Die personalisierte Medizin gewinnt zunehmend an Bedeutung in der Behandlung von Krankheiten, berichtete Prof. Dr. med. Rudolf Stadler, Direktor der Universitätsklinik für Dermatologie, Venerologie, Allergologie und Phlebologie am Johannes Wesling Klinikum Minden anlässlich der diesjährigen 49. Jahrestagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) in Berlin. Inzwischen kann mit innovativen Wirkstoffen Einfluss nicht nur auf Proteine, sondern ebenso auf Genome (Erbanlagen) genommen werden, um auch Hautkrebs individualisiert zu behandeln, sagt Stadler. Möglich macht das ein wachsendes Verständnis der molekularen Zusammenhänge von Erkrankungen, nicht zuletzt auch der bösartigen (malignen). Begonnen hat alles mit dem Humangenomprojekt. Dieses internationale Forschungsprojekt war der Auftakt für eine Differenzierung von (Krebs-)Erkrankungen in Untergruppen, erläutert Stadler. Die Basis dafür bildete die detaillierte Erforschung der Krankheiten auf der Ebene der Biomoleküle und der molekularen Voraussetzungen.

Auch die wesentlichen Fortschritte in der Therapie von Hauttumorerkrankungen basieren auf diesem neuen Wissen über Biomoleküle (Eiweiß- und Botenstoffe, Gene), das in den vergangenen Jahren stetig zugenommen hat. Da alle Lebensvorgänge, auch diejenigen die zu Krankheiten führen, sich im Organismus auf der Ebene von Genen und Proteinen abspielen, konnte die medizinische Forschung so vorankommen. Es wurden neue potentielle Zielstrukturen identifiziert, an denen innovative Wirkstoffe in der Behandlung von Hautkrebs angreifen können. Bereits die Diagnostik wird darauf ausgerichtet, für jeden Tumor frühzeitig spezifische molekulare Fingerabdrücke zu identifizieren. Dem Patienten soll so eine individuell auf ihn zugeschnittene und damit, so die Hoffnung, wirksamere Therapie ermöglicht werden. Wenn z.B. bestimmte Gene gefunden werden, deren Veränderung zu einer Krebserkrankung beiträgt, wie das sog. gut untersuchte BRAF-Gen beim malignen Melanom, dann kann mit entsprechenden (BRAF-)Hemmstoffen zielgerichtet behandelt werden. Es gibt Hinweise, dass bestimmte potentiell krebsfördernde Mutationen des BRAF-Gens mit dem Lebensalter und der Sonnenexposition zunehmen. Das spricht für Sonnenschutz. Vor allem bei Melanomen mit Hirnmetastasen ist diese Genveränderung nachzuweisen. Um häufige Mutationen sicher zu finden, dafür stehen mittlerweile kommerzielle Testsysteme zur molekularen Testung zur Verfügung. Seltenere Mutationen aufzuspüren, ist dagegen noch nicht so einfach. Doch auch hier hat die molekulare Diagnostik inzwischen Möglichkeiten, die allerdings einen größeren Aufwand und interdisziplinäre Zusammenarbeit erfordern. Erste Hemmstoffe stehen zur Verfügung. Zum Teil weisen auch äußere Anzeichen der Tumoren auf die zugrundeliegende Genveränderung und damit auf mögliche Therapien hin. Neben dem Melanom gibt es für verschiedene andere Hauttumoren inzwischen erste Hemmstoffe. Darunter auch das fortgeschrittene Basalzellkarzinom, der häufigste helle Hautkrebs. Die molekulare Diagnostik hilft zudem, all das frühzeitig zu erkennen. Prof. Dr. med. Rudolf Stadler spricht deshalb vom „molekularen Zeitalter“.

Quelle:
Redaktion hautstadt; 49. Jahrestagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) vom 26. – 29. April 2017 in Berlin

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