Überraschend: Blutplättchen können Hautkrebs eskalieren lassen – Universität Wien analysiert Krankheitsmechanismen beim Melanom

Die Krebstherapie beim Melanom hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht.
12. Dezember 2017

Die Krebstherapie beim Melanom hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Im Verlaufe der Behandlung kann es dennoch zur Ausbildung von Resistenzen kommen, die zu einer fatalen Eskalation der Krankheit führen können. Forscher der Universitäten Wien und Regensburg um den Wiener Chemiker Prof. Dr. Christopher Gerner haben nun die sog. Blutplättchen als wichtige Akteure in diesem Geschehen identifiziert. Das internationale Forscherteam hat dafür Serumproben aus dem Blut von Patienten und die darin enthaltenen Biomoleküle eingehend analysiert. Die aktuellen Erkenntnisse wurden im amerikanischen Fachjournal „Molecular Cellular Proteomics“ publiziert.

Durch moderne Kombinationstherapien können heutzutage selbst bei metastasierenden Tumoren komplette Remissionen (Rückbildungen) erzielt werden. Meist seien die Erfolge aber nur von kurzer Dauer, berichten die Forscher. Aufgrund von Resistenzen könne eine fatale Eskalation der Krebserkrankung dann alle Organsysteme des Körpers erfassen und letztendlich zum Tod führen. Ein eindeutiger Zusammenhang zur vorausgegangenen Krebserkrankung aber konnte bislang trotz intensiver Forschung nicht gefunden werden.

Analysen der Proteine (Eiweiße) und Lipide (Fette) der Serumproben von Hautkrebspatienten der Universitätsklinik Regensburg lieferten nun überraschende Befunde. Einige Eiweiße und Fette, die im Serum der Patienten stark erhöht waren, stammen aus aktivierten Blutplättchen. „Offenbar kommt es durch ein komplexes Zusammenspiel von Tumorzellen und Leber zur Bildung von funktionell hochaktiven Molekülen, welche zur chronischen Aktivierung von Blutplättchen führen. Diese so aktivierten Blutplättchen ‚helfen‘ fatalerweise den Tumorzellen, indem sie u.a. Wachstumsfaktoren freisetzen, und verursachen somit die Eskalation der Erkrankung“, erklärt Christopher Gerner. Diese Erkenntnisse böten ein völlig neuartiges Erklärungsmodell für die Nachhaltigkeitsprobleme moderner Therapieformen, sagen Forscher. Klinische Testreihen gemeinsam mit der Medizinischen Universität Wien seien bereits in Planung. Ziel sei es, die Möglichkeiten für Diagnostik und Therapie auszuloten, die die neuen Erkenntnisse bieten.

Blutplättchen sind eigentlich für die Blutgerinnung und den Verschluss von Verletzungen an Blutgefäßen zuständig. Im aktivierten Zustand setzen sie Stoffe frei, die für die Blutstillung notwendig sind und heften sich an das die Verletzung umgebende Gewebe.

Quelle:
Redaktion hautstadt; “Multi-omics analysis of serum samples demonstrates reprogramming of organ functions via systemic calcium mobilization and platelet activation in metastatic melanoma”, Besnik Muqaku, Martin Eisinger, Samuel M. Meier, Ammar Tahir, Tobias Pukrop, Sebastian Haferkamp, Astrid Slany, Albrecht Reichle, Christopher Gerner, Molecular Cellular Proteomics, early online 2016, DOI: 10.1074/mcp.M116.063313