Ist die derzeitige Unterteilung der potentiellen Hautkrebsvorstufe Aktinische Keratose (AK) in AK mit niedrigem und AK mit hohem Risiko sich in einen invasiven Tumor zu verwandeln, auf Basis der Unterscheidung von dünnen und dickeren AK wirklich nützlich? Diese Frage stellt Dermato-Pathologin M. Teresa Fernandez Figueras von der Universitat Autònoma de Barcelona (Spanien) in einem Übersichtsartikel im Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology. Ihrer Ansicht nach, bedarf die aktuelle Klassifizierung weiterer Überprüfung. Die ideale Therapie, so schreibt Figueras, sollte in der Lage sein, die AK-Läsion zum Verschwinden zu bringen und ebenso die zu Grunde liegende UV-Schädigung der umgebenden Haut (field cancerization) zurückzubilden.

Aktinische Keratosen entwickeln sich in ganz unterschiedlicher Weise weiter. Ein Teil verbleibt in dem Stadium, manche bilden sich sogar zurück, aber ein Teil entwickelt sich zu einem invasiven Hautkrebs weiter. Die Schwierigkeit für die behandelnden Ärzte liegt darin herauszufinden, welche AK was in Zukunft tun werden. Ohne sichere Möglichkeiten der Unterscheidung ist es notwendig, alle AK sorgfältig zu beobachten – möglichst mit modernen Hilfsmitteln wie der Dermatoskopie. Und auch die umgebende in der Regel lichtgeschädigte Haut gilt es im Auge zu behalten (z.B. RCM oder HD-OCT).

Bei einer Aktinischen Keratose treten die ersten Veränderungen immer in der Basalschicht der Epidermis auf. Mit entsprechenden Hilfsmitteln kann man diese Veränderungen meist aufspüren, teilweise auch beim Darüberstreichen fühlen. Je nachdem ob ein, zwei oder drei Drittel der Epidermis-Zellschichten verändert sind, werden die AK in drei Kategorien eingeteilt. Vielfach wird davon ausgegangen, dass nur Läsionen bei denen alle drei Schichten betroffen sind, sich zu Hautkrebs weiterentwickeln. Ist nur die Basalschicht betroffen, geht man dementsprechend von einem geringen Risiko aus. Doch, so berichtet Figueras, eine aktuelle Studie habe gezeigt, dass gerade auch AKs mit Veränderungen nur in der Basalschicht als Vorläufer von invasiven Hauttumoren betrachtet werden müssten. Das würde eine Vorhersage aufgrund der Dicke unmöglich machen. Figueras sieht daher die Notwendigkeit auch “dünne” AK zu behandeln. Und um der Entwicklung neuer AK aus lichtgeschädigter Haut vorzubeugen, sollte auch das umgebende UV-geschädigte Areal mitbehandelt und nach Möglichkeit die Schäden behoben werden.

Quelle:
Redaktion hautstadt; “From actinic keratosis to squamous cell carcinoma: pathophysiology revisited”, Fernandez Figueras, M.T., Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology 2017, 31: 5–7. doi: 10.1111/jdv.14151

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