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Thema Allergievorbeugung: Eier und Erdnüsse früher in die Beikost einbeziehen?

Die Suche nach dem besten Vorgehen in Sachen Beikost für das allergiegefährdete Kind geht weiter.
19. Oktober 2017

Die Suche nach dem besten Vorgehen in Sachen Beikost für das allergiegefährdete Kind geht weiter. Eine Zeitlang ging man davon aus, dass Nahrungsmittel, die ein hohes Potential haben, Allergien zu verursachen wie Eier, Erdnüsse oder Fisch, stark allergiegefährdeten Kindern keinesfalls zu früh gegeben werden sollten. Die Amerikanische Akademie für Kinderheilkunde (AAP) empfahl beispielsweise im Jahr 2000 feste Nahrung nicht vor dem sechsten Monat, Milchprodukte erst nach dem ersten Geburtstag, Eier erst mit Zwei und Erdnüsse, Nüsse und Fisch erst mit Drei zu geben. Diese Empfehlung galt für Kinder, die ein hohes Risiko haben, eine Allergie zu entwickeln, weil z.B. beide Eltern Allergiker sind. Die Empfehlung wurde im Jahr 2008 von der AAP zurückgenommen, da erhebliche Zweifel am Nutzen der verzögerten Beikost aufkamen. Die Zahl der entsprechenden Allergien waren im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts nicht etwa gesunken, sondern im Gegenteil stark angestiegen. Die Erdnussallergie hatte sich in den USA verdreifacht. Doch noch sind sich die Experten nicht sicher, wann genau der richtige Zeitpunkt für die Einführung dieser Nahrungsmittel in die frühkindliche Ernährung ist. Forscher des Imperial College London sowie der Universitäten Aberdeen, Cardiff, Oxford und Nottingham (GB) haben daraufhin nun die wissenschaftliche Literatur auf entsprechende Hinweise hin durchforstet.

Die Experten für Kinderheilkunde und Epidemiologie des Imperial College London um Robert Boyle und ihre Kollegen durchsuchten Datenbanken und werteten 204 Studien aus, die zum Thema Beikost-Timing und Allergierisiko zwischen 1946 und 2016 gemacht worden waren. Ihrer Auswertung zufolge gaben fünf Studien deutliche Hinweise darauf, dass die frühe Einführung von Eiern in die Säuglingsernährung zwischen dem 4. und 6. Lebensmonat mit einer Reduzierung der Eiallergien verbunden ist (JAMA 2016, 316(11)). Die Einführung von Erdnüssen in die Beikost zwischen dem 4. und 11. Lebensmonat, ist zwei Studien zufolge mit weniger Erdnussallergien verbunden. Ein Einfluss dieser beiden Faktoren auf andere Nahrungsmittelallergien war nicht festzustellen. Der Zeitpunkt der Einführung von glutenhaltigen Nahrungsmitteln in die Beikost des Säuglings hat der Auswertung von Boyle und Kollegen zufolge keinen Einfluss auf das Risiko für eine Zöliakie. Das frühere Einbeziehen von Fisch in die Beikost könnte sich möglicherweise positiv auf das allgemeine Allergierisiko und das Heuschnupfenrisiko auswirken. Die Hinweise darauf sind allerdings bislang noch recht dünn. Eine generelle Empfehlung, allen Säuglingen in der Beikost Eier und Erdnüsse zu geben, wollen die Forscher aus den Ergebnissen auch (noch) nicht ableiten. Es sei vorab noch Forschungsarbeit zu leisten.

Quelle:
Redaktion hautstadt; “Timing of Allergenic Food Introduction to the Infant Diet and Risk of Allergic or Autoimmune Disease – A Systematic Review and Meta-analysis”, Despo Ierodiakonou, Vanessa Garcia-Larsen, Andrew Logan et al., JAMA. 2016, 316(11):1181-1192, doi:10.1001/jama.2016.12623; “Early Allergen Introduction for Preventing Development of Food Allergy” (Editorial), Matthew Greenhawt, JAMA 2016, 316(11): 1157-1159, doi:10.1001/jama.2016.12715