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Aknebakterium ist nicht gleich Aknebakterium: Einige Stämme fördern Akne, andere die Gesundheit

An der Entstehung der Akne bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind Faktoren beteiligt wie eine Überproduktion von Talg und eine erschwerte Abschuppung des Deckgewebes am Haarfollikel.
15. Februar 2018

An der Entstehung der Akne bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind Faktoren beteiligt wie eine Überproduktion von Talg und eine erschwerte Abschuppung des Deckgewebes am Haarfollikel. Und auch ein bestimmtes Bakterium, das Aknebakterium namens Propionibacterium acnes, spielt eine Rolle. Das jedoch, ist ebenso auch Teil der natürlichen und gesunden Hautflora und auch bei Menschen ohne Akne vorhanden. In dem Versuch diesen scheinbaren Widerspruch aufzuschlüsseln ist die Forschung in den letzten Jahren einige Schritte vorangekommen. Von P. acnes existieren etwa 100 verschiedene Stämme, die anhand bestimmter Merkmale in Gruppen eingeteilt werden. Neuere genetische Untersuchungen haben nun gezeigt, dass vor allem eine bestimmte Untergruppe pathogene, also krankmachende Stämme enthält. Dermatologen des Seoul National University Hospitals (Südkorea) haben in einem Übersichtsartikel im International Journal of Dermatology beschrieben, was die Forschung zur Verschiedenheit von P. acnes-Stämmen inzwischen herausgefunden hat.

Frühere Laboruntersuchungen hatten bereits Unterschiede im Erscheinungsbild und in den Zellwänden (z.B. bei Vielfachzucker-Molekülen) der verschiedenen P. acnes-Stämme aufgezeigt. Anhand dieser Merkmale waren sie in die Gruppen I bis III eingeteilt und außerdem zwei Untergruppen I-1 (IA) und I-2 (IB) beschrieben worden. Mit Hilfe neuerer genetischer Untersuchungen, sogenannter Multi-Locus Sequenzanalysen (MLSA), bei denen gezielt bestimmte Gene untersucht werden, konnten seit 2010 weitere Unterscheidungen vorgenommen und so die Einteilung verfeinert werden. Mit MLSA wurden 57 unterschiedliche Populationen von P. acnes identifiziert. Interessant dabei war: Die Mehrzahl der P. acnes-Populationen, die bei Patienten mit starker Akne vorkamen, gehörten zur Untergruppe I-1. Aus der Untergruppe I-2 und der Gruppe II fanden sich nur wenige Aknebakterien und keines aus der Gruppe III bei diesen Patienten. Es existieren entwicklungsgeschichtlich unterscheidbare Cluster-Gruppen von P. acnes mit mehreren „pathogenen Charakterzügen“. Die pathogenen Stämme sind nahe miteinander verwandt. Sie lösen in den Zellen der Talgdrüsen die Herstellung von bestimmten Botenstoffen (Zytokine, Chemokine) aus, die den entzündlichen Prozess fördern. Die Stämme besitzen zudem spezielle Protein-Profile. Das heißt, untersucht man alle durch sie produzierten Proteine (Eiweißstoffe), so findet man Unterschiede. Und es gibt ganz bestimmte Verteilungsmuster für P. acnes-Stämme in Bezug auf verschiedene Hautbereiche. Fazit der Forscher aus Seoul: Einige Stämme von P. acnes fördern die Prozesse der Akne, während andere der Gesundheit dienlich sind, indem sie krankmachenden Keimen auf der Haut keinen Raum geben. Die Forscher hoffen nun für die Zukunft auf die Entwicklung von Therapien, die gezielt nur die krankmachenden Stämme von P. acnes angreifen.

Quelle:
Redaktion hautstadt; “Recent progress in the research about Propionibacterium acnes strain diversity and acne: pathogen or bystander?” Kwon, H. H. and Suh, D. H., International Journal of Dermatology 2016, 55: 1196–1204, doi: 10.1111/ijd.13282