Einen bisher unbekannten Mechanismus, der Hautkrebs fördern kann, haben jetzt Forscher der Universität des Saarlandes in Saarbrücken um Professorin Sigrun Smola entschlüsselt. Haut-Papillomviren spielen dabei eine zentrale Rolle. Diese schaffen es, den natürlichen Schutzmechanismus der Haut zu unterbrechen. Beobachten konnte das Forschungsteam um Erstautorin Anna Marthaler dies bei Patienten, die an einer seltenen Hautkrankheit mit dem zungenbrecherischen Namen „Epidermodysplasia verruciformis“ leiden. Sie sind besonders anfällig dafür, in sonnenbestrahlten Bereichen Hautkrebs zu bekommen. Der Gendefekt führt dazu, dass sich in den betroffenen Hautpartien bestimmte Papillomviren vermehren können. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin „PLoS Pathogens” veröffentlicht.

Die Rolle humaner Papillomviren ist bei der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs gut erforscht. Auch bei Hautkrebs wird schon seit längerem vermutet, dass bestimmte Haut-Papillomviren eine Rolle spielen und die krebsfördernde Wirkung von UV-Licht begünstigen können. Die aktuellen Forschungsergebnisse erhellen nun die Zusammenhänge. Insgesamt existieren 180 HPV-Typen; während die einen harmlose Warzen auslösen, verursachen andere invasive Karzinome.

Bei gesunden Menschen dämmen bestimmte Moleküle, wie der sogenannte Faktor C/EBPα, die schädliche Wirkung von UV-Licht auf die Haut ein. Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Papillomviren in den befallenen Hautpartien diesen Schutzmechanismus unterbrechen können. Ein einziges Protein des HP-Virus, das so genannte HPV8 E6 Onkoprotein, genügte, um den Schutzeffekt außer Kraft zu setzen, berichten die Forscher. Es stört die Arbeit einer bestimmten microRNA-203, die Stammzellen in Schach hält. Der Einfluss des viralen Onkoproteins führte so dazu, dass diese natürliche „Bremse“ gelöst wird und sich Hautzellen mit Stammzellcharakter besser vermehren können. Viele Tumorarten haben ihren Ursprung in Stammzellen, die sich dann – wie im Falle des Hautkrebses durch zu viel UV-Licht – in Tumore verändern können.

MicroRNAs spielen in dem komplexen Netzwerk der Regulierung von Genen eine wichtige Rolle, insbesondere beim Stilllegen von Genen. Man nimmt an, dass 20-30 Prozent aller menschlichen Gene von microRNAs mitgesteuert werden und dass Fehlfunktionen die Bildung von Tumoren begünstigen.

Quelle:
Redaktion hautstadt; „Identification of C/EBPα as a novel target of the HPV8 E6 protein regulating miR-203 in human keratinocytes“, Marthaler AM, Podgorska M, Feld P, Fingerle A, Knerr-Rupp K, Grässer F et al., PLoS Pathogens 2017, 13(6): e1006406, doi.org/10.1371/journal.ppat.1006406

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