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Leitlinien sollen die medizinische Versorgung verbessern helfen – Bei Schuppenflechte in Europa nach wie vor Hindernisse in der Umsetzung

Ein beträchtlicher Anteil der Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis in Europa wird nicht angemessen versorgt.
6. April 2017

Ein beträchtlicher Anteil der Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis in Europa wird nicht angemessen versorgt. Das berichtet ein Forscherteam um Prof. Dr. Matthias Augustin und Dr. Leah Eissing vom Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und Krankenpflege (IVDP) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Die Forscher haben deshalb geschaut, welche Hindernisse einer optimalen Versorgung von Patienten mit Schuppenflechte in den Ländern Europas mit ihren unterschiedlichen Gesundheitssystemen nach wie vor am stärksten entgegenstehen.

Die Analyse zeigte drei Problemfelder auf: Seitens der Patienten spiele die Nichteinhaltung der Therapien eine wichtige Rolle, oft in engem Zusammenhang mit psychiatrischen Faktoren, wie die Autoren im Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology schreiben. Auf Seiten der Ärzte behinderten vor allem die unvollständige Kenntnis der Behandlungs-Leitlinien sowie die Komplexität der Begleiterkrankungen der Schuppenflechte die optimale Versorgung der Patienten. In einigen Ländern sei die Vergütung für Patienten mit komplexem Erkrankungsstatus schlecht und die Erstattungsregelungen widersprüchlich, berichten Eissing, Augustin und Kollegen. Auch das behindere möglicherweise eine optimale Versorgung in den Gesundheitssystemen.

Behandlungs-Leitlinien sollen dazu beitragen, die Qualität medizinischer Versorgung zu verbessern. Um eine Leitlinie zu erarbeiten, kommen Experten einer oder mehrerer medizinischer Fachbereiche, unter Einbeziehung von Patientenvereinigungen und Experten anderer Fachberufe des Gesundheitswesens, zusammen und erarbeiten Entscheidungshilfen für Ärzte und Patienten. Diese müssen wissenschaftlich begründet und praxisorientiert sein. Sie sollen Behandlern und Patienten helfen, zu einer angemessenen ärztliche Vorgehensweise bei speziellen gesundheitlichen Problemen zu kommen. Am Ende des Prozesses wird ein Konsens erzielt, das umfangreiche Wissen (wissenschaftliche Erkenntnisse und Praxiserfahrungen) zu speziellen medizinischen Problemen genau und ausführlich dargelegt und bewertet. Auch gegensätzliche Standpunkte werden aufgezeigt, geklärt, erörtert. Ziel ist es, die gute klinische Praxis zu fördern und die Öffentlichkeit darüber zu informieren. Die Entscheidungen in der medizinischen Versorgung sollen auf eine rationalere Basis gestellt werden. Die Stellung des Patienten als Partner im Entscheidungsprozess will man so stärken und letztlich die Qualität der Versorgung insgesamt verbessern. Für die optimale Umsetzung dieser Ziele haben Ärzte, Patienten und das Gesundheitswesen in Europa wohl noch einen längeren Weg vor sich.

Quelle:
Redaktion hautstadt; “Barriers to guideline-compliant psoriasis care: analyses and concepts”, Eissing, L., Radtke, M.A., Zander, N. and Augustin, M., Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology 2016, 30: 569–575. doi: 10.1111/jdv.13452