in Deutschland ist fast jeder sechste Erwachsene betroffen.

Quelle:
Redaktion hautstadt; Universitätsklinikum Münster

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