Wer im Freien arbeitet, bekommt mehr Sonne und damit krebserzeugende ultraviolette Strahlung ab als andere Beschäftigte. Soviel war schon seit langem klar. Präzise Angaben fehlten allerdings bislang darüber, wie stark sonnenbelastet welche Berufe im Einzelnen tatsächlich sind. Das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) hat dies nun im Rahmen eines Forschungsprojektes untersucht. Es hat detaillierte Belastungsdaten für die verschiedensten Tätigkeiten in Außenbereichen gesammelt und ausgewertet. Das Ergebnis: Über die Sommermonate ist die Belastung der betroffenen Berufsgruppen so verschieden wie ihre Arbeit. Maßgeschneiderte Prävention, so die Experten von der Unfallkasse, sei deshalb wichtig.
Die Auswertung der Daten hielt auch Überraschungen bereit. Beschäftigte in Steinbrüchen oder im Kanalbau sind danach mehr als dreimal so stark UV-belastet wie Landwirte, die im Ackerbau oder Personen, die zu Fuß in der Postzustellung tätig sind. Zu den besonders UV-belasteten Berufsgruppen zählen auch Dach- und Fassadenbauer, Zimmerer sowie Straßen- und Betonbauer. Gefolgt von Dachdeckern, Maurern, Stahlbaumonteuren sowie Obst- und Gemüsegärtnern. Die Werte für die Jahresexposition in „Standard-Erythem-Dosis“ (SED) liegen für diese Berufe bei besonders hohen 581 SED für Kanalbauer, „mittelhohen“ 474 SED für Zimmerer und 395 SED für Beschäftigte im Obst- und Gemüsebau. Bereits 1 SED genügt, um bei Menschen mit heller Haut (Hauttyp 1) einen Sonnenbrand auszulösen.
Projektleiter und IFA-Strahlungsexperte Dr. Marc Wittlich: „Einige Ergebnisse haben uns wirklich überrascht. So ist zum Beispiel die Belastung auf dem Bau sehr verschieden, je nachdem ob Dächer gedeckt oder Gerüste gebaut werden.“ Die Gründe hierfür gälte es jetzt genau zu beleuchten. Wittlich: „Klar ist aber: Bei allen beobachteten Beschäftigten ist die Belastung so hoch, dass etwas getan werden muss.“
Zu den möglichen Schutzmaßnahmen, die Arbeitgeber ergreifen müssen, zählen beispielsweise „der Einsatz von Sonnensegeln oder die Verlagerung der Arbeit in Zeiten mit geringerer UV-Belastung, wie am frühen Morgen oder späten Nachmittag“, sagt Bernhard Arenz, Präventionsleiter der Berufsgenossenschaft für die Bauwirtschaft (BG BAU). Ergänzend können körperbedeckende Kleidung plus Kopfschutz und Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor notwendig werden. Im Sommer genügen oft schon wenige Minuten, um langfristige UV-Schäden an der Haut zu verursachen – selbst ohne Sonnenbrand.
Quelle:
Redaktion hautstadt; Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) – Spitzenverband der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen, Berlin