Es wurde seitens der Politik bereits einiges unternommen, um Verbraucher besser vor Nickelallergien zu schützen. Zunächst, seit 1994, durch die „EU-Nickeldirektive“ (Europäische Richtlinie 94/27/EG) und ab 2006 innerhalb der REACH-Verordnung, sind Obergrenzen für die Nickelfreisetzung von Alltagsgegenständen festgelegt. Doch in den Vorgaben der Europäischen Union sind noch immer Lücken enthalten, berichten Wissenschaftler. Der Nickelgehalt von Werkzeugen beispielsweise ist nicht durch die REACH-Verordnung geregelt, auch wenn diese über längere Zeit in Kontakt mit der Haut kommen können. Dermatologen des Universitätsklinikums Erlangen haben deshalb gemacht, was Deutsche gerne tun, sie haben im Baumarkt und im Werkzeughandel eingekauft. Ihr Ziel war es, zu schauen inwieweit Werkzeuge hierzulande Nickel und Kobalt an die Haut abgeben.
Nach den Ergebnissen der Studie erscheint es den Forschern um Vera Mahler von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg angemessen, Werkzeuge wie Zangen oder Sägen, die bei handwerklichen Arbeiten längere Zeit in der Hand gehalten werden, in die REACH-Verordnung aufzunehmen. Für die Untersuchung hatten Mahler und Kollegen 600 unbenutzte Werkzeuge eingekauft, die auf dem deutschen Markt erhältlich waren. Im Labor wurde mit Hilfe eines standardisierten Tests untersucht, inwieweit die Metall-Legierungen Nickel bzw. Kobalt freisetzten. Wer nun dachte, auch Handwerker sind heute gut vor Nickelfreisetzungen geschützt, sieht sich getäuscht. Fast ein Drittel, 195 von 600 (32,5 Prozent), der getesteten Werkzeuge setzten Nickel frei. Kobalt wurde hingegen nur von einem Prozent der Werkzeuge abgesondert. Interessant auch: In Deutschland hergestellte Werkzeuge mit der Kennzeichnung ‚made in Germany‘ waren unter denen, die Nickel freisetzten fast doppelt so häufig wie Werkzeuge ohne Herkunftszeichen. Werkzeuge, die in anderen europäischen Ländern hergestellt wurden, setzten dagegen kein Nickel frei. Was die Forscher außerdem fanden, war eine Verbindung zwischen Preisniveau und Nickelfreisetzung.
Quelle:
Redaktion hautstadt; “Nickel and cobalt release from metal alloys of tools – a current analysis in Germany”, Kickinger-Lörsch, A., Bruckner, T. and Mahler, V., Contact Dermatitis 2015, 73: 289–295, doi: 10.1111/cod.12462