Was in unserem Körper passiert, hängt zum einen von den Genen ab, die uns unsere Eltern mitgegeben haben. Zum anderen aber auch von Faktoren, die von außen auf den Organismus und auch auf die Psyche einwirken. Gene und Umwelt beeinflussen sich gegenseitig in einem hochkomplexen Zusammenspiel. Das gilt sowohl für die alltäglichen Prozesse des Stoffwechsels oder der Gewebeerneuerung, als auch für Krankheiten. Denn auch die Entwicklung einer Erkrankung ist das Ergebnis der gegenseitigen Beeinflussung von genetischer Konstellation und Umwelteinwirkungen. Damit diese Einflüsse wirken können, bedarf es „Mittlern“, die in der Lage sind, Gene an- und abzuschalten. Eine wichtige Rolle in dem komplexen Netzwerk der Regulierung von Genen spielen sogenannte microRNAs. Sie kontrollieren wichtige Funktionen in der Haut und in anderen Geweben. Eine Studie zweier Universitäten in Guangzhou und Shanghai (China) sowie des Henry Ford Health System in Detroit (USA) hat die Rolle von microRNAs speziell bei Psoriasis in einer Übersichtsarbeit untersucht.

Ganz allgemein sind RNA (Ribonukleinsäuren) Informationsüberträger aus dem Zellkern in die Zellen. Sie sind für die Umsetzung von genetischer Information in Proteine zuständig, die ihrerseits alle Vorgänge innerhalb der Zellen und im Körper z.B. als Enzyme am Laufen halten. MicroRNAs werden nicht in Proteine übersetzt, sondern haben eine wichtige Rolle in dem komplexen Netzwerk der Genregulation. Sie haben die Aufgabe Funktionen zu kontrollieren, indem sie beispielsweise Gene stilllegen. Man schätzt, dass bis zu einem Drittel der menschlichen Gene von microRNAs mitgesteuert werden. Die Übersichtsarbeit aus China und den USA macht deutlich, dass microRNAs auch eine Schlüsselrolle bei Psoriasis spielen, die durch Fehlentwicklungen bei Haut- und Immunzellen gekennzeichnet ist. MicroRNAs beeinflussen die Regulierung des vermehrten Wachstums von Hautzellen, Hyperproliferation genannt, und auch die Herstellung von Immunbotenstoffen wie Zytokinen und Chemokinen in den Hautzellen, den Keratinozyten. Das berichten die Forscher um Chuan-Jian Lu (Guangzhou) und Qing-Sheng Mi (Detroit) in der Fachzeitschrift Experimental Dermatology. Diese Botenstoffe fördern unter anderem Entzündungen oder locken Immunzellen an. Darüber hinaus spielen microRNAs auch eine Rolle bei der Vermittlung der Funktionsstörungen im Immunsystem, die für Psoriasis charakteristisch sind, so die Wissenschaftler. Das Forscherteam sieht in microRNAs mögliche neue Biomarker für Diagnose, Therapiebegleitung und Erkrankungsschwere. Außerdem hoffen die Forscher für die Zukunft auf neue Therapieoptionen, die auf spezifische microRNAs abzielen.

Quelle:
Redaktion hautstadt; “Roles of microRNAs in psoriasis: Immunological functions and potential biomarkers”, Liu, Q., Wu, D.-H., Han, L., Deng, J.-W., Zhou, L., He, R., Lu, C.-J. and Mi, Q.-S., Experimental Dermatology 2017, 26: 359–367, doi: 10.1111/exd.13249

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