Unsere Haut ist täglich Infektionserregern ausgesetzt. Dennoch werden wir, wird unsere Haut, im Normalfall nicht krank. Neben einem starken Immunsystem, verdanken wir das u.a. dem sogenannten Mikrobiom. Also den Billionen von Bakterien und Pilzen, die die gesunde Haut und Organe wie den Darm besiedeln. Der Begriff „Mikrobiom“ bezeichnet dabei die Gesamtheit aller den Menschen oder andere Lebewesen besiedelnden Mikroorganismen. Im engeren Sinne werden auch die Gene aller Mikroben im und am menschlichen Organismus Mikrobiom genannt. Es nimmt Einfluss auch auf Krankheiten wie Allergien, Infektionen oder chronische Wunden. Die aktuelle dermatologische Forschung untersucht, wie diese natürlich vorhandenen Mikroorganismen das Immunsystem des Menschen trainieren oder überwachen und in welcher Wechselwirkung sie untereinander stehen.

Obwohl sich das Mikrobiom von Mensch zu Mensch und auch von Körperregion zu Körperregion erheblich unterscheiden kann, erfüllen die Mikroorganismen bei jedem Menschen dieselben Aufgaben. Die Mikrobiomforschung gibt vermehrt Hinweise darauf, wie die Mikroorganismen unsere Gesundheit, aber auch verschiedene Krankheiten beeinflussen. Darunter Einflussfaktoren des Mikrobioms auf den Stoffwechsel, das Immunsystem oder Infektionen und damit zusammenhängende Erkrankungen. Bestimmte Bakterien sind in der Lage, Einfluss auf Immunvorgänge zu nehmen, so dass der Organismus krankmachende Keime intensiver bekämpft. Seit 2007 arbeiten Wissenschaftler in den USA und Europa daran, sämtliche Gene aller Mikroorganismen im menschlichen Mikrobiom zu entschlüsseln.

Aufgrund der vielfältigen Wechselwirkung zwischen Organismus und ihn besiedelnden Mikroben bleiben Einflüsse auf das und Veränderungen im Mikrobiom nicht ohne Auswirkung auf seinen Träger. „Wir wissen bereits, dass Störungen des mikrobiellen Gleichgewichtes, beispielsweise durch die ungezielte oder unnötige Gabe von Antibiotika, Infektionen begünstigen können,“ berichtet Prof. Dr. med. Cord Sunderkötter, Klinik für Dermatologie und Venerologie der Universitätsklinik Halle und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Dermatologische Infektiologie und Tropendermatologie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG).

Mit zunehmendem Durchschnittsalter unserer Bevölkerung, so Sunderkötter, steige die Anzahl der Menschen mit chronischen Wunden und mit Immunerkrankungen. Beides seien Faktoren, die Haut- und Weichgewebeinfektionen förderten. Schlimmstenfalls könne es auch zu einer Aussaat der Erreger ins Blut kommen, so der Infektiologe. Die unkritische, also zu häufige und unnötige Gabe von breit wirksamen Antibiotika in allen Fachdisziplinen habe bereits zur Resistenz eines häufigen und potenziell gefährlichen Infektionserregers geführt, dem „Haufenbakterium“ Staphylokokkus aureus, warnt Sunderkötter. Dermatologen komme bei der Früherkennung und gezielten Behandlung dieser Infektionen eine große Verantwortung zu.

Quelle:
Redaktion hautstadt; 49. Jahrestagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) vom 26. – 29. April 2017 in Berlin

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