Für eine gesunde Haut spielt ein Prozess eine Schlüsselrolle, der als Verhornungsprozess bezeichnet wird. Dabei werden Hautzellen so zu Hornzellen umgebildet, dass die Hautoberfläche stabil und widerstandsfähig bleibt. Für Stabilität sorgen u.a. Faserproteine wie Keratin. Gesteuert werden derartige Vorgänge im Körper durch die Gene. Treten an ihnen Veränderungen, sogenannte Mutationen, auf, so kann es zu Störungen kommen. Mutationen im Filaggrin-Gen (FLG) beispielsweise können mit Störungen der Funktion der Hautbarriere einhergehen. Sie spielen zum Beispiel bei der Hauterkrankung Neurodermitis eine wichtige Rolle. Unter dem Begriff Filaggrin wird eine Gruppe von Proteinen zusammengefasst, die beim Verhornungsprozess der Haut in den hornbildenden Zellen (Keratinozyten) gebildet werden. Sie dienen sozusagen als „Mörtel“ zwischen den Zellen und sind daher für die Barrierefunktion der Haut wichtig. Störungen in der Bildung von Filaggrin-Proteinen sind über Neurodermitis hinaus auch für andere Erkrankungen von Bedeutung wie etwa Asthma. Eine Studie aus den Niederlanden zeigt, dass Filaggrin-Mutationen auch das Risiko für eine Kontaktdermatitis bei Bauarbeitern erhöhen.
Mitarbeiter in der Bauindustrie sind sehr häufig von Kontaktekzemen betroffen. Sie sind bei ihrer Arbeit meist vielen Reizstoffen und Allergenen ausgesetzt. Die Forscher um Lidwien Smit von der Uni Utrecht befragten 506 Bauarbeiter zu Haut- und Atemwegssymptomen. Darüber hinaus wurden Allergiemarker (IgE) im Blutserum untersucht und Genanalysen in Bezug auf vier Filaggrin-Mutationen durchgeführt. Die Diagnose Kontaktdermatitis wurde durch Fachärzte gestellt. Mehr als die Hälfte der Bauarbeiter war von einer Kontaktdermatitis betroffen: 34 Prozent von einer leichten Form und 24 Prozent von einer schweren Krankheitsausprägung. Die überwiegende Mehrzahl der Kontaktekzeme war im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit entstanden. Filaggrin-Mutationen, die bei 6,3 Prozent der Studienteilnehmer gefunden wurden, erhöhten das Risiko für Kontaktdermatitis noch weiter. Für Träger der Mutationen versechst- bis verachtfacht sich das Risiko für die Hauterkrankung.
Quelle:
Redaktion hautstadt; “Contact dermatitis in the construction industry: the role of filaggrin loss-of-function mutations”, Timmerman, J.G., Heederik, D., Spee, T., van Rooy, F.G., Krop, E.J.M., Koppelman, G.H., Rustemeyer, T. and Smit, L.A.M., British Journal of Dermatology 2016, 174: 348–355. doi: 10.1111/bjd.14215