„Die dermatologische Forschung ist auf dem Gebiet der Allergie in den vergangenen Jahren um Meilen vorangeschritten“, sagte Prof. Dr. med. Martin Röcken, Direktor der Hautklinik des Universitätsklinikums der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen und Präsidiumsmitglied der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft e.V. anlässlich der diesjährigen 49. Jahrestagung DDG. Heute ließen sich sogar komplexe Allergien mit Antikörpern und spezifischen Immuntherapien gut behandeln, so Prof. Röcken. Zu den interessantesten Beobachtungen gehören laut Röcken neue Erkenntnisse zur Verknüpfung von neurologischen und allergologischen Reaktionen.

Immunbotenstoffe spielen eine zentrale Rolle im Allergiegeschehen. Eine wichtige Gruppe von Botenstoffen sind dabei die sogenannten Interleukine (IL-). Sie stehen daher heute neben anderen Faktoren im Fokus der dermatologischen Forschung. In den letzten Jahren konnten durch das zunehmende Verständnis von Interleukinen innovative Behandlungen bei Juckreiz und atopischem Ekzem entwickelt werden. Neu ist, dass ein Antikörper gegen IL-31, Juckreiz hemmen kann, erläutert Prof. Röcken. Dies beweise, wie eng neurologische und allergologische Reaktionen beim Menschen miteinander verknüpft sind, sagt Röcken. Klinisch noch wichtiger sei, dass die Blockade des gemeinsamen Rezeptors von IL-4 und IL-13 das schwere atopische Ekzem deutlich verbessern kann. So kann erstmalig eine krankmachende Immunantwort ohne Schwächung des Immunsystems ‚umgeleitet’ werden, berichtet der Haut- und Allergieexperte weiter. Ausgehend von diesen bedeutenden Erkenntnissen in der Dermatologie werde die Wirkung dieser innovativen Behandlungen aktuell bei weiteren Erkrankungen wie dem Asthma untersucht, freut sich Röcken.

Der Ausdruck ‚Allergie’ wurde vor gut 100 Jahren geprägt und bedeutet ‚anders reagieren’. Allergien im engeren Sinne sind normale Immunantworten mit zwei Besonderheiten: (1) Die Immunantwort ist nicht gegen einen Krankheitserreger gerichtet, sondern gegen eigentlich harmlose Umweltstoffe, wie Gräserpollen, Katzenhaare, Nickel im Schmuck oder Medikamente. Sie richtet sich somit gegen Stoffe, mit denen wir natürlichen Kontakt haben oder haben wollen. (2) Die Immunreaktion ist so stark, dass sie den Menschen beeinträchtigt oder bedroht.

Quelle:
Redaktion hautstadt; 49. Jahrestagung der Deutsche Dermatologische Gesellschaft e.V. (DDG) vom 26. – 29. April 2017 in Berlin; “Anti–Interleukin-31 Receptor A Antibody for Atopic Dermatitis”, Thomas Ruzicka, M.D., Jon M. Hanifin, M.D., Masutaka Furue, M.D., Ph.D., Grazyna Pulka, M.D., Izabela Mlynarczyk, M.D., Andreas Wollenberg, M.D., Ryszard Galus, M.D., Ph.D., Takafumi Etoh, M.D., Ryosuke Mihara, M.S., Hiroki Yoshida, M.S., Jonathan Stewart, M.B., Ch.B., and Kenji Kabashima, M.D., Ph.D., for the XCIMA Study Group, N Engl J Med 2017, 376:826-835, doi: 10.1056/NEJMoa1606490; “Anti-IL-31 receptor antibody is shown to be a potential therapeutic option for treating itch and dermatitis in mice”, Kasutani, K., Fujii, E., Ohyama, S., Adachi, H., Hasegawa, M., Kitamura, H. and Yamashita, N., British Journal of Pharmacology 2014, 171: 5049–5058, doi: 10.1111/bph.12823

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